Mittwoch, 4. September 2013

04.09.13 Vom Sennigrat über Kreuzjoch und Zamangspitze, über Seenweg zurück zur Kapellalpe



Da die gestrige Tour anstrengend war, entschieden wir uns – nach ausgiebigem Ausschlafen – zu einer aussichtsreichen und weniger fordernden Wanderung. Wir ließen uns mit Hochjochbahn und Sessellift bis zum Sennigrat (2.289 m) fahren. Hier konnten wir nun die grandiose Aussicht weit über das Tal, ins Rätikon und bis zur Silvretta genießen. Weiter ging es auf dem Höhenweg zum Kreuzjoch (2.395 m) und genau wie an unserem ersten Wander-Tag im Montafon weiter zur Zamangspitze (2.386 m). Die Aussicht wurde immer schöner. Allerdings fühlten sich die Beine etwas wacklig an und ich fühlte mich in den knöchelhohen Wanderschuhen nicht so sicher wie in den Bergstiefeln. Somit waren wir mit dem rot-weiß markierten  Aufstieg zur Zamangspitze völlig ausgelastet. Wir sahen einige Wanderer den blau-weiß markierten alpinen Steig nehmen und erkannten nun auch seinen Verlauf, teilweise fast senkrecht am Fels hinauf. Dies war für uns heute nicht machbar. Die Aussicht vom Gipfel war überwältigend und wir waren froh, hier ein zweites Frühstück einnehmen zu können. Wahrscheinlich fehlten uns auch Kalorien; wir haben bei unserer gestrigen Tour relativ wenig gegessen. Eine Nachmittags-Einkehr in der Wormser Hütte war nun schon beschlossen. Zunächst gingen wir aber zurück zum Wegweiser unterhalb des Kreuzjochs. Unterwegs trafen wir ein Ehepaar, das versehentlich den alpinen Steig genommen hatte. Sie hatten den Weg unter Schwierigkeiten bewältigt und zeitweise kaum noch Tritte an der steilen Passage gefunden. Gut, dass wir das nicht probiert haben. Man kann vom Wegweiser aus noch ein Stück bergauf Richtung Kapelljoch gehen. Dort führt ein Pfad über die Felsen, der nicht weiter schwierig ist. An einem dieser Aussichtspunkte ist ein Fernglas installiert, das zu allen Gipfeln, die ringsum zu sehen sind, auch die Namen und die Höhe anzeigt. Ein ungesicherter alpiner Steig führt weiter hinauf zum Kapelljoch, aber dieser sah sehr ausgesetzt aus und besonders unterhalb des Gipfels steil und rutschig. Diesen Weg würden wir nicht nehmen, da braucht man gute Nerven und absolute Schwindelfreiheit. Wir gingen zunächst ein Stück auf dem Seenweg und bogen dann zur Wormser Hütte ab, um uns ausgiebig zu stärken. Danach ging es vorbei an Herzsee und Schwarzsee. Von dort aus sahen wir den Hochjoch-Skitunnel, durch den man laufen kann. Er führt 475 Meter durch den Berg und auf der anderen Seite verläuft ein breiter Weg zur Kapellalpe, wo die Hochjochbahn abfährt. Wir genossen die schöne Rätikon-Aussicht: Schesaplana und Zimba standen uns auf der anderen Talseite quasi gegenüber. Von einem Speichersee unterhalb des Tunnels verläuft ein Pfad zur Aussicht Surblies (1.985 m). Und weil es so sonnig und die Fernsicht wirklich traumhaft war, gingen wir weiter zum Aussichtspunkt und anschließend noch um den Speichersee herum. Dann erreichten wir innerhalb weniger Minuten die Bergstation der Hochjochbahn. Wie sich herausstellte, fuhr zehn Minuten nach unserer Ankunft die letzte Gondel ins Tal. Hätten wir sie verfehlt, wären wir noch gut drei Stunden nach unten unterwegs gewesen. Glück gehabt; die Bahn war die bessere, weil kniefreundliche Variante.  9,5 Kilometer sind wir gegangen bei 470 Höhenmetern im Anstieg und 887 im Abstieg.

