Sonntag, 27. September 2015

Von Garmisch zum Königstand

Die Wetterprognosen zu unserem Urlaubsbeginn waren ja richtig toll. Hätte es heute einen sonnigen Tag mit klarer Sicht gegeben, hätten wir uns noch einmal eine längere, aussichtsreiche Wanderung auf einen Gipfel vorgenommen. Aber hätte das Wetter mitgespielt, wäre ohnehin die Alpspitze Programm gewesen…

Nun haben wir an unserem letzten Urlaubstag mehrere Möglichkeiten. Wir entscheiden uns zu einer Halbtagestour zum Königstand, zu der wir wiederum nicht gar so früh aufbrechen müssen. Das macht auch keinen Sinn: am Morgen ist dichter Nebel über den Bergen, der sich nur nach und nach ein wenig lichtet. Der Wind bläst die Wolken weiter (Richtung Wetterstein), aber leider bringt er auch neue Wolken mit.

Kurz nach neun Uhr gegen wir los Richtung Kramer. Den ausgeschilderten Weg zum Königstand hatten wir bei unserer Tour zur Ruine Werdenfels entdeckt. Es ist kein Gipfel, sondern ein Aussichtspunkt an einem Ostausläufer des Kramer. Der beste und ausgeschilderte Weg geht zum Berggasthof St. Martin (1.082 m). Von der Terrasse hat man bei schönem Wetter sicher eine wunderbare Aussicht. Heute witzeln wir darüber, wo denn in der Wolken- und Nebelsuppe die Zugspitze ist. Der Aussicht nach könnte man meinen, wir seien im Mittelgebirge. Außer uns sind etliche Wanderer am Kramer unterwegs. Wir gehen davon aus, dass die meisten von ihnen zur Kramerspitze gehen wollen. Von St. Martin aus geht es weiter in gleichmäßigen Serpentinen bergauf. Der Weg ist breit und bequem zu gehen.

Schließlich erreichen wir einen weiteren Aussichtspunkt, die Felsenkanzel auf 1.238 m. Zuvor gibt es einen mit einem Seil versicherten Wegabschnitt, der aber eher harmlos ist. Weiter geht es in Serpentinen bergauf, bis sich endlich auf ca. 1.400 Metern der Weg gabelt. Links herum geht es zur Kramerspitze, rechts herum zum Königstand. Der Weg verläuft noch eine Weile unterhalb von Felsen entlang und bald kann man den Aussichtspunkt mit Bänken sehen.

Am Königsstand (1.452 m) machen wir Rast. Dies muss eine beliebte Station von König Maximilian II. (von dem ich ansonsten nichts weiß) während seiner Jagdausflüge gewesen sein; er ließ den Weg anlegen, um dort zu reiten. Daher kommt der Name „Königstand“. Ein bisschen klarer ist es inzwischen geworden, wir können zumindest gut nach Garmisch hinunter sehen. Diese Wanderung ist eine richtige Genießertour, nicht zu steil, nicht zu lang, nicht zu anstrengend. Als wir auf dem Rückweg sind, kommen uns mehrere Wanderer entgegen, die auch zum Königstand möchten. Wir freuen uns, dieses Gebiet etwas besser kennen gelernt zu haben. Neben dem Kramer gibt es hier noch weitere interessante Gipfel, die uns reizen könnten, aber das wären wiederum Tagestouren, die sich nur bei guter Sicht lohnen.

Wir machen uns wieder an den Abstieg auf dem gleichen Weg und freuen uns auf die Kaffeepause im Berggasthof. Die Aussicht auf Garmisch ist hier besonders schön, weil man viele Details sieht, so die Züge und die Bahngleise. Dies ist nun unsere Jubiläumstour zur sogenannten Perlenhochzeit, die wir gern in den Bergen feiern wollten. Einen Klettersteigkurs am 30. Hochzeitstag hätte ich herrlich verrückt gefunden. Aber wir hoffen, dass uns noch ein paar verrückte Dinge gelingen werden. Ein paar schöne Touren sind es doch in diesem Urlaub gewesen, und wir haben viele, viele Anregungen für künftige Bergwanderungen gefunden. Unsere Abschiedstour war 16,6 Kilometer lang bei 1.150 Höhenmetern Anstieg und 1.155 Höhenmetern Abstieg.

