Montag, 26. August 2013

26.8. 13 Über Kreuzjoch und Zamangspitze nach St. Gallenkirch



Die Wetteraussichten hatten mich schon etwas verzweifeln lassen. Freilich erwartet man nicht jeden Tag Sonne und einen wolkenlosen Himmel im Hochgebirge, aber was angekündigt war: Gewitter, Starkregen, teils sogar Unwetter zu Beginn unseres langersehnten Urlaubs – sowas kann einem schon die Laune verderben. Aber ganz so schlimm wurde es nicht. Wir kamen bei Sonne in Tschagguns an. Die Rätikonkette, auf deren Anblick ich mich so gefreut hatte, war allerdings von grauen Wolken verhangen, ebenso die umliegenden Gipfel des Verwall. Immerhin konnten wir bei recht freundlichem Wetter durch Schruns und Tschagguns bummeln: es ist wunderschön und erholsam hier, die Orte sind ruhig, überschaubar und gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, was für uns wichtig ist.
Für heute waren die Aussichten nicht rosig. Leichter Regen am Morgen, die Berggipfel wolkenverhangen. Kurzzeitig sollte es aufklaren, für den Nachmittag war stärkerer Regen mit Gewittern angekündigt. Wir entschlossen uns, von Schruns aus mit der Hochjochbahn hinauf zum Hochjochstock zu fahren, um dort oben eine kleine Runde zu gehen. Angenehm überrascht waren wir, dass auch die Sennigratbahn fuhr: keine Kabinenbahn, sondern ein Sessellift. Wir sparten uns also den Serpentinenweg und fuhren ziemlich weit hinauf. Hier oben soll die Aussicht wundervoll sein, aber davon bekamen wir nichts mit: das Tal lag im Nebel und auch die umliegenden Berge waren nicht zu sehen. Der Wegweiser zeigte an, dass die Wormser Hütte in 15 Minuten zu erreichen sei. Also gingen wir dorthin und stiegen links der Hütte noch auf ein bisschen auf dem Grat herum. Da es aber nass war, bald ziemlich ausgesetzt wurde und wir keine Stöcke dabei hatten, kehrten wir um und in die sehr gemütliche Hütte ein. Ob wir noch weiter Richtung Kreuzjoch gehen würden? Der Weg war trotz des trüben Wetters gut zu sehen und sah auch gut begehbar aus; also entschlossen wir uns, noch ein Stück weiter zu gehen. Bald sahen wir dann schon das Gipfelkreuz vor uns. Unterhalb des Gipfels musste man sich gelegentlich mit den Händen am Fels abstützen, aber das war nicht weiter problematisch. Da waren wir doch ziemlich schnell (dank der Bergbahnen) auf 2.395 Metern angekommen. Der weitere Weg zur Zamangspitze lockte uns und wir beschlossen, weiter zu gehen, solange der Weg gut war und keine Gewitter aufzogen. Man hätte auch links herum den „Seenweg“ nehmen können, der an Herzsee und Schwarzsee vorbei zurück zur Wormser Hütte führt. Der Weg zur Zamangspitze führt etwas unterhalb des Grates entlang, über den wir bei diesem Wetter keineswegs hätten kraxeln wollen. Der rot-weiß markierte Weg ist ein wirklich gut begehbarer Bergpfad. Ein blau-weiß markierter alpiner Steig führt über den Grat hinauf zur Zamangspitze. Bei schönem Wetter hätte ich ihn gern ausprobiert: vom Gipfel aus sah er, soweit ich sehen konnte, machbar aus. Aber die Verhältnisse heute sprachen eindeutig für rot-weiß. Auch der letzte Wegabschnitt zum Gipfel ist nicht schwierig, gut markiert und wir hatten trotz des Nebels keinerlei Bedenken, hinaufzusteigen. Mit uns waren noch zwei Wanderer auf den Weg hinauf. Oben angekommen, beglückwünschte man sich zum Gipfel – 2.386 m, der zweite dieses Tages, womit wir gar nicht gerechnet hatten. Die berühmte Aussicht zur Silvretta hatten wir freilich nicht, aber es wurde, entgegen der Wettervorhersage, zwischenzeitlich etwas heller. Wir entschlossen uns daher, nicht Richtung Kreuzjoch und zur Bergbahn zurückzukehren, sondern den Weg hinunter nach St. Gallenkirch zu nehmen. Die Zeit war mit 2 ½ Stunden angegeben; wir haben aber deutlich länger gebraucht. Der Weg führte zunächst durch Latschenkiefern hindurch, weiter über Almwiesen und durch den Wald, an der Zamangalpe und Tanafreida Maisäß vorbei. Wir hätten vielleicht besser die Fahrstraße entlang gehen sollen, aber wir befürchteten, dadurch viel Zeit zu verlieren. Der rot markierte Wanderweg führte direkt und recht steil hinunter ins Tal. Besonders im Wald mussten wir sehr aufpassen, da Wurzeln, Steine, teils auch der Waldboden rutschig waren – und unsere Wanderstöcke befanden sich in der Ferienwohnung. Wir haben uns jeder einmal auf den Hosenboden gesetzt, sind aber letztlich gut, wenn auch müde, in St. Gallenkirch etwas unterhalb des Ortszentrums angekommen. Zu unserer Freude verkehrt der Bus nach Schruns relativ häufig, nachmittags sogar alle halben Stunden, so dass wir nicht lange warten mussten. Zurück gelaufen wären wir nur, wenn es gar keine andere Möglichkeit gegeben hätte. Dieser Abstieg bei unserer ersten Alpenwanderung war doch recht anstrengend. Mit dem Wetter haben wir wirklich Glück gehabt. Erst am Abend begann es wieder zu regnen. 

