Freitag, 18. September 2015

Leutascher Geisterklamm

Nach der gestrigen langen Tour und wegen der Unbeständigkeit des Wetters ist wieder ein ruhiger Tag geplant. Ideal an solchen Tagen ist eine Wanderung in und um die Leutascher Geisterklamm. Am Vormittag klart es auf und die Sonne scheint sogar richtig warm. Heute nun können wir den Wasserfall-Steig bis zum wirklich imposanten Wasserfall gehen. Dieser Weg, wo man dem Wasser recht nahe ist, ist allerdings nur kurz. Dann kehrt man wieder um und kann vom Eingang aus zu einer der beiden Rundtouren oberhalb der Klamm aufbrechen.

Am Montag hatten wir die kurze Runde gemacht, heute wollen wir nun die große Runde gehen. Es ist ziemlich viel los auf dem Klammsteig: ganze Wandergruppen sind unterwegs. Man geht weit oberhalb der Klamm auf Metallbrücken und –Treppen entlang und hat imposante Tiefblicke. In der Klamm soll der Sage nach ein Geist leben. Der Lehrpfad am Klammsteig verknüpft die Sage mit der Entstehung und Erschließung der Klamm. Wir gehen weiter bis nach Leutasch, wo es nicht viel zu sehen gibt. Einige Wanderwege beginnen hier, so der Franzosensteig und ein weiterer Weg zur Arnspitze, auf der wir gestern waren. Eine anstrengende Tour kommt aber nicht in Frage. Heute gehen wir es ruhig an: die Beine brauchen etwas Schonung, wir genießen die ruhige kleine Wanderung und kehren in Leutasch im Gasthof „Klammgeist“ ein. Es gibt frische Forellen mit viel Knoblauch – heute ist also Verwöhnen angesagt. Ein sehr uriges, empfehlenswertes Restaurant!

Nach dem Essen gehen wir zurück nach Mittenwald. Es hat sich bereits eingetrübt, die hohen Berge sind im Nebel verschwunden, aber erst am Abend regnet es. Die Klamm ist zu Fuß erreichbar, auch ein Spaziergang hierher lohnt. Wir waren insgesamt 14 Kilometer unterwegs, ein paar Höhenunterschiede haben wir auch überwunden, aber nicht von der Art, dass wir sie hier erwähnen müssen. :-)

Donnerstag, 17. September 2015

Von Scharnitz auf die Große Arnspitze, Abstieg nach Mittenwald

Gestern haben wir eine ruhige Wanderung unternommen. Nicht nur deswegen, weil uns der Aufstieg zur Brunnsteinspitze gefordert hat. Ich hatte auch das Gefühl, dass uns die Tour zur Großen Arnspitze einiges abverlangen würde. Im Karwendel hat man eigentlich nur die Wahl zwischen sehr leichten und sehr anstrengenden Touren, denn es gibt kaum Bergbahnen, die einem den Weg nach ganz oben erleichtern.

Wir brechen wieder 8.45 Uhr auf. Der Zug nach Scharnitz hat irgendwelche Probleme… wir weichen kurzentschlossen auf den Linienbus aus, der 9.03 Uhr abfährt. Zehn Minuten später sind wir in Scharnitz. Am nördlichen Ortsende folgen wir dem Weg zur Porta Claudia, einer Burgruine oberhalb des Ortes. Hier geht es auch entlang zur Großen Arnspitze. Ich hatte die Porta Claudia für eine römische Anlage gehalten, denn die Römer haben die Alpen zwischen Mittenwald und Partenkirchen durchquert. Aber nein: die Festung entstand später. Die Ruinen sind beeindruckend und wir erreichen bald die Obere Festung. Hier stellen wir fest, dass wir wieder bergab gehen müssen, um den Weg zur Großen Arnspitze zu treffen. Ein Stück gehen wir über einen wegen Forstarbeiten gesperrten Steig: Glücklicherweise wird gerade nicht gearbeitet und wir treffen bald den markierten Wanderweg zur Arnspitze.

