Donnerstag, 24. Juli 2014

23.7.14 Ehrwalder Alm - Knorrhütte, ca. 7 km

Wer im Wettersteingebirge Ferien macht, möchte natürlich gern Deutschlands höchsten Punkt erreichen: die Zugspitze. Das gesamte Areal um die Zugspitze ist von Weitem schon sichtbar und fasziniert mit seinen steilen Wänden, markanten Erhebungen und wirkt auf mich wie eine von der Natur geschaffene Festung mit Zacken und Türmen, die in den Himmel ragt – viel schöner und beeindruckender, als ein von Menschen errichtetes Werk sein kann. Menschen haben diesem Berg ihren Stempel aufgedrückt, aber davon später. Wer nicht regelmäßig im Hochgebirge unterwegs ist, besteigt einen Berg dieser Höhe besser etappenweise mit einer oder auch zwei Hüttenübernachtungen. Wir haben uns für den Weg von Ehrwald aus zur Knorrhütte entschieden: dies ist der erste Streckenabschnitt. Es ist auch der kürzere der beiden Wanderwege auf die Zugspitze. Wenn man diese Tour plant, sollte man rechtzeitig in der Hütte reservieren: sie ist in der Hauptsaison, der besten Zeit, den Gipfel zu besteigen, fast immer ausgebucht. So eine Buchung ist eine ungewisse Sache: bei unbeständigem Wetter würde ich auf eine Besteigung eher verzichten. Auf dem Weg nach oben möchte man weder von Gewittern noch heftigen Niederschlägen überrascht werden, gute Sichtverhältnisse sind ebenfalls wünschenswert. Ich habe bei der Planung riskiert, dass wir möglicherweise gar nicht auf den Gipfel kommen würden oder im schlimmsten Fall stornieren müssten. Und die beiden vergangenen Tage wären tatsächlich kaum für die Tour geeignet gewesen. Für den heutigen Tag aber bewahrheitete sich die Wetterprognose: er wurde relativ freundlich. Wir brechen am späten Vormittag von Garmisch auf und nehmen den Zug nach Ehrwald in Tirol. Am Bahnhof steigen wir in den Bus zur Ehrwalder Almbahn. Dort könnte man die Tour beginnen, aber wir beschließen, bis zur Ehrwalder Alm hinauf zu fahren. Der erste Wegabschnitt führt direkt unter der Bahn entlang und von Asphaltlauferei haben wir gerade genug: solche Streckenabschnitte sind unangenehm, wenn man sie in Bergstiefeln absolviert. Gegen 11.30 Uhr machen wir uns auf den Weg Richtung Knorrhütte, der ausgeschildert und rot-weiß markiert ist. Der Weg führt bald als Pfad bergan über Almen. Er wird zeitweise steiler, führt durch Latschenkiefern, und am Feldjöchel, wo er sich gabelt, wenden wir uns links Richtung Knorrhütte/Gatterl. Das Gatterl ist im Wanderführer als felsige und etwas ausgesetzte, mit Seilen versicherte Stelle ausgewiesen und vor allem unsere Söhne sind gespannt, was uns da erwartet. Die Seile sind hilfreich, Dank ihnen ist dieser Wegabschnitt relativ unproblematisch. Durch ein kleines Tor passieren wir wieder die Grenze nach Deutschland. Der weitere Weg führt in einem Bogen durchs Zugspitzplatt und als die Wolken die Sicht frei geben, sehen wir die Knorrhütte. Wir haben auch schöne Ausblicke ins Reintal zur Reintalangerhütte. Der Weg durchs Reintal hinauf zur Hütte ist lang, aber gewiss sehr reizvoll. Es dauert noch eine Weile, bis wir die Knorrhütte erreichen. Wir haben ziemlich genau drei Stunden Gehzeit (Pausen nicht eingerechnet) gebraucht. Von Ehrwald aus müsste man etwa eine Stunde mehr einplanen. 780 Höhenmeter Anstieg sind von der Ehrwalder Alm aus zu überwinden. Es ist immer faszinierend, in einer Hochgebirgshütte anzukommen, sich dort auf die Nacht vorzubereiten und zu wissen: man muss nicht zurück ins Tal, sondern bleibt gleich auf einer stattlichen Höhe, um am nächsten Tag weiter zu gehen.