14,8 Kilometer von Tschagguns aus gerchnet, 1.880 Hm im Abstieg, kleine Anstiege (nicht ausgewertet)
 

Sonntag, 23. Dezember 2012

Gipfelliste Stand 2012

GipfelRouteHöheLageDatum der Besteigung
Chörbschhorn 2650Bündner Alpen25.08.2011
Flüela SchwarzhornFlüelatal/Schwarzhornfurgga3146Bündner Alpen26.08.2011
GrüenhornParsennfurgga/Casannagrat2501Bündner Alpen03.09.2011, 23.09.2012
Hüreli Seehorn/Hüreli2444Bündner Alpen28.08.2011
JatzhornGrattour vom Jakobshorn2682Bündner Alpen23.08.2011
Pischahorn 2979Bündner Alpen09.09.2012
RätschenhornMadrisabahn/Saaser Calanda/Rätschenhorn2703Bündner Alpen24.08.2011
Rinerhorn 2528Bündner Alpen11.09.2012
Saaser Calandamarkierter Weg von der Madrisabahn aus2556Bündner Alpen24.08.2011
Schesaplanavon der Totalphütte aus2965Bündner Alpen (Rätikon)31.08.2011
Schneekoppeüber Wiesenbaude/Schlesierhaus1602Riesengebirge27.05.2009
Seehornvon der Stafelalp kommend2238Bündner Alpen28.08.2011
Sulzfluhdurch den Rachen2818Bündner Alpen (Rätikon)15.09.2012
Valbellahornüber Bärentaler Alpe2764Bündner Alpen21.09.2012
Weißfluh 2844Bündner Alpen22.08.2011, 23.09.2012

Sonntag, 23. September 2012

23.9.12 Vom Gotschnagrat über Gruenhorn, unterhalb der Casanna entlang zu Weissfluhgipfel und Weissfluhjoch, 12,8 km; 800 Hm