Auf einem Forstweg gehen wir ein ganzes Stück bergauf; dann wird der Weg schmaler und steiler und wir achten gut auf die Markierungen, da dieser Weg wenig begangen wird. Aber irgendwann befinden wir uns an einem ziemlich steilen Hang mitten im Wald und sehen keine Markierung mehr. Ringsum befinden sich mehrere umgestürzte Bäume: wir nehmen an, dass ein, zwei Markierungen verloren gingen. Das genügt schon, um den Weg zu verfehlen…

Christian schaut immer wieder auf die gespeicherte Wanderkarte und versichert, dass wir uns nur wenige Meter vom Wanderweg entfernt haben. Tatsächlich sehen wir keinen Weg mehr, nur vereinzelte Trittspuren, und das Gelände wird zunehmend unzugänglich. Was bleibt uns übrig, als uns irgendwie durchzuschlagen (hoffentlich zum Wanderweg), aber zunächst einfach dort, wo das Gelände zu begehen ist? Wir hangeln uns von Steinen im Hang zu Baumwurzeln, prüfen deren Halt, graben uns Griffe frei. Zeitweise wird mir sehr mulmig, weil ich spüre, dass mich am steilen Hang die Kräfte verlassen.

Plötzlich sieht Christian eine Gämse vor sich und macht mich darauf aufmerksam. Ich antworte, dass mir das gerade ziemlich egal ist, weil ich Mühe habe, mich überhaupt am Hang festzuhalten. Gämse ungewöhnlich nahe heißt wohl: Weg verfehlt! Weiter oben ist das Gelände flacher und man kann normal aufsteigen. Wir sehen schon die Arnspitze und haben das Gefühl, weiter nach rechts gehen zu müssen. Wieder treffen wir auf Fußspuren und gelangen auf einen locker bewachsenen Hang. Weiter oben sehen wir Felsen: dort müsste man hinauf kommen.

Über einen nur undeutlichen Pfad steigen wir auf, orientieren uns nur nach Gefühl. Plötzlich muss ich jubeln, denn ich stoße auf den markierten Wanderweg! Erleichtert folgen wir ihm und schwören, die Markierungen nie mehr zu verlieren. Es dauert noch eine ganze Weile, bis wir an der Arnspitzhütte, einer Selbstversorger-Notunterkunft, ankommen. Unser Ziel, die Große Arnspitze, können wir schon gut sehen. Hier machen wir eine kurze Essens- und Trinkpause. Den Weg von Scharnitz aus möchte ich derzeit nicht empfehlen, es sei denn, man kennt ihn schon. Aber wir sind stolz, dennoch „durchgekommen“ zu sein!

Von der Arnspitzhütte aus gehen wir weiter Richtung Gipfel: zunächst vom Sattel aus in Serpentinen bergauf. Dann wird es abschnittsweise steiler und wir müssen die Hände zu Hilfe nehmen. Ob wir uns wieder herunter trauen werden? Ganz sicher, mit Ruhe und Vorsicht werden wir das packen. Die Rinne, in der wir laut Wanderführer aufsteigen müssen, ist zeitweise recht steil. Gut, dass es überall griffige Felsen gibt, wo man sich halten kann! Endlich fehlen uns nur noch wenige Meter zum Gipfel und diese sind recht gut zu bewältigen. Immer den Markierungen folgen, dann klappt das! Kurz nach halb drei stehen wir oben (2.196 m). Ich mache nur ein Foto von uns beiden, dann steigen wir wieder ab. Das Gipfelkreuz, zu dem man abklettern und wieder aufsteigen müsste, sparen wir uns. Wir haben es geschafft, nur das zählt.

Ein Bergsteiger kommt uns unterhalb des Gipfels entgegen. Er wird uns bald wieder einholen… Kurz nach drei Uhr sind wir wieder am Sattel angelangt. Der andere Bergsteiger ruft uns zu: nun schnell nach unten vor dem Regen! Wir nehmen das noch gar nicht richtig ernst, freuen wir uns doch über den leichteren Abstieg nach Mittenwald. Dieser „leichte“ Abstieg unterhalb der Achterköpfe, über Riedberg und Riedbergscharte hat es doch in sich – und ist recht lang. Unterhalb der Achterköpfe gibt es mehrere wirklich unwegsame und ausgesetzte Stellen. Während wir sie passieren, sehen wir den Nebel, der vom Tal aus höher steigt. Kaum sind wir an den gefährlichen Stellen vorbei, befinden wir uns im Nebel und der Wind wird stürmisch.

Der Weg nach Mittenwald ist lang, aber sehr gut markiert: selbst im Nebel findet man den Steig. Wir sind froh, die Latschen zu erreichen, denn es wird immer unfreundlicher. Dass ein Wetterumschwung schneller kommt, sollte man nicht ausschließen… Bei schönem Wetter ist dieser Wegabschnitt sicher wunderschön. Ist es aber nebelig und der Wind reißt an den Latschen, will man nur noch hinunter.