Dienstag, 3. September 2013

03.09.13 Tilisunahütte – Sulzfluhgipfel – zurück nach Latschau



Genau so schön, wie die Berge bei Sonnenuntergang waren, wirkten sie auch am Morgen. Es war beeindruckend, auf über 2.200 Metern Höhe aufzuwachen und durchs Fenster über die Gipfel zu schauen! Im Matratzenlager war es warm und gemütlich, geschlafen haben wir allerdings weniger gut. Man schläft meist nicht besonders gut in Berghütten. Kurz vor acht Uhr, nach dem Frühstück, starteten wir Richtung Sulzfluhgipfel. Die Zeit war mit zwei Stunden von der Hütte aus angegeben – beinahe ein Spaziergang! Es ging anfangs doch recht steil bergauf. Die Sicht war bald überwältigend: man sah die weißen Gipfel der Berninagruppe, die markanten, vergletscherten Silvretta-Riesen und auch die Berge um Davos, die wir größtenteils gut kennen. Die Aussicht wurde immer grandioser, umso höher wir gelangten. Wir gingen ein ganzes Stück beinahe ohne Höhengewinn, dann stieg der Weg nochmal an. Die Sulzfluh (2.818 m) gilt als der am leichtesten zu besteigende Rätikongipfel, aber man sollte sie keinesfalls unterschätzen. Aus dem Tal gelangt man auf den Gipfel besser mit einer Zwischenübernachtung, und gutes Wetter ist ebenfalls vonnöten. Drei Wege und zwei Klettersteige führen hinauf. Der Weg von der Tilisuna-Hütte aus ist für einigermaßen trittsichere und konditionierte Wanderer problemlos zu schaffen, und er ist auch eine richtige Genießer-Tour. Wir gingen über das weite, leicht ansteigende Sulzfluh-Plateau, das ich mir so oft auf Videos angesehen habe, und waren gegen 10 Uhr auf dem Gipfel. Es war noch ausgesprochen ruhig und beschaulich dort oben. Im vergangenen Jahr waren wir erst mittags dort und trotz der Schneelage waren unentwegt Menschen auf dem Weg nach oben. Nun hatten wir also ideale Verhältnisse erwischt für eine gemütliche Gipfelrast. Keine Wolke war am Himmel, wir hatten wundervolle Aussicht nach allen Seiten. Dann machten wir uns an den Abstieg. Wir hätten natürlich wieder zur Tilisunahütte zurückgehen, Pause machen und über den Bilkengrat –ebenfalls ein sehr attraktiver Weg, rot-weiß  – zur Lindauer Hütte gehen können, aber wir kannten nun einmal den direkten Weg nach unten durch den Rachen (blau-weiß) und es ergab sich, dass wir ihn auch dieses Mal ansteuerten. Mit uns waren noch ein Paar und eine dreiköpfige Familie dort unterwegs. Sieht man von oben aus in den Rachen hinunter, wirkt der Weg noch etwas bedrohlicher als von unten nach oben. Bei Schnee allerdings sollte man ihn eher meiden – oder gut kennen. Vor einem Jahr sind wir ihn ganz naiv gegangen und hatten das Glück, zwei erfahrene Bergsteiger vor uns zu haben, denen wir folgen konnten. Damals hatte es über Nacht geschneit und wir konnten die Markierungen nicht sehen. Nun trauten wir uns zu, den Weg langsam und vorsichtig hinunter zu gehen. An manchen (leichten) Kletterstellen mussten wir uns unseren Weg suchen, teilweise war es steil, teils ging es in feinem Geröll bergab. Erstmals bin ich in diesem feinen Schotter stellenweise „abgefahren“ wie auf Skiern, nur fühlt man sich mit Bergschuhen sehr viel sicherer. Der Weg durch den Rachen ist dennoch fordernd, weil sehr steil. Kommt man auf dem ebenen Stück an, wo auch der Weg zum Klettersteig „Gauablickhöhle“ abzweigt, ist man noch lange nicht im Tal angelangt. Auch der folgende Abstieg erfordert Aufmerksamkeit und kostet Kraft, weil etliche steilere Felsabschnitte überwunden werden müssen. Aber wir sind doch viel schneller als erwartet vorangekommen. Ich hatte damit gerechnet, dass wir gegen 16 Uhr an der Lindauer Hütte (1.744 m) ankommen würden, aber wir waren bereits 14.15 Uhr dort. Zunächst hatte ich das Gefühl, nicht mehr weiter gehen zu können, aber nach einer Pause im Schatten und einer Stärkung entschlossen wir uns, nicht wie geplant in der Hütte zu übernachten, sondern noch bis nach Latschau weiterzugehen, wo der Ortsbus nach Tschagguns abfährt. Die nahe liegenden Gipfel würden wir auch innerhalb einer Tagestour besteigen können, und außerdem lockte es uns, zurück in unsere schöne Ferienwohnung zu kehren, wo wir mit Sicherheit paradiesisch schlafen würden! Wir sind sehr stolz, ein zweites Mal „durch den Rachen“ gegangen zu sein, und unsere wunderschöne Tour zur Sulzfluh erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Gipfelerlebnisse können lange und intensiv nachwirken, Kraft und Glücksgefühle spenden. Berge lehren Achtsamkeit. Ich würde die Sulzfluh immer wieder gern besteigen, aber nach einer solchen Tour konnten wir nicht gleich eine weitere konditionell fordernde anhängen. Wir wohnen nicht nahe genug an den Alpen, um mal über ein Wochenende hinzufahren, und uns fehlt in diesem Jahr das Wander-Training. Wir haben  15,3 Kilometer zurückgelegt, 875 Höhenmeter im Anstieg und 2.000 Höhenmeter im Abstieg.