Ein bisschen sind wir in Abreisestimmung gekommen, denn der Tag beginnt mit einem Umzug aus unserer Ferienwohnung ins Hotel Kulm, Davos Wolfgang. Zu dieser Verlängerung haben wir uns entschlossen, da der Nachtzug nach Dresden erst am Montagabend buchbar war. Wir können schon am Vormittag unser Gepäck im Hotel lassen und einchecken; der Empfang ist sehr freundlich und wir fühlen uns sofort wohl. Eine neue Gästekarte bekommen wir auch gleich und mit dieser fahren wir zunächst nach Davos Dorf, mit der Rhätischen Bahn nach Klosters und weiter mit der Bergbahn zum Gotschnagrat. Die große Gondel ist gut gefüllt mit Menschen; viele Wanderer und Mountainbiker fahren hinauf und das Wetter verspricht ja auch sehr schön zu werden: blauer Himmel und Sonnenschein locken in die Berge! Die meisten Wanderer bewegen sich Richtung Panoramaweg – dorthin werden wir also nicht gehen. Wir entscheiden uns, zum Gruenhorn hinauf zu wandern. Der Berg ist nicht sehr hoch, aber recht steil. Wir kennen den Weg bereits, der über den Gipfel, weiter unterhalb der Casanna entlang und über zwei, drei Erhebungen hinweg zur Parsennhütte führt. Während wir zum Gruenhorn (2.501 m) aufsteigen, haben wir einen schönen Blick ins Rätikon, auf Drusenfluh und Sulzfluh, nur der Gipfel der Schesaplana wird von einer Wolke eingehüllt. Einige Leute steigen Richtung Casannagipfel auf, brechen dann aber ab und kehren zum Weg zurück, der auf halber Höhe verläuft. Man sieht einige schmale Pfade am Hang, aber dieser ist sehr steil und auf den Felsgipfel müsste man klettern: das haben wir schon im vergangenen Jahr bleiben lassen und auch dieses Mal gehen wir geradeaus weiter. Diesen Weg sind wir auch im letzten Sommer bei unserer letzten Tour gegangen – da fanden wir ihn aber viel ausgesetzter als heute. An einigen Stellen sind Drahtseile angebracht, die freilich nicht sehr fest im Fels sitzen. Wir kommen schneller durch als beim letzten Mal und finden die Strecke gar nicht so unheimlich. Weiter geht es ziemlich bequem über einen Bergrücken, wo die Sicht nach allen Richtungen sehr gut ist. Einen namenlosen Gipfel ersteigen wir noch (2.523 m), dann machen wir Rast. Es ist erst kurz nach Mittag – wie also gehen wir weiter? Da gibt es eigentlich nur ein Ziel, mit dem wir die heutige Wanderung krönen können: der Weissfluhgipfel (2.843 m), der sich markant und hell vor uns erhebt. Dies war unser erster Gipfel im vergangenen Urlaub in Davos und der Gedanke, dass er dieses Mal unseren Urlaub abschließt, gefällt uns gut. Vor uns liegt noch ein unzugänglich wirkender Berg, das Schwarzhorn (nicht das Flüela-Schwarzhorn!), auf den kein Wanderweg führt, aber unterhalb seiner Nordwestseite führt ein Wanderweg Richtung Wasserscheidi und Weissfluhjoch. Den nehmen wir. Kurz vor 14 Uhr sind wir an der Einsattelung, wo der Weg zum Weissfluhgipfel abzweigt. Nach einer kurzen Pause machen wir uns an den Aufstieg. Im letzten Sommer sind wir hier langsam und vorsichtig hochgegangen; wir hatten großen Respekt vor der Höhe des Berges und dem, wie wir fanden, schmalen Weg hinauf. Heute finden wir ihn relativ einfach und daran merken wir, dass wir uns eingewöhnt haben. Ernst Ludwig Kirchner, der „Brücke“-Künstler, der lange Zeit in Davos gelebt hat, hat neben vielen Motiven aus dieser Gegend auch die Weissfluh gemalt. Im Kirchner-Museum waren wir dieses Mal auch gewesen. Wir kommen relativ zügig nach oben, sind auch nicht die einzige auf dem Gipfel. Die Aussicht ist, wie es kaum anders zu erwarten war, sehr gut. Ein paar Quellwolken ziehen heran. Deswegen halten wir uns nicht lange oben auf und gehen langsam wieder hinunter. Das Weissfluhjoch (2.693 m) ist dann wirklich unser letztes Gipfelchen in diesem Urlaub. Danach fahren wir mit der Parsennbahn hinunter nach Davos. Ein wenig wehmütig wird einem zumute, wenn es ans Abreisen geht, aber dieser Urlaub war lang und wir haben die meisten der Touren machen können, die wir uns gewünscht hatten. Die Gegend kennen wir nun schon ganz gut, haben ein bisschen Bergerfahrung dazugewonnen und hoffen natürlich, wieder einmal hierher zu kommen. Fotos