Wir gehen noch mehrere Stunden im Wald bergab. Zum Glück wird es noch nicht so schnell dunkel, aber wir beeilen uns trotzdem, machen nur noch kurze Trinkpausen und gehen, so gut und so schnell es geht Richtung Mittenwald. Im Wald gibt es immer wieder auch steile, unwegsame Abschnitte, die man bei Dunkelheit nicht unbedingt bewältigen möchte! Endlich gelangen wir unterhalb des Gasthofs „Gletscherschliff“ ins Tal. Diesen Weg kennen wir schon. Es hat nun kräftig zu regnen begonnen. Aber die letzten Kilometer zur Ferienwohnung schaffen wir auch noch, zumal der Weg nun leicht zu gehen ist. Diese Tour war grenzwertig. Wir haben das Gefühl, uns nun als Bergwanderer für anspruchsvolle Touren qualifiziert zu haben. Und wir hatten Glück, es noch gut ins Tal geschafft zu haben! Ganz besonders stolz sind wir darauf, den langen Querfeldein-Marsch geschafft zu haben. Nur mit dieser Erfahrung haben wir uns überhaupt an den Gipfel der Arnspitze getraut.

Es war eine lange, anstrengende Bergtour: 19,8 Kilometer waren wir unterwegs bei 1.800 Höhenmetern Anstieg und 1.795 Höhenmetern Abstieg. Insgesamt waren wir ca. 10 Stunden unterwegs mit nur wenigen Verpflegungspausen. Was bin ich froh, durch den Ausdauersport ein bisschen trainiert zu sein! Männer sind doch generell etwas härter im Nehmen. Aber wir sind gut wieder in Mittenwald angekommen: so muss es sein! (Oberes Foto: Blick zur Großen Arnspitze vom Leitersteig; Unteres Foto: Wir am Gipfel :-))

Mittwoch, 16. September 2015

Barmsee-Rundweg, über die Buckelwiesen zurück nach Mittenwald

Aus verschiedenen Gründen entscheiden wir uns heute zu einer ruhigen, weniger schwierigen Tour. Das Wetter ist unbeständig, es gibt Sturmböen, und am Vormittag regnet es leicht. Ich wünsche mir eine Genuss-Tour mit lieblicher Landschaft, viel Aussicht und weniger steilem Anstieg. Deswegen entscheiden wir uns, mit dem Wanderbus zum Barmsee zu fahren.

Wir kommen am Gasthof Barmsee an und wenden uns nach links, der Ausschilderung „Barmsee-Rundweg“ folgend. Zuerst gelangen wir durch den Wald zum Grubsee, wo es ein schönes Naturbad gibt – es badet allerdings niemand mehr. Von dort aus geht es weiter zum Barmsee, der sich, von Wald und Wiesen umgeben, dunkelgrün und klar unter uns erstreckt. Am Westufer befinden sich eine Liegewiese, mehrere seichte Buchten, wo man rasten und im Sommer auch baden kann. Viele Wanderer und Spaziergänger sind unterwegs. Der See liegt geschützt vor Windböen und bald wird es sonnig und richtig warm. Wer so einen klaren Bergsee in Reichweite hat, kann sich im Sommer glücklich schätzen. Wir gehen weiter um den See Richtung Krün und haben bald einen wirklich atemberaubenden Ausblick auf Karwendel und Wetterstein. Sogar Zugspitze und Alpspitze sind gut zu sehen.

Danach geht es durch einen dichten Wald mit sattgrünem, moosbewachsenen Boden – wahrlich ein Anblick zum Erholen! Nicht nur der Körper braucht mitunter einen oder mehrere Tage zur Regeneration, auch die Seele muss nach einer anstrengenden Tour auftanken. Wieder am Gasthof angekommen, der sehr empfehlenswert ist, machen wir Kaffeepause. Dann entscheiden wir uns, nicht mit dem Wanderbus zurück zu fahren, sondern über die Buckelwiesen nach Mittenwald zu laufen. Dieser Weg ist ausgeschildert und sehr zu empfehlen. Wir sind ihn eigentlich nur gegangen, weil es noch zu früh am Nachmittag war, um die Tour zu beenden. Während wir unterwegs sind, wird uns klar, dass dieser Weg viel mehr ist als eine Schlechtwetter-Alternative.