02.09.13 Von Latschau aus zur Tilisunahütte



Im Urlaub ist es wie auch sonst im Leben: man entscheidet sich gegen etwas und für etwas anderes. Am Sonntag hat es immer wieder geregnet, auch die Nacht hindurch, und erst ab Montag Mittag sollte es auflockern. Ein Aufstieg über nasse Wege von Brand aus zur Mannheimer Hütte kam für uns nicht in Frage; die Zustiege verlangen trockenes Wetter und klare Sicht. Somit musste die Traumtour zur Schesaplana auf dieser Route auf ein anderes Mal verschoben werden. Alternative war ein weiterer attraktiver Gipfel, für den wir im Falle der Schesaplana-Variante keine Zeit gefunden hätten: die Sulzfluh. Wir sind im vorigen Jahr schon auf dem Gipfel gewesen (auf der Schesaplana waren wir vor zwei Jahren), aber beim Aufstieg zur Tilisunahütte haben wir uns auf Grund schlechter Sichtverhältnisse gar nicht richtig umsehen können. Mich interessierten die Berge rund um die Hütte, vor allem die Weißplatte, aber auch der Aufstieg von der Hütte aus zur Sulzfluh, den wir noch nicht kannten, reizte mich sehr. Wir nahmen den Ortsbus von Tschagguns aus nach Latschau und folgten zunächst dem gelb markierten Weg nach Grabs. Bald zweigte ein rot-weiß markierter Wanderweg zur Alpila-Alpe und Tilisunahütte ab.  Man kann die Tilisunahütte von hier aus auch durchs Gauertal, vorbei an der Lindauer Hütte und anschließend über den Bilkengrat erreichen, aber diesen Weg wollten wir nicht gehen, da wir ihn bereits kennen. Es ging lange Zeit recht steil durch den Wald nach oben, der Weg war durch den nächtlichen Regen ziemlich schlammig geworden. Als wir endlich unterhalb der Alpe den Wald verließen, war die Tschaggunser Mittagsspitze(2.168 m) schon gut zu sehen. Ich hoffte, diesen Gipfel während unseres Aufstiegs besteigen zu können. Nach wenigen Metern begann der blau-weiß markierte Steig zur Mittagsspitze. Wir kamen an der Alpe an, wo wir leckeres Raclette-Brot bekamen und erst einmal eine Pause machten. Der Blick hinunter und übers Tal war schon ziemlich imposant, und die Wolken hatten sich verzogen. Man kann hier auch einen rot-weiß markierten Weg zur Tilisunahütte weitergehen, aber uns reizte die Mittagsspitze und deshalb folgten wir den blau-weißen Markierungen. Es war nun sonnig und warm geworden. Wir machten am Fuß der Mittagsspitze Rast. Ich bin ein Stück auf dem unmarkierten und ungesicherten Steig Richtung Gipfel hinauf geklettert und zwar so weit, wie es für mich unbedenklich war und Spaß gemacht hat. Als ich an eine Platte gelangte, die ich zwar – bei ausreichend Zeit – irgendwie überklettert hätte, entschloss ich mich zur Umkehr. Bis zum Gipfel war noch ein Stück zu bewältigen; der Wegverlauf erschien mir immer steiler und die Blöcke immer größer und ich war mir auch nicht sicher, ob ich auf dem ziemlich ausgesetzten wirkenden Gipfelgrat herumkrabbeln würde. Der Weg zur Hütte führte über einen Grat weiter bergauf, über mehrere Aussichtspunkte hinweg zum Schwarzhornsattel. Das Tilisuna-Schwarzhorn ragte abweisend und sehr imposant vor uns auf. Es ist mir rätselhaft, wie man es besteigen kann. Einen Wanderweg nach oben gibt es nicht. Der blau-weiß markierte Weg führte nun ein Stück bergab und traf den rot-weißen, von da an ging es rot-weiß weiter bis zur Tilisunahütte (2.208 m). Nun konnten wir uns in Ruhe umsehen und auch noch ein ganzes Stück Richtung Weißplatte (2.630 m) gehen. Für eine Besteigung dieses schönen und faszinierenden Berges müsste man allerdings die eine oder andere Stunde zusätzlich einplanen, und man muss auch wieder hinunter gehen. Wir haben zwar keinen markierten Wanderweg hinauf gesehen, aber mehrere Steinmännchen, und das Gelände ist, soweit wir es gesehen haben, bei guter Sicht und gutem Wetter beherrschbar. Man geht vom Tilisuna-Fürkle aus entlang von Steinmännchen über gut begehbaren Kalkstein. Uns gefielen vor allem die vielen kleinen, teilweise blühenden Pflanzen – man fühlte sich wie in einem riesigen natürlichen Steingarten. Auch von der Senke am Gruobenpass führt ein deutlicher Pfad Richtung Weißplatte. Es hätte uns gereizt, weiter zu gehen, aber dies wäre eine Gipfeltour für sich gewesen, die wir an diesem Abend nicht mehr geschafft hätten. Es bleibt ein Wunsch für später! Ganz passend zu unserer kleinen Exkursion waren wir im Lager „Weißplatte“ mit Blick zum Berg untergebracht, konnten ihn nachts bei Sternenlicht und am Morgen bei Sonnenaufgang sehen. Die Tilisunahütte ist sehr gemütlich und typisch einfach (der Höhenlage angemessen) und es war schön, dort ein weiteres Mal über Nacht zu bleiben. Wir haben bei dieser wunderschönen Tour 8,2 km zurückgelegt, worin der Abstecher zur Weißplatte nicht eingerechnet ist – es kam mir wesentlich weiter vor -; 1.432 Höhenmeter im Anstieg und 319 im Abstieg.