Samstag, 26. September 2015

Über Wamberg zum Eckbauer, Rückweg durch die Partnachklamm

Wieder ein trüber, wenn auch nicht regnerischer Tag: deswegen machen wir nun unsere ursprünglich für den Donnerstag vorgesehene Tour. Sie ist eher kurz und deswegen können wir etwas später am Vormittag aufbrechen. Wir fahren mit dem Ortsbus bis zum Klinikum. An der Partnachklamm und Eckbauer-Bahn hat sich der Bus bereits geleert. Wir gehen den ausgeschilderten Weg nach Wamberg. Das sind von der Bushaltestelle aus etwa zwei Kilometer. Wieder einmal zeigt sich, dass die Fahr- und Versorgungsstraßen zu Bergdörfern und Gasthöfen die fiesesten Anstiege haben. Bergpfade sind da meist sehr viel „humaner“ angelegt. Positiv vermerke ich, dass ich zwar langsam aufsteige, aber dennoch keine Probleme habe: keinerlei Nachwirkungen von der gestrigen Tour mit dem relativ langen Abstieg ins Tal! Wamberg ist ein richtiges Bilderbuch-Bergdorf.

Kurz nach halb eins sind wir beim Berggasthof Eckbauer angelangt. Unser Vorhaben, dort Rast zu machen und Kaffee zu trinken, geben wir schnell wieder auf, als wir die Menschenschlange an der Selbstbedienungstheke sehen. Und beim Anblick der vielen Ausflügler, die hier hinauf und wieder hinunter strömen, wird uns klar, dass man diese Tour eher nicht am Wochenende machen sollte. Da hatten wir doch bisher recht ruhige Touren, wo wir stundenlang keine anderen Wanderer getroffen haben. Wir sind hier hinauf auch im vergangenen Jahr gewandert, nur anders herum: da gingen wir durch die Partnachklamm zum Graseck und von dort aus zum Eckbauer – was empfehlenswert ist, da der Anstieg in bequemen Serpentinen verläuft – und über Wamberg zurück nach Partenkirchen. Beiden unseren Touren ist eins gemeinsam: die berühmte Aussicht, die man auf Karwendel und Wetterstein haben soll, ist quasi nicht vorhanden, da die hohen Berge leider fast vollständig von dicken Wolken verhangen sind.

Am Graseck angekommen, machen wir Rast im Alm-Gasthof, wo es wirklich stimmungsvoller ist als beim Eckbauer. Vom Graseck geht es dann hinunter zur Partnach und bald zum Eingang bzw. Ausgang der Partnachklamm. Ich freue mich darauf, die Klamm zu durchqueren: Wasser, Felsen, Licht und Schatten wirken in der Partnachklamm besonders faszinierend zusammen. Aber auch hier sind viele Leute unterwegs und ich mache nur wenige Fotos, weil mir die Ruhe dazu fehlt. Schön ist der Weg entlang der Partnach nach Partenkirchen und weiter nach Garmisch. Wir sind 15 Kilometer gewandert bei 787 Höhenmetern Anstieg und 796 im Abstieg. Oberes Foto: Wamberg, Unteres Foto: Partnachklamm

Freitag, 25. September 2015

Auf die Pleisenspitze

An einem Tag zur Pleisenspitze hinauf und wieder hinunter ins Tal – das ist eine wirklich anstrengende Angelegenheit. Deutlich entschärft wird die Tour durch eine Übernachtung in der Pleisenhütte (1.757 m). Wie ich unten schon schrieb, ist die Einkehr und Übernachtung dort sehr zu empfehlen. Aber ganz wichtig: vorher anrufen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden! Besonders an Wochenenden sind Berghütten oft ausgebucht.