Die Aussicht nach allen Seiten ist überwältigend: wir sehen die grünen Almwiesen um uns herum, gesäumt von beeindruckenden Bergketten. Dazu das intensive Licht, das man so nur im Spätsommer und Herbst erlebt. Viele Wanderer sind unterwegs und genießen die Ausblicke wie wir. Wir bleiben immer wieder stehen, erfreuen uns an der Landschaft und Aussicht und ich mache viele Fotos. Am späten Nachmittag sind wir wieder in Mittenwald. 19 Kilometer sind wir gewandert bei 764 Höhenmetern Anstieg und 747 Höhenmetern Abstieg.

Dienstag, 15. September 2015

Von Mittenwald zur Brunnsteinspitze

Vollkommen inaktiv waren wir gestern doch nicht: am späten Nachmittag beruhigte sich das Wetter und wir gingen durch den Ort Richtung Leutascher Geisterklamm. Wir wollten zumindest mal sehen, wie weit es bis dorthin ist. Da es nicht so weit war und sich das Wetter ganz gut hielt, gingen wir dann doch den Klammsteig bis zum „Geisterschloss“ und auf der anderen Seite oberhalb der Klamm zurück bis an unseren Ausgangspunkt. Wir werden sicher irgendwann noch den Wasserfallsteig gehen. Der Klammsteig ist auch für Kinder interessant; er ist ein Lehrpfad mit vielen kindgerechten Stationen. Einen kurzen Regenschauer gab es und über Mittenwald muss es gewittert haben. Als wir uns auf dem Rückweg befanden, sahen wir erst einen, dann zwei Regenbogen, die sich über das Tal bis hinauf zum Karwendel spannten. In der Nacht trübte es sich ein. Während die letzten Nächte sternenklar waren – das Schwert des Orion wies genau auf die Berge – waren die Lichter am Berg völlig im Dunst verschwunden.

Am Morgen ist es wie so oft meine erste Tat, den Laptop einzuschalten und den aktuellen Wetterbericht zu studieren. Da das Wetter nun besser sein sollte als am Donnerstag, entscheiden wir uns, die für heute vorgesehene Schlechtwetter-Wanderung zu verschieben und eine größere Tour zu unternehmen. Wir starten wieder an der Talstation der Karwendel-Bahn, gehen zunächst in den Wald, wo alle Steige noch gemeinsam verlaufen. Es geht in vielen Kehren bergauf und ich fürchte schon, dass wir auf dem falschen Weg sind, aber schließlich gabelt er sich und wir gehen rechts herum, der Ausschilderung „Leitersteig“ folgend. Der Leitersteig führt eine ganze Weile oberhalb des Ortes durch den Wald. Ab und an kann man nach Mittenwald hinunter blicken, aber auch auf die gegenüberliegenden Berge: der Nebel lichtet sich und ab und an sind die Gipfel der Großen Arnspitze und der oberen Wettersteinspitze frei. Endlich kommen wir an die Hängebrücke über die Sulzleklamm, von der ich ziemlich begeistert bin, erinnert sie mich doch an die Brücke über die Gornerschlucht bei Zermatt. Auf der anderen Seite angekommen, können wir lesen, dass die Brücke nun die einst über die Schlucht führenden Leitern ersetzt, denen der Steig seinen Namen verdankt. Hier kommen weitere Wege von Mittenwald und Scharnitz hinauf. Wir folgen dem ausgeschilderten Weg zur Brunnsteinhütte, der in weiten Kehren bergauf führt. Bald überholen wir eine Wandergruppe und können sie ein ganzes Stück hinter uns lassen. Hinter einer größeren Gruppe unterwegs zu sein, die öfter mal stehen bleibt, macht nicht unbedingt Spaß, und die Leute sind auch nett und lassen uns vorbei. Nach ca. 2 ½ Stunden erreichen wir die Brunnsteinhütte (1.560 m). Es ist eine kleine Hütte mit einer hübschen Terrasse und einem guten Speise- und Getränkeangebot. Während wir dort sitzen, kommt auch die Wandergruppe an. „Jetzt wissen wir, warum ihr so schnell gegangen seid“, rufen sie uns zu. Sie haben den höchsten Punkt ihrer Tour und die Hälfte der Strecke erreicht. Wir haben erst ein Viertel geschafft…

