Da die gestrige Tour anstrengend war, entschieden wir uns – nach ausgiebigem Ausschlafen – zu einer aussichtsreichen und
weniger fordernden Wanderung. Wir ließen uns mit Hochjochbahn und Sessellift
bis zum Sennigrat (2.289 m) fahren. Hier konnten wir nun die grandiose Aussicht
weit über das Tal, ins Rätikon und bis zur Silvretta genießen. Weiter ging es
auf dem Höhenweg zum Kreuzjoch (2.395 m) und genau wie an unserem ersten
Wander-Tag im Montafon weiter zur Zamangspitze (2.386 m). Die Aussicht wurde
immer schöner. Allerdings fühlten sich die Beine etwas wacklig an und ich
fühlte mich in den knöchelhohen Wanderschuhen nicht so sicher wie in den
Bergstiefeln. Somit waren wir mit dem rot-weiß markierten Aufstieg zur Zamangspitze völlig ausgelastet.
Wir sahen einige Wanderer den blau-weiß markierten alpinen Steig nehmen und
erkannten nun auch seinen Verlauf, teilweise fast senkrecht am Fels hinauf.
Dies war für uns heute nicht machbar. Die Aussicht vom Gipfel war überwältigend
und wir waren froh, hier ein zweites Frühstück einnehmen zu können. Wahrscheinlich
fehlten uns auch Kalorien; wir haben bei unserer gestrigen Tour relativ wenig
gegessen. Eine Nachmittags-Einkehr in der Wormser Hütte war nun schon
beschlossen. Zunächst gingen wir aber zurück zum Wegweiser unterhalb des
Kreuzjochs. Unterwegs trafen wir ein Ehepaar, das versehentlich den alpinen
Steig genommen hatte. Sie hatten den Weg unter Schwierigkeiten bewältigt und
zeitweise kaum noch Tritte an der steilen Passage gefunden. Gut, dass wir das
nicht probiert haben. Man kann vom Wegweiser aus noch ein Stück bergauf
Richtung Kapelljoch gehen. Dort führt ein Pfad über die Felsen, der nicht
weiter schwierig ist. An einem dieser Aussichtspunkte ist ein Fernglas
installiert, das zu allen Gipfeln, die ringsum zu sehen sind, auch die Namen
und die Höhe anzeigt. Ein ungesicherter alpiner Steig führt weiter hinauf zum
Kapelljoch, aber dieser sah sehr ausgesetzt aus und besonders unterhalb des
Gipfels steil und rutschig. Diesen Weg würden wir nicht nehmen, da braucht man
gute Nerven und absolute Schwindelfreiheit. Wir gingen zunächst ein Stück auf
dem Seenweg und bogen dann zur Wormser Hütte ab, um uns ausgiebig zu stärken.
Danach ging es vorbei an Herzsee und Schwarzsee. Von dort aus sahen wir den
Hochjoch-Skitunnel, durch den man laufen kann. Er führt 475 Meter durch den
Berg und auf der anderen Seite verläuft ein breiter Weg zur Kapellalpe, wo die
Hochjochbahn abfährt. Wir genossen die schöne Rätikon-Aussicht: Schesaplana und
Zimba standen uns auf der anderen Talseite quasi gegenüber. Von einem
Speichersee unterhalb des Tunnels verläuft ein Pfad zur Aussicht Surblies
(1.985 m). Und weil es so sonnig und die Fernsicht wirklich traumhaft war,
gingen wir weiter zum Aussichtspunkt und anschließend noch um den Speichersee
herum. Dann erreichten wir innerhalb weniger Minuten die Bergstation der
Hochjochbahn. Wie sich herausstellte, fuhr zehn Minuten nach unserer Ankunft die
letzte Gondel ins Tal. Hätten wir sie verfehlt, wären wir noch gut drei Stunden
nach unten unterwegs gewesen. Glück gehabt; die Bahn war die bessere, weil
kniefreundliche Variante. 9,5 Kilometer
sind wir gegangen bei 470 Höhenmetern im Anstieg und 887 im Abstieg.