Samstag, 31. August 2013

31.08.13 Von Innerberg zum Itonskopf und zurück nach Bartholomäberg



Gestern tat es mir ein wenig leid, dass wir bei schönstem Sommerwetter aus der Silvretta ins Tal zurückkehren mussten. In Schruns bemerkten wir aber auch, wie viele Ausflügler hier am Wochenende ankommen, davon viele mit dem Ziel Silvretta. Da war es ganz gut, den Strömen von Wanderern entkommen zu sein. Für heute war wieder ein sommerlicher Tag angekündigt und wir hatten nun Gelegenheit, zu einer weiteren Wunsch-Tour aufzubrechen, für die wir sonst womöglich keine Zeit gefunden hätten. Sie führte uns nicht ins Rätikon, sondern ins Verwall. Wir nahmen den Bus von Schruns Bahnhof nach Bartholomäberg-Innerberg. Der Wanderführer rät, in Innerberg an der Kirche auszusteigen, aber wir fanden nur den Wegweiser, aber nicht den Weg. Man steigt unserer Meinung nach besser bei der nächsten Haltestelle, der Endstation, aus und folgt dem markierten Wanderweg, der links vom Parkplatz bergauf verläuft, Richtung Fritzen-See. Einige wenige Wanderer waren außer uns auf dieser Genießer-Tour unterwegs. Der Wegverlauf war ausgesprochen idyllisch: immer am Hang entlang, mal über Wiesen und an hübschen Höfen und Grundstücken vorbei, mal durch kurze Waldabschnitte, was vorübergehend an diesem sonnigen, warmen Tag sehr angenehm war. Nun hatten wir immer wieder den so ersehnten Blick ins Rätikon, auf Tilisuna-Seehorn, Sulzfluh, die Drei Türme und die Drusenfluh sowie auf Zimba und Schesaplana. Die Gipfel der Zimba und Schesaplana hüllten sich bald wieder in Wolken, während die anderen noch länger zu bestaunen waren. Wir folgten dem ausgeschilderten Weg Wannaköpfle über Monteneu, einem Aussichtspunkt. Bald erschien auch der Itonskopf auf dem Wegweiser mit dem Zusatz „für Geübte“. Ob man geübt genug für einen solchen Gipfel ist, kann einem kein Wanderführer sagen – das entscheidet man am besten selbst vor Ort. Zuerst jedoch ging es hinauf zum Wannaköpfle (2.032 m). Der Berg, den wir über den Wanderweg erreichten, ist nicht besonders steil und es gab auch kein Hinweisschild oben. Während die anderen Wanderer weiter Richtung Itonskopf gingen, lockte uns der nur wenig entfernte Nebengipfel, den man relativ gut über Trittspuren erreicht. Dort oben gab es sogar eine kleine Bank! Nachdem wir dort kurz gerastet und fotografiert hatten – man hat einen wunderbaren Blick in das Lechquellengebirge mit der Roten Wand – kehrten wir zurück zum markierten Wanderweg Richtung Itonskopf. Bald wurde der Weg blau-weiß markiert und an einem felsigen Hangabschnitt unterhalb des Gipfels wurde uns auch klar, warum: da muss man sich an einigen Stellen am Fels festhalten und der Pfad ist sehr schmal. Dann sahen wir die