Wir sind aber entschlossen, weiter Richtung Brunnsteinspitze zu gehen. Von der Hütte aus ist der Weg etwas anspruchsvoller. Es gibt einfache Abschnitte, aber auch felsige, wo man die Hände kurz zu Hilfe nehmen muss, manchmal steigt man über Baumwurzeln und es gibt auch drahtseilversicherte Passagen. Der Weg ist rot markiert, das bedeutet „mittelschwer“. Man sollte gut auf den Verlauf achten. An einer Stelle gehen wir falsch, geradeaus statt rechts herum. Plötzlich sehe ich weiter oben eine Gämse, die auf uns herunter schaut. Vielleicht ist sie verwirrt, weil die Wanderer normalerweise woanders gehen… Da wir bergauf nur noch unter Latschen hindurch robben könnten, wird uns klar, dass wir vom Weg abgekommen sind. Wir finden ihn jedoch schnell wieder. Es gibt einen Abschnitt, wo es steil geradeaus nach oben geht: zunächst ist das gut beherrschbar, aber dann wird es noch steiler und rutschig. Hier sollte man nicht versäumen, sich links herum zu wenden, denn dort ist die rot-weiße Markierung und eine drahtseilversicherte Stelle. Der Steilhang wird umgangen. Es folgen noch ein paar Kehren mit einigen Drahtseilsicherungen, dann steigt man über einen mit ein paar Holzstufen entschärften Abschnitt bis hinauf zum Brunnsteinanger. Bisher war der Gipfel rechts von uns im Nebel gewesen, nun wird die Sicht besser. Hier oben verläuft die Grenze zu Österreich. Links herum geht es zum Mittenwalder Klettersteig, rechts herum zur Brunnsteinspitze. Es ist nun nicht mehr weit. Zunächst erreicht man über einen relativ bequemen Weg die Rotwandspitze (2.190 m). Die Aussicht ist phantastisch. Ganz besonders beeindruckend ist die gegenüberliegende Pleisenspitze, aber auch die Vogelkarspitze und die Östliche Karwendelspitze (die ich gut erkenne, weil sie in unserer ursprünglichen Tourenplanung enthalten waren), sind gut zu sehen, weiter südöstlich die Ötztaler und Zillertaler Alpen. Wir können auch bis hinunter nach Scharnitz sehen. Auf einem Pfad, der unterhalb des Grates zwischen Rotwandspitze und Brunnsteinspitze (2.180 m - mit Gipfelkreuz) verläuft, geht man doch besser, als es zunächst aussieht. Am Gipfelkreuz weht ein kräftiger Wind, so dass wir uns nicht lange aufhalten und wieder zurück gehen. Erst unterhalb des Brunnsteinangers machen wir an einer geschützten Stelle Rast. Von der Hütte bis zum Gipfel haben wir 1:45 gebraucht. Obwohl wir gefühlt nur langsam vorwärts gekommen sind, waren wir doch schneller oben als ausgeschildert (2 ½ Stunden am Wegweiser).

Wir rechnen uns aus, pünktlich zum Kaffeetrinken wieder an der Brunnsteinhütte zu sein. Das Kuchenangebot habe ich mir gemerkt und somit sind wir für den Abstieg auf diesem Weg motiviert. Man kann von der Brunnsteinspitze auch über den Pürzlgrat nach Scharnitz absteigen, aber der Grat sieht gar nicht einladend aus, der Weg gilt auch als schwieriger als unserer. Während des Abstiegs finden wir den Weg gut, wir kennen ihn ja schon. Christian ist einen Moment lang unaufmerksam und stolpert über eine Wurzel – glücklicherweise ist der Steig an dieser Stelle weder schmal, noch ausgesetzt. Dies beweist aber, dass er durchaus seine Tücken hat! Kurz nach halb vier kommen wir an der Brunnsteinhütte an und können Kaffee und Kuchen genießen. Es ist sonnig geworden, aber unsere beiden Gipfel sind wieder im Nebel verschwunden. Glück haben wir gehabt!

Zweieinhalb Stunden werden wir noch bis zu unserer Ferienwohnung in Mittenwald gehen. Bis zur Wegkreuzung an der Hängebrücke geht es auf dem gleichen Steig abwärts, den wir hinauf gegangen sind. Dann wählen wir den direkten Weg nach Mittenwald, der weit vor dem Ort ins Tal führt. Von hier aus müssen wir noch ein ganzes Stück auf Asphalt gehen, was in Bergschuhen weniger angenehm ist – da war der Leitersteig die deutlich angenehmere Variante. Kurz nach 18 Uhr sind wir wieder in unserem Quartier. Aufgebrochen waren wir 8.45 Uhr. Während unserer Tour haben wir 15,3 Kilometer zurückgelegt sowie 1.250 Höhenmeter. (Foto: Rotwandspitze, dahinter die Brunnsteinspitze)

Montag, 14. September 2015

Ein paar Worte am Ruhetag

Ein unbeständiger Tag mit Gewittern ist angekündigt: darum werden wir uns heute im Ort umsehen und einen Ruhetag einlegen.