Dienstag, 22. Juli 2014

Partnachklamm, hinauf zum Eckbauer und über Wamberg zurück nach Garmisch, 18 km

Gestern hat es hier den ganzen Tag lang geschüttet und mehr als eine Einkaufstour und ein Ortsbummel waren da nicht machbar. Heute Morgen sah es schon freundlicher aus! Wir starten am späten Vormittag und laufen entlang der Partnach auf einem Fußweg Richtung Skistadion. Der Weg zur Partnachklamm ist ausgeschildert, und es sind auch schon Leute außer uns dorthin unterwegs. Bis zum Klammeingang ist es ein Stückchen, aber wir sind schließlich nicht am Parkplatz losgegangen, sondern an unserer Ferienwohnung. Es ist schwül, aber es regnet kaum. Am Klammeingang ziehen wir wieder die Regenjacken an. Auch die Partnachklamm ist sehr beeindruckend; allerdings ist der Weg deutlich leichter begehbar als der Steig in der Höllentalklamm. Es ist nicht schlecht, eine Stirnlampe oder Taschenlampe dabei zu haben, da es an einigen Stellen in den Tunnels dunkel ist. Hier sind auch viele Familien mit Kindern unterwegs. Am Ende der Klamm angekommen, finden wir gleich den Weg zum Gasthof Eckbauer, der links den Hang hinauf führt. Es geht in bequemen Serpentinen im Wald bergauf. Der Gasthof (1.237 m) hat heute – abweichend von der Angabe auf der Homepage – geschlossen, weswegen es sich wieder einmal als richtig erweist, dass wir grundsätzlich immer eigene Verpflegung dabei haben. Wenn es irgendwo besonders nett ist, kann man trotzdem einkehren und etwas Rucksackverpflegung wieder mit nach Hause nehmen. Die hohen Berge sind wolkenverhangen, nur an einigen Stellen schimmert etwas Fels durch den Nebel. Man kann diese Tour (gut geeignet bei unsicherem Wetter) abkürzen, indem man mit der Eckbauerbahn hinunter ins Tal fährt und natürlich könnte man den Weg auch in umgekehrter Richtung gehen. Wir möchten hinunter laufen und wählen den Weg über das idyllische Bergdorf Wamberg. An sonnigen Tagen ist diese Tour sicher auch sehr aussichtsreich. Während wir absteigen, beginnt es wieder zu regnen, aber ein Unwetter bleibt uns erspart. Wir kommen etwas oberhalb unseres Ausgangspunktes in den Ort, gehen am Kainzenbad vorbei und erreichen wieder den Weg entlang der Partnach. 765 Höhenmeter haben wir im Auf- und Abstieg zurückgelegt und waren knapp fünf Stunden unterwegs. Morgen ist unser Aufstieg zur Knorrhütte geplant, wo wir auch übernachten werden; deswegen kann ich frühestens am Donnerstag Abend wieder bloggen.