Mittwoch, 4. September 2013
Dienstag, 3. September 2013
03.09.13 Tilisunahütte – Sulzfluhgipfel – zurück nach Latschau
Genau so schön, wie die Berge bei Sonnenuntergang waren,
wirkten sie auch am Morgen. Es war beeindruckend, auf über 2.200 Metern Höhe
aufzuwachen und durchs Fenster über die Gipfel zu schauen! Im Matratzenlager
war es warm und gemütlich, geschlafen haben wir allerdings weniger gut. Man
schläft meist nicht besonders gut in Berghütten. Kurz vor acht Uhr, nach dem
Frühstück, starteten wir Richtung Sulzfluhgipfel. Die Zeit war mit zwei Stunden
von der Hütte aus angegeben – beinahe ein Spaziergang! Es ging anfangs doch
recht steil bergauf. Die Sicht war bald überwältigend: man sah die weißen
Gipfel der Berninagruppe, die markanten, vergletscherten Silvretta-Riesen und
auch die Berge um Davos, die wir größtenteils gut kennen. Die Aussicht wurde
immer grandioser, umso höher wir gelangten. Wir gingen ein ganzes Stück beinahe
ohne Höhengewinn, dann stieg der Weg nochmal an. Die Sulzfluh (2.818 m) gilt
als der am leichtesten zu besteigende Rätikongipfel, aber man sollte sie
keinesfalls unterschätzen. Aus dem Tal gelangt man auf den Gipfel besser mit
einer Zwischenübernachtung, und gutes Wetter ist ebenfalls vonnöten. Drei Wege
und zwei Klettersteige führen hinauf. Der Weg von der Tilisuna-Hütte aus ist
für einigermaßen trittsichere und konditionierte Wanderer problemlos zu
schaffen, und er ist auch eine richtige Genießer-Tour. Wir gingen über das
weite, leicht ansteigende Sulzfluh-Plateau, das ich mir so oft auf Videos
angesehen habe, und waren gegen 10 Uhr auf dem Gipfel. Es war noch
ausgesprochen ruhig und beschaulich dort oben. Im vergangenen Jahr waren wir
erst mittags dort und trotz der Schneelage waren unentwegt Menschen auf dem Weg
nach oben. Nun hatten wir also ideale Verhältnisse erwischt für eine gemütliche
Gipfelrast. Keine Wolke war am Himmel, wir hatten wundervolle Aussicht nach
allen Seiten. Dann machten wir uns an den Abstieg. Wir hätten natürlich wieder
zur Tilisunahütte zurückgehen, Pause machen und über den Bilkengrat –ebenfalls
ein sehr attraktiver Weg, rot-weiß – zur
Lindauer Hütte gehen können, aber wir kannten nun einmal den direkten Weg nach
unten durch den Rachen (blau-weiß) und es ergab sich, dass wir ihn auch dieses Mal
ansteuerten. Mit uns waren noch ein Paar und eine dreiköpfige Familie dort
unterwegs. Sieht man von oben aus in den Rachen hinunter, wirkt der Weg noch
etwas bedrohlicher als von unten nach oben. Bei Schnee allerdings sollte man
ihn eher meiden – oder gut kennen. Vor einem Jahr sind wir ihn ganz naiv
gegangen und hatten das Glück, zwei erfahrene Bergsteiger vor uns zu haben,
denen wir folgen konnten. Damals hatte es über Nacht geschneit und wir konnten
die Markierungen nicht sehen. Nun trauten wir uns zu, den Weg langsam und
vorsichtig hinunter zu gehen. An manchen (leichten) Kletterstellen mussten wir
uns unseren Weg suchen, teilweise war es steil, teils ging es in feinem Geröll
bergab. Erstmals bin ich in diesem feinen Schotter stellenweise „abgefahren“ wie
auf Skiern, nur fühlt man sich mit Bergschuhen sehr viel sicherer. Der Weg
durch den Rachen ist dennoch fordernd, weil sehr steil. Kommt man auf dem
ebenen Stück an, wo auch der Weg zum Klettersteig „Gauablickhöhle“ abzweigt,
ist man noch lange nicht im Tal angelangt. Auch der folgende Abstieg erfordert
Aufmerksamkeit und kostet Kraft, weil etliche steilere Felsabschnitte
überwunden werden müssen. Aber wir sind doch viel schneller als erwartet
vorangekommen. Ich hatte damit gerechnet, dass wir gegen 16 Uhr an der Lindauer
Hütte (1.744 m) ankommen würden, aber wir waren bereits 14.15 Uhr dort.