Liebe Leser, ich freue mich, dass ihr Anteil an unseren Wanderungen nehmt. Ich kann froh und dankbar sein und weiß es sehr zu schätzen, dass sich vor allem Verwandte um uns sorgen. Die neuen Medien bieten ständig neue Möglichkeiten, aber nicht jede Entwicklung muss man mitmachen. Ich habe mich ganz bewusst dazu entschlossen, nicht mehr das zweitschnellste Netz zu nutzen, sondern ein anderes, da die Nutzung deutlich preiswerter ist. Im Gegenzug muss ich mich damit abfinden, dass es nicht immer perfekt funktioniert und das Hochladen eines Fotos eine gefühlte Ewigkeit dauert. Zudem habe ich mich entschieden, mein Smartphone nur in Ausnahmefällen als solches zu nutzen. Denn würde ich das nicht tun, hätte ich dieses Gerät, das mir lieb geworden ist und noch einwandfrei funktioniert, durch ein neues ersetzen müssen. Ich bin froh, dass Christian nach langen Recherchen eine Lösung gefunden hat, wie ich mich diesem Trend noch eine Weile verweigern kann. Ich will kein neues Handy. Ich will keine neuen Funktionen erlernen, die schon überholt sein werden, ehe sie überhaupt ausgereift sind. Und ich möchte nicht, dass die Müllberge in dieser Welt noch größer werden. Wenigstens im Privatleben, wo ich entscheiden kann, was ich brauche und was nicht, kann ich zu diesem Höher-Schneller-Weiter-Irrsinn nein sagen.

Sollte ich also während dieses Urlaubs keinen aktuellen Beitrag posten, muss das nicht bedeuten, dass wir beim Wandern abgestürzt sind. Höchstwahrscheinlich habe ich gerade mal kein mobiles Internet – was aus meiner Sicht nicht so schlimm ist. Es kann aber auch gut sein, dass alles funktioniert und meine Ankündigung überflüssig ist.

Sonntag, 13. September 2015

Westliche Karwendelspitze über Dammkar

Wie Karwendel-Kenner vermutlich wissen, sind wir nicht mit der Bergbahn hinauf gefahren! Der heutige Tag verspricht noch einmal schön zu werden, und da wir von unserem Balkon zum Karwendel blicken können, reifte der Wunsch, dort hinauf zu wandern. Links herum durch den Wald, vermuten wir, gibt es bestimmt einen mäßig steilen Weg hinauf: das stimmt. Wir wandern zuerst Richtung Karwendelbahn. Vom Parkplatz an der Talstation der Bahn aus beginnen auch die Wanderwege. Zunächst geht es für beide Aufstiegsmöglichkeiten geradeaus, bis sich der Weg gabelt. Der Karwendelsteig an der Mittenwalder Hütte vorbei nach oben reizt mich: anspruchsvoll mit Drahtseilsicherungen – interessant hört sich das an. Aber wir fürchten, dazu noch nicht die richtige Kondition zu haben, denn dass der Weg sehr steil ist, weiß man, wenn man seinen ungefähren Verlauf sieht. Wir entscheiden uns für den Ochsenbodensteig zur Dammkarhütte.

Während wir in gleichmäßigen Serpentinen bergauf gehen, wird uns allmählich klar, dass wir die richtige Wahl getroffen haben. Man ist etwa 2 ½ Stunden bis zur Hütte unterwegs; an solche Aufstiege muss man sich erst einmal gewöhnen, wenn man aus dem Flachland kommt. Am Ochsenboden kann man auf einer Bank rasten. Von hier aus kann man die Dammkarhütte bereits sehen, ebenso die etwas weiter entfernte Hochlandhütte. Es geht noch einmal ein Stückchen bergab, bis dann der Weg unterhalb der Felsen verläuft. An einer Wegkreuzung folgen wir der Ausschilderung zur Dammkarhütte. Durch Latschen geht es in Serpentinen bergauf. An den Felsen sehen wir Tiere, können aber nicht erkennen, ob es sich um Gämsen oder eventuell Schafe handelt. Ein Fernrohr dabei zu haben, ist in so einem Fall nicht schlecht – unseres liegt leider in der Ferienwohnung…