Sonntag, 20. Juli 2014

20.07.14 Rund um den Eibsee

Heute ist, schon auf Grund der Wetterprognosen, eine kurze Tour angesagt. Da bereits ab Mittag Gewitter möglich sind, halten wir es nicht für gut, hinauf auf die Berge zu gehen. Vor Gewittern ist immer Respekt geboten. Außerdem ist es sehr heiß und deshalb bietet sich die Eibsee-Rundwanderung an, denn man kann im Hochsommer dort auch baden. Heute finden wir die Haltestelle des Eibsee-Busses problemlos: ein Blick auf den Ortsplan war hilfreich. Eine knappe Dreiviertelstunde ist der Bus von Garmisch aus zum See unterwegs, er verkehrt etwa stündlich. Vom Parkplatz aus, wo der Bus hält, wenden wir uns rechts herum und folgen dem Wegweiser zum Rundweg, der sieben Kilometer lang ist. Man kann den Weg aber auch genauso gut in der anderen Richtung gehen. Der Weg verläuft überwiegend unter Bäumen, was an warmen Tagen sehr angenehm ist. Man hat viele Möglichkeiten, ans Wasser zu gehen. Wir sehen Leute im Wasser und auch am Ufer: der See bietet vielen Ausflüglern Platz und es ist nirgendwo überfüllt. Mit zwei Stunden Gehzeit (ohne Pausen) sollte man bei der Umrundung rechnen. Wunderbar klar ist das Wasser und lädt zum Schwimmen ein. Wir möchten uns eine seichte Stelle suchen. Immer wieder kann man zur Zugspitze hinüber sehen, aber auch der Blick auf den blaugrünen See ist sehr reizvoll. An manchen Stellen führt der Weg leicht bergan, aber er ist breit, eben und auch kinderwagentauglich. Als wir den See schon etwa zu drei Vierteln umrundet haben, kommen wir an eine schöne Badebucht und haben Gelegenheit zum Schwimmen. Das Wasser ist herrlich erfrischend und es macht Freude, in so einem klaren See zu baden. Es hat sich eingetrübt, aber noch kann man die Zugspitze gut sehen. Als wir wieder am Strand sind, beginnt es zu donnern. Alle beeilen sich, verlassen das Wasser und streben dem Parkplatz zu. Wir wollen zunächst in der Gaststätte am See einkehren und sitzen bereits am Tisch, als wir feststellen, dass es zeitlich bis zur Abfahrt des Busses doch etwas knapp wird. Deshalb gehen wir lieber zur Haltestelle. Der Bus wird voll, denn obwohl es schließlich aufhört zu regnen, sind weitere Gewitter möglich. Die Prognosen für die nächsten beiden Tage sind weniger gut und wir halten es eher für unwahrscheinlich, morgen und übermorgen wandern zu können.