Samstag, 22. September 2012

22.9.12 Vom Weissfluhjoch aus über Strelapass und Latschüelfurgga zur Schatzalp 9,5 km; 240 Hm

Man sieht es bereits an der Kilometerangabe: dies war eine ganz ruhige Tour. Eigentlich können wir froh sein, dass uns unbeständige Tage ab und an solche geruhsamen Wanderungen ermöglichen. Wir fahren am Vormittag mit der Parsennbahn von Davos Dorf aus hinauf zum Weissfluhjoch (2.693 m). Dieses besondere Erlebnis wollten wir uns auch in diesem Urlaub nicht entgehen lassen! Schon vom Tal aus ist es beeindruckend, wenn sich die rote Bahn wie ein Spielzeugzug am Berg aufwärts und abwärts bewegt. Mitfahren macht natürlich viel mehr Spaß als Zusehen. In der vergangenen Woche war eine Sektion der Bahn wegen Bauarbeiten nicht in Betrieb gewesen. Deswegen war eine Fahrt für uns nicht in Frage gekommen, denn wenn wir schon fahren, dann die komplette Strecke. Der Wetterbericht hat Wolken, aber keine Niederschläge vorhergesagt, nur wollte sich das Wetter nicht nach der Empfehlung verhalten. In der Nacht hat es geregnet, und als wir die Ferienwohnung verlassen, regnet es noch immer. Als wir bergauf fahren, kommt etwas Sehnsucht beim Betrachten des Schiahorns auf: auch in diesem Urlaub werden wir den Gipfel wohl nicht schaffen. Am Weissfluhjoch herrscht Nebel, und es regnet noch immer. An der gegenüberliegenden Talseite sieht es etwas klarer und freundlicher aus. Wir wollten eigentlich an der Parsennhütte vorbei nach Klosters wandern, aber nun entscheiden wir uns spontan anders und gehen bergab, am Schiahorn vorbei Richtung Strelapass. In den Felswänden des Schiahorns sollen manchmal Steinböcke zu sehen sein, und da heute so wenig los ist, hoffen wir, vielleicht Glück zu haben. Wir schauen immer wieder aufmerksam nach oben, aber nichts ist zu sehen, kein einziges Horn lugt aus den Felsen hervor. Der Wegverlauf ist wegen häufiger Felsabstürze korrigiert worden, er führt zeitweise über eine kleine Holzbrücke, die im vergangenen Jahr noch nicht da war. Am Strelapass rasten wir, ohne in der Berghütte einzukehren: das macht nur bei Sonne richtig Spaß, wenn man draußen auf der Terrasse sitzen kann. Die Sonne kommt zwar ab und an heraus, aber immer wieder ziehen Wolken heran. Wir gehen weiter Richtung Strelasee. Dabei können wir gut den Weg hinauf aufs Schiahorn sehen. Der Berg ist wirklich steil und wir würden den Aufstieg nur bei trockenem und zuverlässigem Wetter probieren. Irgendwie sind wir vom Wanderweg abgekommen. Während wir den Weg noch suchen, entdecken wir dicht vor uns mehrere Murmeltiere. Sie sind gar nicht scheu. Ich zücke die Kamera, und während wir langsam und leise an sie heran gehen, werden sie offenbar immer neugieriger und kommen ein Stück auf uns zu. Zwei Tiere kommen bis ungefähr einen Meter an uns heran und schauen uns an, als wollten sie aufs Foto. Sogar Jungtiere tummeln sich ganz in unserer Nähe. Ein paar Meter weiter entfernt können wir ein Murmeltier mitten auf dem Weg beobachten. Am Strelasee sind wir ganz allein. Im vergangenen Jahr waren dort ganz viele Kühe, aber nun sind die meisten schon hinunter ins Tal getrieben worden, worüber wir keinesfalls traurig sind. Ab Mitte September ungefähr kann man ziemlich ungestört über Almwiesen wandern – das sollten wir uns merken. Unser Weg führt weiter bis zur Latschüelfurgga, wo wir neulich hinunter nach Arosa gegangen sind. Wieder machen wir eine kurze Pause. Das Wetter scheint sich zu stabilisieren, es wird sonnig und warm. Aber so richtig Lust, auf Gipfel zu steigen, haben wir nicht. Die Beine brauchen mindestens einen ruhigeren Tag, und man genießt es auch mal, langsam zu gehen und auf Pflanzen und Tiere zu achten. Da wir bereits wissen, dass von hier aus alle Möglichkeiten, noch ein Stück weiter zu wandern, über einen Berg – das Chörbschhorn – führen, entschließen wir uns, hinunter zu Schatzalp zu gehen. Der Abstieg zieht sich noch eine Weile hin. Als wir den Wald unter uns sehen, braut es sich überall über den Bergen dunkel zusammen. Da sind wir froh, nicht noch weiter gegangen zu sein! Wir kommen noch gut hinunter zur Schatzalpbahn, und erst als wir aussteigen, nieselt es wieder. Es wird wohl noch einige Stunden dauern, bis sich das Wetter – hoffentlich – stabilisiert, denn ein Tag bleibt uns noch, an dem wir wandern können.