An der Dammkarhütte machen wir eine Pause; man kann hier etwas trinken und eine Kleinigkeit essen. Mir ist es noch zu früh zum Essen, da ich reichlich gefrühstückt habe, aber ein großes Glas Spezi ist ein perfekter Energiespender. Wir haben das Gefühl, genau die richtige erste Hochgebirgstour in diesem Jahr gewählt zu haben. Christian hält sich erstaunlich gut; die Ferse macht noch keine Probleme. Deshalb gehen wir weiter bergauf Richtung Westliche Karwendelspitze. Die Dauer ist mit 2:55 Gehzeit angegeben, aber es muss auch möglich sein, einfach zur Seilbahn abzubiegen, ohne den Gipfel zu besteigen. Es ist ja gut, Alternativen zu haben. Der weitere Aufstieg zieht sich doch noch in die Länge. Zunächst geht es steil im Geröll bergauf. Man muss ein bisschen gucken, wo man am besten geht, aber der Geröllhang an der Zugspitze ist weitaus steiler. Dann wird der Weg wieder angenehmer. Immer geht es noch ein Stück und noch ein Stück weiter nach oben. Viele Wanderer, die uns von oben entgegen kommen, haben mit dem Abstieg zu kämpfen, vor allem, wenn sie keine Teleskopstöcke dabei haben. Wir haben den Eindruck, dass der Aufstieg leichter als der Abstieg ist. Aber es zieht sich… selbst dann, als man schon hinüber zur gegenüberliegenden Bergkette blicken kann, geht es noch weiter bergauf. Einen Eingang zum Berg mit der Aufschrift: „Bergbahn“ ignorieren wir: wir halten es für ein Gebäude zur Wartung der Anlage.

Wir gehen also weiter bergauf; der Weg ist hier durch einige Holzstufen versichert worden, die etwas Trittsicherheit im Schutt bieten. So erreichen wir die Dammkarscharte, wo ein steifer Wind bläst. Ein Wanderer, der mit uns ein Stück aufgestiegen war, kehrt um, weil er Drahtseile gesehen hat, und geht hinunter zum Tunneleingang, von wo aus man die Bergbahn erreicht. Wir wollen uns das Drahtseilstück aber ansehen; zum Absteigen haben wir eigentlich keine Lust. Von einem Paar, das dort ebenfalls unterwegs ist, erfahren wir, dass man innerhalb von fünf Minuten die Bergbahn erreicht. Das Drahtseil versichert einen kurzen ausgesetzten, etwas unwegsamen Abschnitt, der aber schnell überwunden ist. Ansonsten ist der Weg völlig harmlos. Bald sehen wir unter uns die Bergstation der Bahn – und gar nicht weit über uns ein Gipfelkreuz. Sollte das die Westliche Karwendelspitze sein? Bald entdecken wir den Wegweiser und beschließen, es zu versuchen. Reichlich 20 Minuten braucht man zum Gipfel, von der Bergbahn aus dauert es ein bisschen länger. Der Weg ist durchweg mit einem Stahlseil gesichert. Dies ist vor allem deswegen nötig, da der Fels an vielen Stellen schon sehr „abgewetzt“ und glatt ist. Aber mit entsprechender Vorsicht ist der Gipfel (2.385 m) gut zu erreichen, zumal man am Seil immer Halt findet. Die Aussicht ist natürlich wundervoll: wir sehen bis hinunter nach Mittenwald, hinunter auch zum Kranzberg, auf dem wir gestern waren, und natürlich auch hinüber zu den höheren Karwendelgipfeln: der Pleisenspitze, Birkkarspitze, Vogelkarspitze, der Östlichen Karwendelspitze… noch viele Traumgipfel locken in diesem Gebirge! Da aber immer mehr dunkle Wolken heranziehen und der Weg nach Mittenwald noch weit wäre, beschließen wir, mit der Bahn ins Tal zu fahren. Zuvor statten wir dem Riesenfernrohr einen Besuch ab und machen eine Kaffeepause im Restaurant. Eine rundum gelungene Tour, die uns einen ersten Eindruck von einem interessanten Wandergebiet vermittelt hat. 11,67 Kilometer waren wir unterwegs bei 1.862 Höhenmetern Anstieg und 542 Höhenmetern Abstieg. (Foto: Aussicht von der Westlichen Karwendelspitze)