Zunächst hatte ich das Gefühl, nicht mehr weiter gehen zu können, aber nach
einer Pause im Schatten und einer Stärkung entschlossen wir uns, nicht wie
geplant in der Hütte zu übernachten, sondern noch bis nach Latschau
weiterzugehen, wo der Ortsbus nach Tschagguns abfährt. Die nahe liegenden
Gipfel würden wir auch innerhalb einer Tagestour besteigen können, und außerdem
lockte es uns, zurück in unsere schöne Ferienwohnung zu kehren, wo wir mit
Sicherheit paradiesisch schlafen würden! Wir sind sehr stolz, ein zweites Mal
„durch den Rachen“ gegangen zu sein, und unsere wunderschöne Tour zur Sulzfluh
erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Gipfelerlebnisse können lange und intensiv
nachwirken, Kraft und Glücksgefühle spenden. Berge lehren Achtsamkeit. Ich
würde die Sulzfluh immer wieder gern besteigen, aber nach einer solchen Tour
konnten wir nicht gleich eine weitere konditionell fordernde anhängen. Wir wohnen
nicht nahe genug an den Alpen, um mal über ein Wochenende hinzufahren, und uns
fehlt in diesem Jahr das Wander-Training. Wir haben 15,3 Kilometer zurückgelegt, 875 Höhenmeter
im Anstieg und 2.000 Höhenmeter im Abstieg.
02.09.13 Von Latschau aus zur Tilisunahütte
Im Urlaub ist es wie auch sonst im Leben: man entscheidet
sich gegen etwas und für etwas anderes. Am Sonntag hat es immer wieder
geregnet, auch die Nacht hindurch, und erst ab Montag Mittag sollte es
auflockern. Ein Aufstieg über nasse Wege von Brand aus zur Mannheimer Hütte kam
für uns nicht in Frage; die Zustiege verlangen trockenes Wetter und klare
Sicht. Somit musste die Traumtour zur Schesaplana auf dieser Route auf ein
anderes Mal verschoben werden. Alternative war ein weiterer attraktiver Gipfel,
für den wir im Falle der Schesaplana-Variante keine Zeit gefunden hätten: die
Sulzfluh. Wir sind im vorigen Jahr schon auf dem Gipfel gewesen (auf der
Schesaplana waren wir vor zwei Jahren), aber beim Aufstieg zur Tilisunahütte
haben wir uns auf Grund schlechter Sichtverhältnisse gar nicht richtig umsehen
können. Mich interessierten die Berge rund um die Hütte, vor allem die
Weißplatte, aber auch der Aufstieg von der Hütte aus zur Sulzfluh, den wir noch
nicht kannten, reizte mich sehr. Wir nahmen den Ortsbus von Tschagguns aus nach
Latschau und folgten zunächst dem gelb markierten Weg nach Grabs. Bald zweigte
ein rot-weiß markierter Wanderweg zur Alpila-Alpe und Tilisunahütte ab. Man kann die Tilisunahütte von hier aus auch
durchs Gauertal, vorbei an der Lindauer Hütte und anschließend über den
Bilkengrat erreichen, aber diesen Weg wollten wir nicht gehen, da wir ihn
bereits kennen. Es ging lange Zeit recht steil durch den Wald nach oben, der Weg
war durch den nächtlichen Regen ziemlich schlammig geworden. Als wir endlich unterhalb
der Alpe den Wald verließen, war die Tschaggunser Mittagsspitze(2.168 m) schon
gut zu sehen. Ich hoffte, diesen Gipfel während unseres Aufstiegs besteigen zu
können. Nach wenigen Metern begann der blau-weiß markierte Steig zur
Mittagsspitze. Wir kamen an der Alpe an, wo wir leckeres Raclette-Brot bekamen
und erst einmal eine Pause machten. Der Blick hinunter und übers Tal war schon
ziemlich imposant, und die Wolken hatten sich verzogen. Man kann hier auch
einen rot-weiß markierten Weg zur Tilisunahütte weitergehen, aber uns reizte
die Mittagsspitze und deshalb folgten wir den blau-weißen Markierungen. Es war
nun sonnig und warm geworden. Wir machten am Fuß der Mittagsspitze Rast. Ich
bin ein Stück auf dem unmarkierten und ungesicherten Steig Richtung Gipfel
hinauf geklettert und zwar so weit, wie es für mich unbedenklich war und Spaß
gemacht hat. Als ich an eine Platte gelangte, die ich zwar – bei ausreichend
Zeit – irgendwie überklettert hätte, entschloss ich mich zur Umkehr. Bis zum
Gipfel war noch ein Stück zu bewältigen; der Wegverlauf erschien mir immer
steiler und die Blöcke immer größer und ich war mir auch nicht sicher, ob ich
auf dem ziemlich ausgesetzten wirkenden Gipfelgrat herumkrabbeln würde. Der Weg
zur Hütte führte über einen Grat weiter bergauf, über mehrere Aussichtspunkte