Samstag, 19. Juli 2014

19.07.14 Höllentalklamm, über Rinderscharte zurück nach Garmisch

Nichts gegen die Mittelgebirge: auch dort kann man wunderschön wandern, aber wenn man auf die Alpen zufährt: das ist nochmal etwas Anderes! Dieses Mal kamen wir zu viert nach Garmisch ins Wettersteingebirge. Am vergangenen Wochenende haben wir zu unseren Söhnen gesagt: länger als fünf, sechs Stunden werden wir in dem bevorstehenden Urlaub nicht wandern: wir gehen es ruhig an, denn schließlich waren sie eine ganze Weile nicht in den Alpen – das letzte Mal als Kinder, als man ihnen noch nicht so viel zumuten konnte. Es kam heute doch anders als geplant. Da der heutige Tag vielleicht der einzige mit hundertprozentig gutem Wetter sein würde, wählen wir eine Tour durch die Höllentalklamm. Das ist eine Strecke, die man mal gegangen sein sollte! Wir machen uns zunächst auf die Suche nach einer Haltestelle zum Bus nach Hammersbach, aber da wir schon spät dran sind, entschließen wir uns spontan, mit dem Taxi dorthin zu fahren. Eine gute Entscheidung, denn zu viert ist ein Taxi innerhalb des Ortes erschwinglich und wir kommen schnell ans Ziel. Gleich am Parkplatz entdecken wir einen Wegweiser zur Höllentalklamm und steigen durch den Wald bergauf. Bald bemerken wir, dass dies nicht der Weg ist, den unser Wanderführer beschreibt, aber egal: wir würden ja ans Ziel kommen. Auch ist der Weg durchweg gut zu gehen; bei hochsommerlichen Temperaturen ist es angenehm kühl. Der Weg mache einen leichten Rechtsbogen und schließlich kommen wir, den Wegweisern folgend, an den Eingang zur Höllentalklamm. Hier ist die Landschaft schon sehr beeindruckend. Und es wird nicht nur angenehm kühl, sondern regelrecht frisch: Regenjacken sollte man dabei haben, denn es wird auch an Sonnentagen mitunter nass von oben. Es ist eine abenteuerliche, romantische Schlucht, die einem die Kraft der Natur eindrücklich vermittelt. Am Ende der Klamm legen wir die Regenbekleidung wieder ab, denn es wird warm und in der Sonne richtig heiß. Wir folgen dem Wegweiser zur Höllentalangerhütte, die aber derzeit neu gebaut wird. Dort, wo die Hütte stand, rasten die Wanderer im Wald und am Wegesrand, ehe sie wieder aufbrechen. Man hat mehrere Möglichkeiten, weiterzugehen. Ich hatte ein wenig mit dem Aufstieg zur Riffelscharte geliebäugelt, aber als ich sehe, dass der Weg durchweg in der prallen Sonne steil am Fels hinauf geht, verwerfe ich diese Variante schnell. Wir wenden uns links herum bergauf und gehen Richtung Osterfelderkopf, denn dort gibt es die Möglichkeit, mit der Alpspitzbahn zurück nach Garmisch zu fahren. Es gibt aber auch Wege hinunter ins Tal. Unser Weg geht zunächst auf halber Höhe entlang und ist schon hier sehr aussichtsreich. An der Kreuzung, an der wir uns entscheiden müssen, ob wir weiter zum Kreuzeck gehen oder Richtung Osterfelderkopf, entscheiden wir uns für Letzteres. Nach einigen Serpentinen bergauf, 1.600 Meter hoch, wird uns allmählich klar, was wir uns vorgenommen haben: bis auf über 2.000 Meter soll es hinauf gehen! Aber es sind alle einverstanden, das anzugehen. Das schöne Wetter muss genutzt werden, und außerdem ist dies eine gute Vorbereitungstour für den geplanten Aufstieg zur Knorrhütte. Besonders gut: wir nutzen keine Bergbahn für unseren Aufstieg, das ist perfekt zur Gewöhnung an die Höhe. Es geht langsam in Kehren durch Latschenkiefern. Die Ausblicke sind einfach traumhaft: wir haben wunderbare Sicht auf Zugspitze und Höllentalferner, und allmählich kommen wir den beeindruckenden Gipfeln rings um das Höllental näher. Die wunderschöne Landschaft motiviert zum Anstieg. Mittelgebirgstouren stimmen ruhig und zufrieden; Hochgebirgstouren beflügeln! Wir gehen relativ langsam und machen viele kurze Pausen. Auf dem letzten Stück zur Scharte wird es noch einmal steiler. Technisch ist der Weg kein Problem: es geht über viele Holzstufen und relativ bequeme Bergpfade. Dennoch: an stundenlanges Auf- und Absteigen muss man sich erst einmal gewöhnen, wenn man, wie wir, aus dem Flachland kommt. An der Rinderscharte befinden wir uns zwischen Höllentalkopf und, was wir erst später sehen, der Alpspitze. Zunächst bin ich ein wenig enttäuscht, weil ich gehofft hatte, ein schönes Alpspitz-Foto zu machen, ohne es zu wissen, dass wir schon unter ihr rasten. Auch hier sind ziemlich anspruchsvolle Gipfelaufstiege möglich: auf dem Höllentalkopf sehen wir einige Leute, aber der Aufstieg ist im unteren Bereich gar nicht zu erkennen – müsste also selbst gesucht werden, weiter oben sieht man ein paar Seile im felsigen Gelände. Wir sehen auch mehrere Bergsteiger mit Kletterausrüstung. Insgesamt ein hochinteressantes Gebiet! Als wir weiter zur Alpspitzbahn gehen, kommen immer mehr Leute mit Klettersteigausrüstung von rechts, und bald sehen wir den Gipfel der Alpspitze in voller Schönheit. Ein Traum von einem Berg! Wir machen zunächst eine ausgiebige Rast auf der Terrasse des Gasthofes an der Alpspitzbahn: hier ist ein kühles Getränk einfach herrlich. Dann diskutieren wir, ob wir hinunter fahren oder gehen – und entscheiden uns einstimmig für den Fußweg, auch wenn uns klar ist, dass das noch eine Weile dauern wird. Unsere Ahnung soll uns nicht trügen! Der weitere Weg ist zunächst sehr schön: bis zum Kreuzeck geht man auf Bergpfaden und auch dort könnte man einkehren. Wir gehen weiter über Kreuzalm, Garmischer Haus, Bayernhaus und von dort aus weiter auf der Skipiste hinunter nach Garmisch. Das ist der wirklich mühsame Teil der Strecke: im Sommer ist es eine hässliche, steile Geröllpiste. Ohne gute Bergschuhe und Teleskopstöcke sollte man dort nicht hinunter gehen. Dieser Abstieg ist sehr kräftezehrend und auch nicht besonders hübsch. Da wird uns klar, warum viele Leute die Bergbahn nehmen. Aber wir haben schon so viel gesehen: Zugspitze, Alpspitze, Höllental, einen traumhaften Ausblick auf die Wettersteinwände und auch auf Garmisch. Kurz vor halb acht abends sind wir wieder im Ort. Aufgebrochen sind wir kurz nach neun Uhr morgens. Ein ausgefüllter Tag, anstrengend schon, aber dennoch – ein Geschenk! Leider kann ich weder exakte Kilometer- noch Höhenmeterangaben liefern, da in der Höllentalklamm sämtliche Technik versagt hat.