Seilsicherungen am Itonskopf und schätzten den Aufstieg als für uns machbar ein: mit Ruhe würden wir das schon schaffen. Der Itonskopf ist mit 2.089 m nicht sehr hoch, aber recht steil. Am Fuß des Berges fanden wir dann auch ein Warnschild „Alpiner Steig“ vor. Mit Vorsicht und unter Benutzung der Seilsicherungen  – vor allem beim Abstieg – kamen wir aber recht zügig vorwärts. Auf dem Gipfel ist nicht allzu viel Platz: mehr als acht bis zehn Leute können dort oben nicht rasten. Die Aussicht ist wundervoll. Als ich allerdings einen Gleitschirmflieger hoch über dem Tal beobachtete, wurde mir doch etwas komisch. In solchen Momenten ist es hilfreich, feste Punkte in der Landschaft zu betrachten, mit denen man kein Problem hat: ich konzentrierte mich auf den gegenüberliegenden Alpilakopf, einen sehr angenehm aussehenden Gipfel, den wir auch noch besteigen würden. Allzu lange hielten wir uns auf dem Itonskopf nicht auf, weil es bereits 13.30 Uhr war und wir bisher nur die erste Hälfte der Tour absolviert hatten. Nach einer weiteren kurzen Rast auf dem Alpilakopf gingen wir den markierten Weg Richtung Kristbergsattel über Falla. Wir liefen bergab über eine große Weidefläche „Obere Wies“. Dort erhebt sich ein kleiner bewaldeter Felsen, ein ehemaliges Korallenriff – heute Naturdenkmal. Der Weg umgeht einen weiteren Berg, das Schwarzhorn, und kommt dem Lechquellengebirge noch näher. Der Anblick dieses Gebirgszuges ist beeindruckend. Die weiteren Aussichtspunkte Falla und Ganzaleita lassen einen wieder über die Gipfel des Lechquellengebirges und der Verwallgruppe bis zur Silvretta blicken. Aber die für den nächsten Tag angekündigte Wetterverschlechterung war spürbar: immer mehr Wolken türmten sich über den Bergen. Wir hatten beide unseren Trinkvorrat zu knapp bemessen und gingen daher nicht mehr weiter bis zum Kristbergsattel, sondern nahmen gleich den Abzweig nach Innerberg. Aber wir hatten Glück: nach einigen hundert Metern trafen wir auf einen steinernen Wasserbehälter am Wegrand, in den Wasser aus einer Leitung läuft, so dass wir Trinkflasche und Trinkblase füllen konnten. Entspannt gingen wir auf dem guten Weg am Hang weiter, sahen bald Innerberg vor uns liegen und entschlossen uns, noch bis zur Kirche in Bartholomäberg zu gehen, wo der Bus nach Schruns abfährt. Wir mussten dieses Mal auch nicht lange warten. Eine wirkliche Traumtour über mehrere Gipfel und mit viel Aussicht – auch am Wochenende nicht überlaufen! Wir sind 18,5 km gegangen, es waren 1.400 Höhenmeter im Anstieg und ebenso im Abstieg. Die Wanderung war angenehm für uns bemessen: notfalls hätte ich noch weiter bis nach Schruns gehen können, aber es ist gut, wenn man nach der Tour nicht völlig erledigt ist.