Samstag, 12. September 2015

Von Mittenwald zum Hohen Kranzberg

Mittenwald ist unser erster Ausgangs- und Unterkunftsort während des diesjährigen Alpenurlaubs. Unser erster Eindruck bei der Ankunft war: wunderschön und von beeindruckenden Bergen umgeben! Mit jenen Bergen aber sind wir dieses Mal vorsichtig: Christian hat sich bei unserer langen Erzgebirgstour etwas an der Ferse verletzt, so dass richtig große, anstrengende Bergtouren auf ein anderes Mal verschoben werden müssen. Wir gehen es also ruhig an und sehen zu, was machbar ist und was nicht. Denn auch an Vorbereitungstouren hat es dieses Mal gefehlt.

Unser erstes Tourenziel ist der Hohe Kranzberg, 1.390 Meter hoch. Im Unterschied zu vielen anderen Gipfeln, so der benachbarten Oberen Wettersteinspitze, ist der Kranzberg eher ein Buckelchen. Aber der Aufstieg ist zeitweise durchaus steiler und die Aussicht sehr lohnend. Nach einem Bummel durch Mittenwald steigen wir hinauf bis zum Sessellift, den wir aber nicht benutzen – schließlich möchten wir an einem traumhaft sonnigen Spätsommertag ein Stück wandern. Es wird warm während des Aufstiegs: die Jacken werden bald im Rucksack verstaut. Der Wanderweg verläuft in Bögen durch den Wald, immer in Nähe des Sesselliftes, aber nicht darunter. Nur wenige Meter oberhalb der Bergstation des Sesselliftes befindet sich der Berggasthof St. Anton. Wir machen eine Pause auf der Terrasse – den Getränke-Bedarf bei dieser Tour habe ich unterschätzt. Von hier aus kann man hinunter zum Lautersee blicken, auf Wettersteinspitze und Arnspitzmassiv, aber auch auf die Karwendelwand an der gegenüberliegenden Talseite.

Als wir weiter zum Gipfel gehen, kommen wir an weiteren Aussichtspunkten vorbei. Nach einem steilen Wegabschnitt geht es wieder flacher, bis dann der letztere steilere Abschnitt bis zum Gipfel kommt. Oben angekommen, rasten wir nur kurz und wenden uns weiter nördlich auf einem schmalen Wanderweg durch den Wald Richtung Wildensee. Wenn ich hier von „schmalem Weg“ schreibe, meine ich: kein breiter Fahrweg mehr (wie bisher), aber dennoch relativ bequem zu gehen. Ich habe bei dieser Tour meine Leichtwanderschuhe getragen, keine hohen Bergschuhe. Unser Weg ist idyllisch. Lange Zeit begegnen wir niemandem und genießen die Natur.

Dieser Weg führt uns sehr weit talwärts. An einer Kreuzung gehen wir links herum auf einem breiten Fahrweg. Es gibt keine Wegmarkierung, aber unsere Karte zeigt an, dass wir nach einer Weile auf Wege zum Ferchensee treffen werden. Wir wandern ein Stück durch militärisches Übungsgelände, was nicht verboten ist. Irgendwann treffen wir den markierten Weg und folgen der Ausschilderung: Ferchensee, Lautersee, Mittenwald. Es geht noch einmal ein gutes Stück bergauf. Leider hat unser GPS-Gerät die Tour nur bis kurz unterhalb des Kranzberggipfels aufgezeichnet. Die Höhenmeter hätten uns interessiert, auch wenn die Tour insgesamt leicht war. Wir folgen der Ausschilderung zum idyllisch gelegenen Ferchensee, den wir nicht vollständig, sondern etwa zur Hälfte umrunden. Ich bedauere es, den Badeanzug in der Ferienwohnung gelassen zu haben, denn es ist warm genug zum Baden und etliche Leute sind auch im Wasser, das sehr klar und einladend aussieht. Ich gehe mit den Füßen hinein und finde es sehr angenehm.

Vom Ferchenseeaus gehen wir weiter zum Lautersee und von dort aus durchs Laintal – sehr angenehm am Wasser und später am Wasserfall entlang – zurück nach Mittenwald. Leider haben wir die Tour nicht komplett aufzeichnen können; ich nehme an, es könnten 11-12 Kilometer gewesen sein. (Foto: Ferchensee)