Sonntag, 29. Dezember 2013

Gipfelliste Stand 2013

GipfelHöheLageDatum der Besteigung
Chörbschhorn2.650Bündner Alpen25.08.2011
Flüela Schwarzhorn3.146Bündner Alpen26.08.2011
Geißspitze2.334Rätikon05.09.2013
Grüenhorn2.501Bündner Alpen03.09.2011, 23.09.2012
Hüreli 2.444Bündner Alpen28.08.2011
Itonskopf2.032Verwall31.08.2013
Jatzhorn2.682Bündner Alpen23.08.2011
Pischahorn2.979Bündner Alpen09.09.2012
Rätschenhorn2.703Bündner Alpen24.08.2011
Riedkopf2.552Montafon06.09.2013
Rinerhorn2.528Bündner Alpen11.09.2012
Saaser Calanda2.556Bündner Alpen24.08.2011
Schesaplana2.965Bündner Alpen (Rätikon)31.08.2011
Schneekoppe1.602Riesengebirge27.05.2009
Seehorn2.238Bündner Alpen28.08.2011
Sulzfluh2.818Bündner Alpen (Rätikon)15.09.2012, 03.09.2013
Valbellahorn2.764Bündner Alpen21.09.2012
Weißfluh2.844Bündner Alpen22.08.2011, 23.09.2012
Zamangspitze2.386Verwall26.08. und 04.09.2013
Zeit, wieder einmal die Gipfelliste zu aktualisieren! In diesem Jahr lief nicht alles nach Wunsch, dennoch waren einige schöne Touren dabei. Hier noch einmal die Fotos vom vergangenen Alpenurlaub.