Wir haben relativ gut geschlafen und nach dem Frühstück brechen um neun Uhr wir wie geplant zum Gipfel auf. Wir staunen darüber, dass die meisten der anderen Übernachtungsgäste den Toni-Gaugg-Weg zum Karwendelhaus gehen möchten. Diese Tour reizt uns auch sehr, allerdings nur bei stabilem Wetter und guter Sicht. Hinter der Hütte geht es eine Weile bergauf, ehe sich der Weg gabelt: rechts herum geht es über den Kamm zum Karwendelhaus, der Wegweiser zeigt an: Nur für Geübte! Links herum geht es zur Pleisenspitze: unser Weg.

Der Weg ist nun von anderer Art als die Forststraße zur Hütte: steiniger, holpriger, steiler, von nassen und rutschigen Baumwurzeln durchzogen, an einigen Stellen muss man die Hände zu Hilfe nehmen. Bei gutem Wetter ist das ein ganz normaler, gut zu gehender Bergpfad, nicht ausgesetzt und auch nicht schwierig. Es geht eine ganze Weile durch Latschen bergauf, bis der Weg steiler wird und links unterhalb des Grates verläuft – aber weit genug vom Grat entfernt, es besteht keine Absturzgefahr. Hier sind wir nun im Schnee unterwegs, können aber deutlichen Spuren folgen und die Wegmarkierungen sind gut zu sehen. Wäre das nicht der Fall, würden wir den Aufstieg bleiben lassen.

Aber je steiler es nach oben geht, desto besser muss man aufpassen, denn der Schnee beginnt zu tauen und man kann leicht ins Rutschen kommen. Ebenso passiert es, dass die Stöcke tief im Schnee einsinken – auch deren Halt ist immer gut zu prüfen. Der Nebel lichtet sich etwas und auf einmal können wir das Gipfelkreuz sehen. Bis wir es erreichen, ist aber noch ein Stück zu gehen. Das letzte Stück unterhalb des Gipfels ist deutlich steiler und hier müssen wir uns noch einmal anstrengen. Dann aber ist es geschafft: kurz nach 11 Uhr stehen wir auf dem Gipfel der Pleisenspitze (2.569 m). Wir machen eine kurze Rast und tragen uns ins Gipfelbuch ein.

Dann machen wir uns langsam und konzentriert an den Abstieg. Bei einigen kurzen Pausen genießen wir die Aussicht auf die umliegenden Berge. Wir freuen uns darüber, den Gipfel dieses schönen Berges erreicht zu haben. Die Sicht hätte besser sein können, aber auch wesentlich schlechter. Beeindruckend ist der Blick auf den Karwendelhauptkamm. Die Alpspitze muss nun warten, bis wir sie uns – hoffentlich – ein andermal vornehmen können. Das Wetter kümmert sich nicht um unsere Wünsche und auch nicht um Hochzeitstage. Auch wenn das Jubiläum nicht heute ist, so ist doch die Pleisenspitze unser Jubiläumsgipfel: beinahe so hoch wie die Alpspitze und ähnlich schön und beeindruckend.

Und bei Schnee müssen wir uns den Gipfel wirklich verdienen. Während wir abwärts steigen, geht an einem Felspfeiler weiter entfernt Geröll ab. Ein paar Gämsen springen über den Weg. Und aus Richtung Zugspitze hören wir deutliches Donnergrollen. Bei diesen Verhältnissen können wir nicht schnell gehen. Der Weg bis zur Hütte fordert immer wieder unsere volle Aufmerksamkeit. Weiter unten kommen uns Leute entgegen, die hinauf wollen. Ob wir heute die ersten auf dem Gipfel waren?