Freitag, 30. August 2013

30.08.13 Madlenerhaus – Saarbrücker Hütte – Vermuntstausee



Im Madlenerhaus hatten wir eine wirklich komfortable Übernachtung, ein Zimmer für uns und gutes Essen. Eine Hütte, in der man auch mal mehrere Tage lang bleiben könnte, um die Silvretta zu erkunden! Schon Ernest Hemingway, der Vorarlberg liebte, übernachtete im Madlenerhaus. Er war dort im Winter zum Skilaufen. Nach dem Frühstück machten wir uns auf Richtung Saarbrücker Hütte. Der kürzeste Weg verläuft über Tschifernella unterhalb der Lobspitzen. Man soll etwas über 2 Stunden brauchen, wir benötigten fast 3 ½.  Angenehm ist, dass der Wegverlauf allmählich ansteigt bis auf über 2.300 Meter und die Aussicht wiederum sehr lohnt. Erst als wir die Saarbrücker Hütte unterhalb des Litzner-Gletschers sahen, war auch zu erkennen, dass es nochmal ein Stückchen bergab geht, ehe der Weg wieder zur Hütte ansteigt: allmählich in Serpentinen auf der Fahrstraße oder direkt über den Hang: wir wählten den etwas steileren Weg. Beim Aufstieg konnten wir die Kletterer beobachten, die den Klettersteig hinauf zum Kleinen Litzner in Angriff genommen haben – anders kann man es nicht nennen. Der Anstieg ist recht steil und wir würden ihn wohl doch besser sein lassen. Faszinierend ist auch die Aussicht auf das Große Seehorn und den Großen Litzer, zwei Gipfel, die viel Berg- und Klettererfahrung verlangen und nichts für Wanderer sind. Ich hatte vorab in keiner weiteren Hütte reserviert, da wir uns nicht sicher waren, wie schnell wir in der Silvretta „durchkommen“ würden. Diese Bedenken erwiesen sich unterwegs als berechtigt. Wir brauchten immer deutlich mehr Zeit, als auf den Wegweisern angegeben war. Gern hätten wir in der Saarbrücker Hütte (2.538 m) übernachtet, aber sie war völlig ausgebucht. Wir haben versucht, in der Tübinger Hütte, der nächsten möglichen Station, anzurufen, aber es hat mit der Funkverbindung nicht geklappt. Da man von jener Hütte aus noch sechs Stunden ins Tal laufen müsste, falls es dort wiederum nicht mit Übernachten klappt, war es uns zu riskant, weiter zu gehen. Wir entschlossen uns, zum Vermuntstausee abzusteigen. Ich hatte hin- und her überlegt, wie wir es wohl schaffen könnten, während unserer Tour sowohl die Westliche Plattenspitze als auch den Hochmaderer zu besteigen, aber wir schafften letztlich keinen der beiden Gipfel, was doch etwas schade war. Offenbar kann man in den Bergen nicht mehr spontan unterwegs sein, wenn man nicht irgendwo biwakieren möchte. Der Abstieg zum Vermuntstausee dauerte auch seine Zeit: kurz nach 14 Uhr waren wir dort. Jede Menge Wanderer waren hingegen auf dem Weg nach oben! Die Zeit bis zur Abfahrt des Busses verbrachten wir damit, dass wir noch ein Stück am Vermuntstausee entlang gingen. Von hier aus könnte man auch zum Hochmaderer gehen, wenn man genügend Zeit hat. Der Bus zurück war recht voll und wir freuten uns nun auf unsere schöne Ferienwohnung in Tschagguns. Wieder einmal haben wir etwas mehr von der Silvretta kennengelernt, auch wenn wir gern mehr gesehen hätten. Ideale Verhältnisse braucht man, die leider nicht immer eintreten – und Hüttenreservierungen während idealer Verhältnisse. Wir waren 12,8 Kilometer unterwegs, 780 Höhenmeter im Anstieg und 1.010 Höhenmeter im Abstieg.