Freitag, 21. September 2012

21.9.12 Von Davos Glaris aus zum Valbellahorn, Abstieg nach Davos Wiesen 23,3 km; 1.850 Hm

Zwei relativ ruhige und wenig anstrengende Wanderungen weckten nun wieder den Wunsch nach einer längeren und anspruchsvollen Bergtour. Nach einigem Überlegen entschieden wir uns für die Tour zum Valbellahorn aus dem Rother-Wanderführer „Davos-Prättigau“. Gekennzeichnet ist sie als lange und anstrengende Wanderung, reine Gehzeit 7,30 Stunden. Als wir uns auf den Gipfel geeinigt haben, möchte ich eigentlich gar nicht schlafen gehen, und am Morgen bin ich bereits gegen vier Uhr munter. Ein klarer Fall von Gipfelfieber! Dabei wissen wir ja noch nicht einmal, ob wir das Valbellahorn (schwarz gekennzeichnete Route, kein markierter Wanderweg) überhaupt besteigen werden. Den besten Start zu einer solchen Tour hat man, wenn man früh aufbricht. Wir machen uns noch in der Dunkelheit auf zum Bahnhof Davos Dorf und nehmen den Ortsbus Nr. 7 Richtung Glaris Ortolfi, der 7.05 Uhr abfährt (nur an Werktagen). Als wir an der Endhaltestelle aussteigen, ist es richtig hell geworden. Wir folgen dem Wanderweg Richtung Bärentaler Alp/Alteiner Fürggli, der uns nur wenige Meter von der Haltestelle entfernt den Beginn unserer Tour weist. Wir weichen hiermit vom Wanderführer ab: Der Weg von Glaris aus zum Alteingrat wirkt in der Beschreibung zu unzuverlässig, und wir möchten nicht schon am Anfang im Wald herumirren. Bis weit ins Tal hinein ist der Weg am Bärentaler Bach entlang breit und bequem zu gehen. Hinter der Bärentaler Alp wird der Weg etwas steiler. Die Steilstufe am Ende des Tales ist schon gut zu sehen. Punkt neun Uhr sind wir dort angelangt und machen uns langsam an den Aufstieg. Dabei können wir zwei Gämsen oben am Hang beobachten. Schon nach wenigen Höhenmetern eröffnet sich uns eine phantastische Sicht auf die gegenüberliegende Talseite. Das Wetter soll noch gut und den ganzen Tag lang beständig sein: genau das, was man für diese Tour benötigt. Am Ende des steilen Aufstiegs gelangen wir an eine gewaltige Hochfläche, wo es nun mit nur noch geringem Anstieg bis zum Fürggli weiter geht. Die Aussicht hier oben ist bereits sensationell. Auch unseren Wunschgipfel, das Valbellahorn, können wir bald gut sehen. 10.30 Uhr sind wir am Fürggli und halten Ausschau nach den Wegspuren zum Gipfel. Wir folgen Steinmännern bis oberhalb einer kleinen Hütte. Dort beginnt ein deutlich erkennbarer Weg nach oben, mit roten Farbpunkten markiert. Wir beschließen, es zu probieren, denn gar so unzugänglich sieht der Berg nicht aus. Man kann dem Weg und den Markierungen getrost folgen! Der Weg ist nicht gleichmäßig steil, es gibt immer auch Abschnitte mit sanftem Anstieg, und er ist – von einigen Stellen kurz unter dem Gipfel abgesehen – auch nicht ausgesetzt. Aber auch jene Passagen, wo es etwas steiler und das Gelände abschüssig ist, sind eigentlich gut zu bewältigen. Wir sehen jemanden oben auf dem Gipfel und können uns an seinen Fußspuren orientieren. Es gibt doch noch einige Stellen, an denen Schnee liegt, aber auch diese sind gut zu meistern. Ohne Bergstiefel und Teleskopstöcke würde ich den Weg nicht gehen wollen. Wir treffen den Mann, der sich an