Gegen 13.30 Uhr sind wir wieder an der Pleisenhütte und machen noch eine kurze Rast, ehe wir ins Tal absteigen. Hier ist es nun wieder klar, fast freundlich geworden. Die Hirsche hören wir heute nur selten und aus größerer Entfernung: gut so! Da die Forststraße nun deutlich leichter zu gehen ist, steigen wir relativ schnell nach Scharnitz ab. Als wir unten im Ort ankommen, hat es sich eingetrübt, und der Wind frischt auf. Wir erreichen gut den 16.16 Uhr-Zug nach Garmisch. Schön war es, dass wir noch einmal eine Karwendel-Tour machen konnten! Die Daten zur Wanderung: 1.150 Höhenmeter Anstieg, 1.934 Höhenmeter Abstieg, 14,8 zurückgelegte Kilometer. Dieses Gerät zeichnet auch Gegenanstiege auf, also bitte nicht wundern, wenn wir mitunter mehr Meter bergauf gehen, als der Berg hoch ist. (Oberes Foto: Blick zur Pleisenspitze vom Brunnsteinanger, Unteres Foto: Rückblick zum Gipfelkreuz)

Donnerstag, 24. September 2015

Von Scharnitz zur Pleisenhütte

Für das letzte Septemberwochenende hatten wir etwas Besonderes geplant: einen Klettersteigkurs mit Besteigung der Alpspitze über die Alpspitz-Ferrata. Der Wintereinbruch von Dienstag Nacht zu Mittwoch hat unsere Pläne durchkreuzt: der Kurs wurde abgesagt. Im Hochgebirge wird einem deutlicher als sonst bewusst, dass die Natur immer stärker ist und man gut beraten ist, dies zu akzeptieren.

Dennoch: ein wenig traurig macht uns das schon, denn wir haben uns doch noch eine größere Tour auf einen der höheren, markanten Gipfel gewünscht. Bei unseren Touren um Mittenwald haben wir öfter die Aussicht zur Pleisenspitze genossen und ich dachte mir: schade, dieser schöne Gipfel muss nun warten bis zu einem späteren Urlaub.

Am Morgen rufe ich in der Pleisenhütte an und erfahre, dass eine Gipfeltour am Freitag bestimmt möglich sei: sogar am Mittwoch, dem Schlechtwettertag, seien Leute oben gewesen. Ob es allerdings aufreißt und die Sicht besser wird, müsste man sehen. Eine Übernachtung am Wochenende sei allerdings nicht mehr möglich. Heute würde es gehen… heute? Warum eigentlich nicht. Wir überlegen gar nicht lange und reservieren die Übernachtung von Donnerstag zu Freitag. Die bereits geplante Schlechtwetter-Tour läuft uns ja nicht weg…

Wir fahren mittags mit dem Zug von Garmisch nach Scharnitz. Dort wandern wir an der Isar entlang und ein Stück ins Hinterautal. Hier befindet sich ein Parkplatz, der als Ausgangspunkt zur Hütte angegeben wird. Von dort aus geht es weiter an der Straße entlang bis zum Wiesenhof. Dort zweigt der ausgeschilderte Weg zur Pleisenhütte links ab. Zunächst geht es mit leichtem Anstieg auf einer Forststraße weiter, aber bald wird es steiler.

Über uns im Wald hören wir immer wieder laute, brummende Geräusche. Das können nur Hirsche sein: im Herbst ist Hirschbrunft. Es ist still im Wald, wir sind lange Zeit die einzigen, die hinauf gehen, und die dunklen, grollenden Laute kommen immer näher. Das ist mir zeitweise ziemlich unheimlich. Als wir die Wanderstöcke zu Hilfe nehmen und deren Klicken im Wald zu hören ist, klingen die Rufe bald nicht mehr so nahe. Es genügt mir ja, wenn die Tiere Abstand halten.

Obwohl die Forststraße weiterhin breit und gut zu begehen ist, strengt der Aufstieg an. Wir sind froh, als wir gegen 15.15 Uhr an der Hütte ankommen. Wir haben 1.317 Höhenmeter im Anstieg zurückgelegt, 140 im Abstieg und sind 9,3 Kilometer gegangen.