hinweg zum Schwarzhornsattel. Das Tilisuna-Schwarzhorn ragte abweisend und sehr
imposant vor uns auf. Es ist mir rätselhaft, wie man es besteigen kann. Einen
Wanderweg nach oben gibt es nicht. Der blau-weiß markierte Weg führte nun ein
Stück bergab und traf den rot-weißen, von da an ging es rot-weiß weiter bis zur
Tilisunahütte (2.208 m). Nun konnten wir uns in Ruhe umsehen und auch noch ein
ganzes Stück Richtung Weißplatte (2.630 m) gehen. Für eine Besteigung dieses
schönen und faszinierenden Berges müsste man allerdings die eine oder andere
Stunde zusätzlich einplanen, und man muss auch wieder hinunter gehen. Wir haben
zwar keinen markierten Wanderweg hinauf gesehen, aber mehrere Steinmännchen,
und das Gelände ist, soweit wir es gesehen haben, bei guter Sicht und gutem
Wetter beherrschbar. Man geht vom Tilisuna-Fürkle aus entlang von Steinmännchen
über gut begehbaren Kalkstein. Uns gefielen vor allem die vielen kleinen,
teilweise blühenden Pflanzen – man fühlte sich wie in einem riesigen
natürlichen Steingarten. Auch von der Senke am Gruobenpass führt ein deutlicher
Pfad Richtung Weißplatte. Es hätte uns gereizt, weiter zu gehen, aber dies wäre
eine Gipfeltour für sich gewesen, die wir an diesem Abend nicht mehr geschafft
hätten. Es bleibt ein Wunsch für später! Ganz passend zu unserer kleinen
Exkursion waren wir im Lager „Weißplatte“ mit Blick zum Berg untergebracht,
konnten ihn nachts bei Sternenlicht und am Morgen bei Sonnenaufgang sehen. Die
Tilisunahütte ist sehr gemütlich und typisch einfach (der Höhenlage angemessen)
und es war schön, dort ein weiteres Mal über Nacht zu bleiben. Wir haben bei
dieser wunderschönen Tour 8,2 km zurückgelegt, worin der Abstecher zur
Weißplatte nicht eingerechnet ist – es kam mir wesentlich weiter vor -; 1.432
Höhenmeter im Anstieg und 319 im Abstieg.
Samstag, 31. August 2013
31.08.13 Von Innerberg zum Itonskopf und zurück nach Bartholomäberg
Gestern tat es mir ein wenig leid, dass wir bei schönstem
Sommerwetter aus der Silvretta ins Tal zurückkehren mussten. In Schruns
bemerkten wir aber auch, wie viele Ausflügler hier am Wochenende ankommen,
davon viele mit dem Ziel Silvretta. Da war es ganz gut, den Strömen von
Wanderern entkommen zu sein. Für heute war wieder ein sommerlicher Tag
angekündigt und wir hatten nun Gelegenheit, zu einer weiteren Wunsch-Tour
aufzubrechen, für die wir sonst womöglich keine Zeit gefunden hätten. Sie
führte uns nicht ins Rätikon, sondern ins Verwall. Wir nahmen den Bus von
Schruns Bahnhof nach Bartholomäberg-Innerberg. Der Wanderführer rät, in
Innerberg an der Kirche auszusteigen, aber wir fanden nur den Wegweiser, aber
nicht den Weg. Man steigt unserer Meinung nach besser bei der nächsten
Haltestelle, der Endstation, aus und folgt dem markierten Wanderweg, der links
vom Parkplatz bergauf verläuft, Richtung Fritzen-See. Einige wenige Wanderer
waren außer uns auf dieser Genießer-Tour unterwegs. Der Wegverlauf war ausgesprochen
idyllisch: immer am Hang entlang, mal über Wiesen und an hübschen Höfen und
Grundstücken vorbei, mal durch kurze Waldabschnitte, was vorübergehend an
diesem sonnigen, warmen Tag sehr angenehm war. Nun hatten wir immer wieder den
so ersehnten Blick ins Rätikon, auf Tilisuna-Seehorn, Sulzfluh, die Drei Türme
und die Drusenfluh sowie auf Zimba und Schesaplana. Die Gipfel der Zimba und
Schesaplana hüllten sich bald wieder in Wolken, während die anderen noch länger
zu bestaunen waren. Wir folgten dem ausgeschilderten Weg Wannaköpfle über
Monteneu, einem Aussichtspunkt. Bald erschien auch der Itonskopf auf dem
Wegweiser mit dem Zusatz „für Geübte“. Ob man geübt genug für einen solchen
Gipfel ist, kann einem kein Wanderführer sagen – das entscheidet man am besten
selbst vor Ort. Zuerst jedoch ging es hinauf zum Wannaköpfle (2.032 m). Der
Berg, den wir über den Wanderweg erreichten, ist nicht besonders steil und es
gab auch kein Hinweisschild oben. Während die anderen Wanderer weiter Richtung
Itonskopf gingen, lockte uns der nur wenig entfernte Nebengipfel, den man
relativ gut über Trittspuren erreicht. Dort oben gab es sogar eine kleine Bank!