den Abstieg gemacht hat, ein Stück unterhalb des Gipfels. Er sagt, es sei nicht mehr weit bis nach oben und es lohnt sich. Dass es sich lohnt, sehen wir schon während des Aufstiegs: man hat einen herrlichen Blick bis zu den verschneiten Gipfeln der Bernina, zum Piz Kesch, Richtung Arosa und natürlich auch auf die Gipfel rund um Davos. An einer Stelle unterhalb des Gipfels kann man tief in die Nordwestabstürze hinunter sehen. Ein kurzer Blick genügt, dann geht es weiter bis nach oben zum Gipfelkreuz (2.764 m). Die Freude, als wir angekommen sind, ist groß. Wir machen eine kurze Rast, tragen uns endlich mal wieder in ein Gipfelbuch ein und ich mache Fotos nach allen Richtungen. Ziemlich enttäuscht war ich, als wir auf der Sulzfluh und im vergangenen Jahr auf der Schesaplana kein Gipfelbuch vorfanden. Beide Gipfel fand ich schwieriger als das Valbellahorn. Eine schwarz gekennzeichnete Tour kann allerdings auch bedeuten, dass man eine sehr gute Kondition benötigt. Das wird uns vor allem während des langen Abstieges klar. Da wir bereits kurz vor zwölf Uhr wieder am Alteiner Fürrgli sind, beschließen wir, über den Alteingrat nach Davos Wiesen zu gehen. Wir sind noch lange dort oben auf der Hochfläche unterwegs. Der Mann, der vor uns auf dem Valbellahorn war, ist inzwischen zum Nachbargipfel (Strel) aufgestiegen, anscheinend von Südosten aus über den Grat – aber das würden wir nicht nachahmen wollen. Wir sehen ihn oben bei einem Steinmann sitzen und später weiter gehen. Wir machen zunächst eine Rast mit Kaffee aus der Thermosflasche und Rucksackverpflegung. Einkehrmöglichkeiten gibt es hier oben nicht, ebenso wenig könnte man irgendwo Schutz suchen: man ist wirklich auf eigene Verpflegung und stabiles Wetter angewiesen. Aber es ist im wahrsten Sinne eine Traum-Bergtour in wunderschöner Landschaft, mit herrlichen Ausblicken und sie ist auch nicht überlaufen. Außer dem Mann begegnen wir nur noch einem Paar, das uns am Alteingrat entgegenkommt. Es geht also lange in einem Bogen über den Bergrücken. Die Gegenanstiege bescheren uns die zusätzlichen Höhenmeter – von Glaris aus bis zum Gipfel sind es „nur“ reichlich 1.300. Wir folgen der rot-weißen Markierung abwärts vorbei an Lawinenverbauungen und einem Weidezaun. Weiter unten treffen wir auf einen Wegweiser „Steig Wiesen“ und folgen dem Weg ins Tal. Zunächst führt er in Kehren in einen Wald hinein. Dort geht es lange Zeit bergab. Sehr viele essbare Pilze gibt es hier, aber wir nehmen keine mit. Der Abstieg führt uns innerhalb von vier Stunden bis hinunter in die Zügenschlucht. Auch damit weichen wir vom Wanderführer ab: wir gehen also nicht nach Davos Glaris zurück, sondern verlängern die Route noch ein Stück. 1.900 Höhenmeter im Abstieg spürt man in den Beinen! Auf dem letzten Stück des Weges – wir gehen den Mobilitätsweg bis zur Bahnstation Davos Wiesen – legen wir noch einmal ein flottes Tempo ein, um den Zug zu bekommen, der 16.10 Uhr nach Davos Platz abfährt, und tatsächlich sind wir gegen 16 Uhr am Bahnhof. Das war heute eine konditionell fordernde, aber wunderschöne Wanderung, gekrönt von einem eindrucksvollen Gipfelerlebnis. Fotos gibt es natürlich auch, wenn wir wieder zuhause sind.