Drinnen in der Gaststube werden wir sehr nett bewirtet, bekommen unser Lager gezeigt und machen noch einen Abendspaziergang, ehe es Essen gibt. Die Pleisenhütte gehört wirklich zu den gemütlichsten Hütten, die wir bisher kennen gelernt haben. Als die Sonne untergeht, bewundern wir den Abendhimmel und freuen uns darüber, dass die Bergketten ringsum aus dem Nebel auftauchen. Unten im Wald röhren die Hirsche. Bald aber verstummen auch sie, und es wird still und friedlich im Karwendel.

Mittwoch, 23. September 2015

Zur Burgruine Werdenfels

Der Tag beginnt regnerisch und nach einem Gang durch den Ort brechen wir gegen Mittag zu einer kleinen Schlechtwetter-Tour auf. Wir gehen wieder zum Kramer-Plateauweg und wenden uns rechts, der Ausschilderung „Ruine Werdenfels“ folgend. Man geht angenehm oberhalb des Ortes durch den Wald. Nach einer reichlichen Stunde kommen wir bei der Ruine an. Es sind nicht nur beeindruckende Mauern erhalten; man sieht auch schön über das Tal zu den gegenüberliegenden Bergen, dem Hohen Fricken und dem Wank. Beide Gipfel sind ein wenig von Schnee überzuckert.

Unterhalb der Burg befindet sich eine Hütte, die auch bewirtschaftet ist, aber niemand ist in der Gaststube, weshalb wir wieder gehen. Weiter geht es durch den Wald zum Pflegersee, eher ein kleiner Waldteich. Vom See aus nehmen wir den Kellerleitensteig zurück, der oberhalb des Kramerplateauwegs am Hang verläuft. Auch dieser Weg ist sehr schön und bietet immer wieder reizvolle Ausblicke auf Garmisch und auf die verschneite Wetterstein-Wand. So beeindruckend der Schnee auf den hohen Bergen ist – wir freuen uns nicht darüber, denn wir reisen ja ins Hochgebirge, um auf solche Berge zu steigen! Leider richtet sich das Wetter nicht immer nach unseren Wünschen. Nach reichlich drei Stunden sind wir wieder in Garmisch. (Foto: Blick von der Ruine Werdenfels zum Hohen Fricken)

Dienstag, 22. September 2015

Panorama-Rundweg Wank

Heute lassen wir uns Zeit. Das Wetter soll unbeständig sein und ab dem Nachmittag wird Regen erwartet. Kurz nach 10 Uhr fahren wir mit der Seilbahn hinauf zum Wank (1.780 m). Mir gefallen besonders die kleinen, nostalgischen Kabinen. Ich fühle mich ein wenig wie im Kinderkarussell, aber die Bahn bringt uns bald in eine stattliche Höhe weit über Garmisch. Man kann natürlich auch auf den Wank wandern; mehrere Wege führen nach oben. Aber heute sparen wir uns das Steigen und die Höhenmeter. Stattdessen verlassen wir die Bergbahn und haben gleich einen beeindruckenden Blick zur Zugspitze, wo Schnee liegt. Laut Wettervorhersage kann es noch mehr Schnee geben…

Überall ballen sich dichte und auch dunkle Wolken, so dass wir eigentlich immer mit Regen und dem angekündigten Wetterumschwung rechnen. Es gibt oben einen schönen Panorama-Rundweg über Roßwank, an der Wank-Hütte vorbei zum Wank-Spix, einer kleinen Aussichtsplattform, und auf einem kurzen und bequemen Weg erreicht man auch den benachbarten Amelsberg (1.740 m), wo man ebenfalls mit schönen Ausblicken belohnt wird. Mehrere Bänke und Rastplätze laden zum Verweilen ein. Im vorigen Jahr sind wir mit unseren Söhnen auch hier gewesen, wurden aber bald durch Gewitter mit Hagel wieder vom Berg vertrieben. Heute ist es uns vergönnt, die gesamte Runde zu gehen. Wir schließen die Tour mit einer Einkehr in der Wank-Hütte ab, dann fahren wir noch vor dem Regen wieder ins Tal. Länge und Höhenmeter dieser kleinen Tour haben wir nicht aufgezeichnet. Morgen könnte es sein, dass wir nur im Ort unterwegs sind, da das Wetter schlecht werden soll. Foto: Blick vom Wank aus Richtung Zugspitze - es trübt sich ein