Nachdem wir dort kurz gerastet und fotografiert hatten – man hat einen
wunderbaren Blick in das Lechquellengebirge mit der Roten Wand – kehrten wir
zurück zum markierten Wanderweg Richtung Itonskopf. Bald wurde der Weg
blau-weiß markiert und an einem felsigen Hangabschnitt unterhalb des Gipfels
wurde uns auch klar, warum: da muss man sich an einigen Stellen am Fels festhalten
und der Pfad ist sehr schmal. Dann sahen wir die Seilsicherungen am
Itonskopf und schätzten den Aufstieg als für uns machbar ein: mit Ruhe würden
wir das schon schaffen. Der Itonskopf ist mit 2.089 m nicht sehr hoch, aber
recht steil. Am Fuß des Berges fanden wir dann auch ein Warnschild „Alpiner
Steig“ vor. Mit Vorsicht und unter Benutzung der Seilsicherungen – vor allem beim Abstieg – kamen wir aber
recht zügig vorwärts. Auf dem Gipfel ist nicht allzu viel Platz: mehr als acht
bis zehn Leute können dort oben nicht rasten. Die Aussicht ist wundervoll. Als
ich allerdings einen Gleitschirmflieger hoch über dem Tal beobachtete, wurde
mir doch etwas komisch. In solchen Momenten ist es hilfreich, feste Punkte in
der Landschaft zu betrachten, mit denen man kein Problem hat: ich konzentrierte
mich auf den gegenüberliegenden Alpilakopf, einen sehr angenehm aussehenden
Gipfel, den wir auch noch besteigen würden. Allzu lange hielten wir uns auf dem
Itonskopf nicht auf, weil es bereits 13.30 Uhr war und wir bisher nur die erste
Hälfte der Tour absolviert hatten. Nach einer weiteren kurzen Rast auf dem
Alpilakopf gingen wir den markierten Weg Richtung Kristbergsattel über Falla. Wir
liefen bergab über eine große Weidefläche „Obere Wies“. Dort erhebt sich ein
kleiner bewaldeter Felsen, ein ehemaliges Korallenriff – heute Naturdenkmal. Der
Weg umgeht einen weiteren Berg, das Schwarzhorn, und kommt dem
Lechquellengebirge noch näher. Der Anblick dieses Gebirgszuges ist
beeindruckend. Die weiteren Aussichtspunkte Falla und Ganzaleita lassen einen
wieder über die Gipfel des Lechquellengebirges und der Verwallgruppe bis zur
Silvretta blicken. Aber die für den nächsten Tag angekündigte
Wetterverschlechterung war spürbar: immer mehr Wolken türmten sich über den
Bergen. Wir hatten beide unseren Trinkvorrat zu knapp bemessen und gingen daher
nicht mehr weiter bis zum Kristbergsattel, sondern nahmen gleich den Abzweig
nach Innerberg. Aber wir hatten Glück: nach einigen hundert Metern trafen wir
auf einen steinernen Wasserbehälter am Wegrand, in den Wasser aus einer Leitung
läuft, so dass wir Trinkflasche und Trinkblase füllen konnten. Entspannt gingen
wir auf dem guten Weg am Hang weiter, sahen bald Innerberg vor uns liegen und
entschlossen uns, noch bis zur Kirche in Bartholomäberg zu gehen, wo der Bus
nach Schruns abfährt. Wir mussten dieses Mal auch nicht lange warten. Eine
wirkliche Traumtour über mehrere Gipfel und mit viel Aussicht – auch am
Wochenende nicht überlaufen! Wir sind 18,5 km gegangen, es waren 1.400 Höhenmeter
im Anstieg und ebenso im Abstieg. Die Wanderung war angenehm für uns bemessen:
notfalls hätte ich noch weiter bis nach Schruns gehen können, aber es ist gut,
wenn man nach der Tour nicht völlig erledigt ist.