Donnerstag, 20. September 2012

20.9.12 Bergstation Jakobshorn – Bergstation Rinerhornbahn, 15 km; 500 Hm

In den späten Abendstunden muss es noch geschneit haben. Im Tal ist davon nichts zu sehen, aber auf den höheren Gipfeln liegt eine dünne Schneedecke. Wir fahren mit der ersten Bahn von Davos Platz aus hinauf zum Jakobshorn. Oben herrscht wirklich Winter: man braucht warme Kleidung, Mütze und Handschuhe. Gleich beim Ausgang aus der Bahnstation warnt ein Schild: Wanderwege schneebedeckt – gut für diejenigen, die ihren Augen nicht trauen, aber verständlich bei den vielen Touristen, die hier ankommen, und lobenswert. Deswegen lassen wir den kurzen Aufstieg zum Jakobshorngipfel, obwohl die Aussicht bestimmt phänomenal wäre. Denn wunderschön sind sie schon, die überzuckerten Gipfel, zumal die Sonne herauskommt und die Sicht ganz klar ist. Auch den Gratweg über Jatzhorn, Rossboden, Witihüreli und Tällifurgga möchten wir bei Neuschnee nicht gehen. So wunderschön er ist: er ist schmal und erfordert Trittsicherheit – heute ist das einfach zu riskant. Wir kennen die Tour schon und wählen die Alternativroute: auf einem relativ guten, markierten Weg am Hang entlang nach Sertig-Dörfli. Auch diese Variante ist reizvoll und aussichtsreich: auf den Weg achten muss man trotzdem, denn er ist nicht nur schnee- sondern teilweise auch eisbedeckt. Die Tour ist nicht anstrengend und macht wirklich Spaß. Allerdings sollte man die Entfernungen nicht unterschätzen: kurz vor zwölf Uhr sind wir unten im Sertigtal, das wirklich ganz malerisch und schön ist. Den kleinen Ort durchquert man recht zügig: wir folgen der Wegmarkierung Jatzmeder-Rinerhorn. Kurz vor einem Gasthof geht es an der anderen Talseite wieder bergan. Wir haben den Weg nach oben schon gut sehen können: Wanderer und Mountainbiker sind dort unterwegs. Der Anstieg ist sanft und führt uns bald in den Wald hinein. Leute, die uns entgegen kommen, warnen uns ausdrücklich vor einer glatten Stelle, an die wir bald kommen werden. Der Weg führt einige Male über Bäche, und die schmalen Holzbrücken darüber sind noch schneebedeckt. Welche Stelle sie aber konkret meinen, erschließt sich uns nicht: der Weg an der gegenüberliegenden, schattigen Talseite war mit viel mehr Vorsicht zu genießen. Wir hoffen, dass die Kühe nun weiter unten im Tal weiden, aber das tun sie leider nicht ausschließlich: an einer Stelle stehen sie wieder einmal mitten auf dem Wanderweg, so dass wir in einem weiten Bogen um sie herum gehen. Glücklicherweise lässt es das Gelände an dieser Stelle zu. Dieser Weg scheint, weil er relativ gleichmäßig am Hang verläuft, sehr beliebt zu sein: andauernd treffen wir andere Wanderer und einige Mountainbiker. Dann begegnen wir einem Mann, der wie ein Förster aussieht. Er fragt uns, ob wir vorhin den Unfall am Wasserfall bemerkt hätten. Wir verstehen ihn sehr schlecht und verneinen. Er schimpft laut über die verunglückte Person, über die Kosten, die durch die Rettung entstehen und fügt hinzu: „Solche Leute brauchen wir nicht auf unseren Wegen“. Wir haben weder den Unfall, noch die Rettung bemerkt und können nur vermuten, dass einer der Mountainbiker gestürzt ist. Dass jemand in den Bergen einen Unfall hat und gerettet werden muss, halten wir für menschlich und können die brüsken Worte nur schwer nachvollziehen. Aber vermutlich haben die Ortsansässigen schon jede Menge unangenehme Erfahrungen mit leichtfertigen Touristen gemacht. Bald darauf lassen wir den Wald hinter uns und der Weg führt in einigen Kehren bergan. Wir sehen nun auf Davos herunter. Die Sonne scheint warm und hat den Schnee bis auf wenige Reste in den Kammlagen tauen lassen. Dennoch weht ein kühler Wind, und man braucht schon die Fleecejacke über dem Shirt. Zeitweise hatte ich die Winterhose etwas hochgekrempelt, aber nun kann ich sie wieder in voller Länge gebrauchen. Die Heidelbeer- und Preiselbeersträucher haben sich herbstlich verfärbt und die Hänge ringsum leuchten nun rötlich gegen den blauen Himmel. Was für ein schöner farblicher Kontrast! Wir kommen an einem geräumigen Rastplatz mit Schutzhütte, Bänken und Grillplatz vorbei. Dann ist die Bergstation der Rinerhornbahn schon zu sehen. Wir können nun ebenso bequem, wie wir hinaufgefahren sind, wieder hinunterfahren. Die Gegend um Davos bietet für alle Wanderer mit unterschiedlicher Kondition, verschiedenen Bedürfnissen und für alle Wetterlagen geeignete Touren. Die heutige war wieder sehr schön und entspannt für uns – und dennoch keineswegs langweilig.