Montag, 21. September 2015

Von Garmisch aus zur Kramerspitz

Was wünscht man sich an einem Gipfeltag? Ausgeruht möchte man sein und voller Energie. Von wegen Ausruhen – das klappt bei mir meist nicht so gut, gerade dann nicht, wenn ich etwas vorhabe, das mir wichtig ist. Schlafstörungen sind, wie man oft hört oder liest, ein Leiden, das besonders Frauen in den mittleren Jahren betrifft. Dies ist eine Lebensphase, in der man erholsamen Schlaf besonders nötig hätte. Leider hat die Natur da was nicht gut eingerichtet. Um es kurz zu machen: von den etwa acht Stunden, die ich letzte Nacht in meinem Bett verbrachte, habe ich maximal fünf Stunden geschlafen. Das ist kein Einzelfall, sondern relativ normal. Es wäre ja nicht weiter schlimm, wenn ich trotzdem ausgeruht wäre. Leider war ich das ganz und gar nicht.

Es gibt etwas, das die nächtlichen Dämonen schnell vertreiben kann: ein morgendlicher Blick aus dem Fenster auf einen Berg, dessen Gipfel in den ersten Sonnenstrahlen glüht. Es ist der Kramer, den wir von unserem Balkon aus sehen können, einer der höheren Hausberge von Garmisch. Schon im vergangenen Sommer wollten wir ihn gern besteigen, sind aber am vorgesehenen Tag zu spät aufgebrochen. Und heute fürchte ich, dass es uns wieder so ergeht. Wir verlassen gegen neun Uhr das Haus, eigentlich wie üblich. Aber es ist heute nicht mein Tag und ich bin besorgter als sonst, dass die Zeit nicht ausreicht, um den Gipfel zu schaffen. Es ist ja wieder ein Berg, auf den keine Seilbahn fährt, mit der man notfalls abkürzen kann, und das bedeutet: circa vier Stunden reine Gehzeit hinauf und so ähnlich auch wieder hinunter. Mir fehlt die Energie, dieses Gefühl „das wird schon“. Als wir Richtung Kramer gehen, ruft uns eine ältere Frau zu, ob wir zum Gipfel wollen. „Wenn wir es schaffen“, antworte ich, heute nicht sonderlich optimistisch.

„Das schaffen Sie!“, sagt sie und irgendwie freuen wir uns darüber. Wir gehen wieder hinauf zum Kramerplateauweg, der hervorragend zum Spazierengehen, Joggen oder Nordic Walking geeignet ist. Man kann hier direkt den Kramersteig bergauf nehmen, der aber im Wanderführer als Abstieg empfohlen wird. Nachdem wir weiter Richtung Grainau gegangen sind, kommen wir an den nächsten Aufstieg zur Stepbergalm und zum Kramer, den Kreuzweg. Da wir dort im vergangenen Jahr schon hinauf gegangen sind und dies als sehr mühsam empfanden, gehen wir weiter bis zum Gelb-Gwänd-Steig, der an der nächsten Kreuzung abzweigt, wo wir gestern auch von Grainau aus heraufgekommen sind. Unserer Meinung nach ist dieser Steig sehr viel besser für den Aufstieg geeignet. Er steigt relativ gleichmäßig an, ohne wieder an Höhe zu verlieren – was beim Kreuzweg öfter der Fall ist, und führt auch so direkt wie möglich zur Stepbergalm. Gegen 11.40 Uhr sind wir oben und freuen uns, dass es relativ gut und zügig ging.