Freitag, 30. August 2013
30.08.13 Madlenerhaus – Saarbrücker Hütte – Vermuntstausee
Im Madlenerhaus hatten wir eine wirklich komfortable
Übernachtung, ein Zimmer für uns und gutes Essen. Eine Hütte, in der man auch
mal mehrere Tage lang bleiben könnte, um die Silvretta zu erkunden! Schon
Ernest Hemingway, der Vorarlberg liebte, übernachtete im Madlenerhaus. Er war dort
im Winter zum Skilaufen. Nach dem Frühstück machten wir uns auf Richtung
Saarbrücker Hütte. Der kürzeste Weg verläuft über Tschifernella unterhalb der
Lobspitzen. Man soll etwas über 2 Stunden brauchen, wir benötigten fast 3 ½. Angenehm ist, dass der Wegverlauf allmählich
ansteigt bis auf über 2.300 Meter und die Aussicht wiederum sehr lohnt. Erst
als wir die Saarbrücker Hütte unterhalb des Litzner-Gletschers sahen, war auch
zu erkennen, dass es nochmal ein Stückchen bergab geht, ehe der Weg wieder zur
Hütte ansteigt: allmählich in Serpentinen auf der Fahrstraße oder direkt über
den Hang: wir wählten den etwas steileren Weg. Beim Aufstieg konnten wir die
Kletterer beobachten, die den Klettersteig hinauf zum Kleinen Litzner in
Angriff genommen haben – anders kann man es nicht nennen. Der Anstieg ist recht
steil und wir würden ihn wohl doch besser sein lassen. Faszinierend ist auch
die Aussicht auf das Große Seehorn und den Großen Litzer, zwei Gipfel, die viel
Berg- und Klettererfahrung verlangen und nichts für Wanderer sind. Ich hatte
vorab in keiner weiteren Hütte reserviert, da wir uns nicht sicher waren, wie
schnell wir in der Silvretta „durchkommen“ würden. Diese Bedenken erwiesen sich
unterwegs als berechtigt. Wir brauchten immer deutlich mehr Zeit, als auf den
Wegweisern angegeben war. Gern hätten wir in der Saarbrücker Hütte (2.538 m)
übernachtet, aber sie war völlig ausgebucht. Wir haben versucht, in der Tübinger
Hütte, der nächsten möglichen Station, anzurufen, aber es hat mit der
Funkverbindung nicht geklappt. Da man von jener Hütte aus noch sechs Stunden
ins Tal laufen müsste, falls es dort wiederum nicht mit Übernachten klappt, war
es uns zu riskant, weiter zu gehen. Wir entschlossen uns, zum Vermuntstausee
abzusteigen. Ich hatte hin- und her überlegt, wie wir es wohl schaffen könnten,
während unserer Tour sowohl die Westliche Plattenspitze als auch den
Hochmaderer zu besteigen, aber wir schafften letztlich keinen der beiden
Gipfel, was doch etwas schade war. Offenbar kann man in den Bergen nicht mehr
spontan unterwegs sein, wenn man nicht irgendwo biwakieren möchte. Der Abstieg
zum Vermuntstausee dauerte auch seine Zeit: kurz nach 14 Uhr waren wir dort. Jede
Menge Wanderer waren hingegen auf dem Weg nach oben! Die Zeit bis zur Abfahrt
des Busses verbrachten wir damit, dass wir noch ein Stück am Vermuntstausee
entlang gingen. Von hier aus könnte man auch zum Hochmaderer gehen, wenn man
genügend Zeit hat. Der Bus zurück war recht voll und wir freuten uns nun auf
unsere schöne Ferienwohnung in Tschagguns. Wieder einmal haben wir etwas mehr
von der Silvretta kennengelernt, auch wenn wir gern mehr gesehen hätten. Ideale
Verhältnisse braucht man, die leider nicht immer eintreten – und
Hüttenreservierungen während idealer Verhältnisse. Wir waren 12,8 Kilometer
unterwegs, 780 Höhenmeter im Anstieg und 1.010 Höhenmeter im Abstieg.
Abonnieren
Posts (Atom)