Mittwoch, 19. September 2012

19.9.12 Von Davos Monstein durch die Zügenschlucht nach Filisur 13,8 km; 60 Hm

Der heutige Regen hat uns einen Ruhetag beschert, was nach den vergangenen Touren auch notwendig war. Ständig Tagestouren zu machen, laugt irgendwann aus, und die Beine möchten nicht mehr steigen. Eine gemütliche Halbtagestour im Tal ist da genau richtig. Die Tour durch die Zügenschlucht ist aber mehr als nur eine Notvariante für schlechtes Wetter, sondern landschaftlich äußerst reizvoll, weshalb sie von vornherein auf unserer Wunschliste stand. Wir brechen am späten Vormittag auf. Die Rhätische Bahn nach Filisur fährt 10.31 Uhr von Davos Platz ab – die Züge verkehren stündlich. An der Bahnstation Davos Monstein beginnt unsere Wanderung. Zunächst führt ein Pfad über die Wiese entlang der Straße, aber nach wenigen Metern erreichen wir die alte Fahrstraße, die seit 1974 Wanderweg ist. Wir folgen der Markierung „Mobilitätsweg“. Die meiste Zeit nieselt es ein bisschen, nur kurzzeitig regnet es etwas stärker. Bei Dauerregen würde dieser Weg wenig Spaß machen. Dass diese steile Schlucht einfach atemberaubend ist, haben wir schon gesehen, als wir mit dem Zug unterwegs waren, denn an einigen Stellen sieht man von der Bahn aus den Wanderweg – und umgekehrt. Die Weiterfahrt auf der Albula-Linie ist auch ein Erlebnis: den Abschnitt zwischen Filisur und Thusis haben wir kennengelernt. Das Landwassertal ist tief eingeschnitten und die Instandhaltung der Fahrstraße war immer eine Herausforderung, da sie durch Steinschlag und Lawinen ständig gefährdet ist. Hin und wieder warnen Schilder vor Steinschlag. Die Wanderung auf gutem Weg, teils im Wald, teils am Wasser entlang ist eine Wohltat für die Seele. An einigen Stellen kann man sich über eine Mobilfunknummer Informationen abrufen, was wir jedoch nicht tun. Der Regen hat Pilze wachsen lassen: wir sehen sogar Erdsterne, die ganz selten sind. Ab dem Bärentritt wird der Weg zeitweise etwas steiler und der Blick ins Tal geradezu schwindelerregend. Der Weg ist aber völlig ungefährlich. Am Bahnhof Wiesen gibt es eine sehr hübsche Einkehrmöglichkeit, „Bim Statiönli“, die wir wirklich empfehlen können. Weiter geht es zum eigentlichen Höhepunkt der Tour: man überquert den Wiesen-Viadukt auf einem Fußweg, der neben den Bahngleisen verläuft. Gerade als wir auf der anderen Seite angelangt sind, kommt ein Zug gefahren! Von einem Aussichtspunkt aus kann man den Viadukt gut sehen und fotografieren. Der nachfolgende Naturlehrpfad nach Filisur verläuft durch den Wald. Hinweistafeln geben Informationen über Pflanzen und Tiere. Wir möchten gern noch zur Ruine Greifenstein weitergehen. Der erste Wegweiser zeigt direkt auf eine Kuhweide, wo kein ordentlicher Weg erkennbar ist. Einige Meter weiter erneut ein Wegweiser; hier gibt es einen Pfad, dem wir folgen. Er wird zusehends schmaler und verliert sich kurz vor einem felsigen Abschnitt. Weiter unten sehen wir eine rot-weiße Markierung, aber dieser Weg führt zur Bahnstation Filisur. Wir gehen dort entlang und beschließen, ein andermal zur Ruine zu gehen. Dass wir in den nächsten Jahren mal wieder in dieser Ecke urlauben werden, steht eigentlich schon fest. Als wir ein Stück gegangen sind, kommen wir an den Wegweiser zum direkten und steilen Weg zur Ruine, der aber laut Tourenbeschreibung zeitweise Klettersteig-Charakter haben soll. Für solch einen Weg sind wir heute nicht ausgerüstet und außerdem ist es uns zu feucht und rutschig für einen richtigen Bergpfad. Wir gehen also weiter zum Bahnhof und nehmen den Zug, der kurz nach 15 Uhr abfährt.