Wie wir bereits gestern gelesen haben, ist die Stepbergalm noch bewirtschaftet und wir machen eine kurze Rast mit kühlen Getränken. Das Wetter ist traumhaft: der Himmel ist ganz klar und blau, nur vereinzelt steigt noch Dunst aus den Tälern auf. Ganz deutlich sind Zugspitze, Alpspitze und die Wettersteinwand zu sehen, an einigen schattigen Stellen mit Schnee überzuckert. Darunter der Wald, der sich bereits herbstlich färbt – ein wunderschöner Anblick!

Unsere Pause dauert nicht sehr lange – wir fühlen uns immer noch ein wenig unter Zeitdruck. Der Kramersteig beginnt oberhalb der Stepbergalm. Es geht relativ direkt und zeitweise auch recht steil nach oben, zunächst über Wiesen, dann durch Latschen, wo mehr Geröll liegt. Von einem Aussichtspunkt an führt der Weg eine Weile an einem Bergrücken entlang, ohne dass es nennenswert bergauf geht. Am Ende wird es steiler und man kann auch den Gipfel sehen. Zunächst wirkt er auf mich ziemlich ausgesetzt und ich weiß nicht, ob ich dort hinauf möchte. Bei solchen Überlegungen hilft am besten der Vorsatz: gehen, solange man es sich zutraut, und notfalls umkehren, auch wenn man das ungern tut. An einigen abschüssigen und etwas ausgesetzten Stellen bin ich ängstlicher als sonst. In dieser Hinsicht kann die Tagesform enorme Unterschiede bewirken.

Aber ein paar Seilsicherungen helfen über die steilsten Abschnitte hinauf. Gegen 13 Uhr sind wir auf dem Gipfel - mit uns einige andere Wanderer, und alle genießen die traumhafte Aussicht. Da hat der Wanderführer wahrlich nicht übertrieben: der Kramer (1.985 m) ist ein wunderbarer Aussichtsgipfel! Man kann den Kramersteig weiter bis hinunter nach Garmisch gehen, aber da er laut Wanderführer stellenweise schlechter sein soll als unser Aufstieg, entscheiden wir uns, wieder zur Stepbergalm abzusteigen. Ich habe keine Lust auf Experimente, ob der Steig möglicherweise zu steil, zu ausgesetzt und zu bröselig ist … außerdem sind meine Beinmuskeln beleidigt, die sich erst gestern früh einigermaßen von unserer langen Tour zur Arnspitze erholt hatten und tagsüber schon wieder strapaziert worden waren. Ein sehr gewichtiger Grund, diesen Weg zu wählen, ist aber auch die Möglichkeit, an der Stepbergalm Kaffeepause zu machen.

Ich bin sehr froh, meine Stöcke dabei zu haben! So ist der Abstieg nicht ganz so strapaziös. Mir fehlen tatsächlich die längeren Vorbereitungstouren, die wir in diesem Jahr aus verschiedenen Gründen nicht machen konnten. Ein wenig fühlte ich mich wie eine Oma – die ich ja tatsächlich auch bin. An der Stepbergalm genießen wir Kaffee und frischen Apfelstrudel: beides ist vorzüglich, ebenso wie die Aussicht von der Terrasse auf Zugspitze und Alpspitze. Nachdem wir uns gestärkt haben, gehen wir den Kreuzweg hinunter. Dieser Weg hat auch unseren Söhnen sehr zu schaffen gemacht. Wir stellen wieder fest, dass er deutlich anstrengender zu gehen und weitaus öfter in der Sonne ist als der Gelb-Gwänd-Steig. Wunderschön ist das intensive herbstliche Licht, das die Berge ringsum erleuchtet. Nach reichlich acht Stunden sind wir wieder in Garmisch, sind 21 Kilometer gewandert bei 1.641 Höhenmetern Anstieg und 1.687 Höhenmetern Abstieg.