Freitag, 6. September 2013

06.09.13 Von Gargellen aus zum Riedkopf



Für unsere letzte Wanderung hatten wir uns eine relativ gemütlich anmutende Halbtagestour aus dem Rother-Wanderführer „Montafon“ ausgesucht. Rein zeitlich betrachtet, hat das auch geklappt. Wir nahmen den Bus nach Gargellen ab Bahnhof Schruns und fuhren bis zur Endhaltestelle Schafbergbahn. Diese brachte uns auf 2.100 m, wo wir dem rot-weiß markierten Weg zum St.-Antönier-Joch und zum Riedkopf folgten. Der Weg führte durch eine Senke und stieg zum Joch hin wieder an. Wir erkannten linker Hand hinter der dominierenden Madrisa den Doppelgipfel der Schlappiner Spitze, wo wir im vergangenen Sommer gewandert sind. Vom St.-Antönier-Joch aus blickte man, wie der Name schon sagt, hinunter nach St. Antönien in der Schweiz, unserem Ausgangspunkt zu Rätikon-Touren während unserer Aufenthalte in Davos. Eine Wegmarkierung zum Riedkopf sahen wir plötzlich nicht mehr, aber rechts von uns ging es rot-weiß markiert über felsiges Gelände bergauf und beim Konsultieren des Wanderführers waren wir der Meinung, nur dort kann es weitergehen. Dieser rot-weiß markierte Weg ist ein alpiner Steig und aus anderer Richtung ist er auch so gekennzeichnet, nämlich mit dem Zusatz „für Geübte“. Hätten wir die mitgeführte Wanderkarte „Montafon“ genauer angesehen, wäre uns ein zweiter Weg, der etwas unterhalb des Jochs auf der anderen Seite beginnt und in weniger abschüssigem Gelände verläuft, aufgefallen. Wir gingen also auf dem Steig und standen auf einmal vor einer ausgesetzten Stelle, an der wir beinahe umgekehrt wären. Der Weg war schmal und daneben ging es senkrecht in die Tiefe. Zwei Wanderer, die nach uns kamen und die wir vorbei ließen, marschierten problemlos dadurch und ihre Sicherheit ermutigte uns, ihnen zu folgen. Wir hielten uns an den Felsen und gingen langsam weiter. Der Steig war weiterhin schmal, wechselte dann aber auf die andere Bergseite und dort war das Gelände nicht ganz so steil, so dass wir gut weitergehen konnten. An einigen Stellen mussten wir die Hände zu Hilfe nehmen, was nicht weiter schwierig ist. An der nächsten Wegkreuzung sahen wir dann den Abzweig „Leichter Weg St.-Antönier-Joch“, der ein gutes Stück unterhalb unseres Weges verlief. So hätte man die heiklen Stellen gut umgehen können. Problematisch fanden wir, dass man die Wege vom Joch aus miteinander verwechseln kann, aber vermutlich wird rot-weiß an dem alpinen Steig irgendwann durch blau-weiß ersetzt werden. Am genannten Wegkreuz zweigt der Weg ins Tal nach Gargellen ab, den wir zurück nehmen würden. Zunächst folgten wir aber dem Wegweiser zum Riedkopf „Unmarkierter Steig“. Wir wollten sehen, ob wir unser Gipfelziel erreichen können. Wir folgten deutlichen Wegspuren über einen erhöhten Vorgipfel. Hier machten wir eine Rast und ich fotografierte Schesaplana, Sulzfluh, Drusenfluh und Weißplatte – mir war also doch noch ein Rätikon-Blick vergönnt. Danach gelangten wir an Felsen, wo wir Hand anlegen mussten, um hinüber zu kommen. Erst später merkten wir, dass ein deutlich bequemerer Pfad um diesen Vorgipfel herum führt. Nach einigen kleinen Graterhebungen kamen wir an den im Wanderführer ausgewiesenen Grasrücken, der allerdings nicht besonders groß ist: das Gelände wurde gleich wieder felsiger und der Weg sehr schmal. Dieser weitere Wegverlauf und der felsige Riedkopf veranlassten mich, meinen Rucksack und einen meiner Teleskopstöcke auf dem Grasrücken zurückzulassen, was eine gute Entscheidung war, denn ich brauchte Bewegungsfreiheit und beide Hände; zum gelegentlichen Abstützen genügte ein Stock – beide wären nur hinderlich gewesen. Wir hatten das Glück, erfahrene Leute vor uns zu haben, die auf den Gipfel kletterten und denen wir folgen konnten. Der Riedkopf und der alpine Steig vom Joch aus waren durchaus eine kleine Herausforderung für uns und wir waren mitunter unschlüssig, ob wir weiter gehen würden. Die Tourenbeschreibung im Wanderführer und die Klassifizierung erscheinen mir untertrieben, aber letztlich ist so etwas Ermessenssache. Wir hielten uns nicht lange auf dem Gipfel (2.552 m) auf; schließlich hatte ich Sachen von mir zurückgelassen. Der weitere Wegverlauf über den Gargellener Alptobel und weite Almwiesen war dann sehr angenehm und aussichtsreich. Solche langen, ruhigen Abstiege von den Höhen kennen wir auch aus Davos und dieses Wegstück war nicht von Wandergruppen überlaufen. Wir genossen die Stimmung und den Blick über die schon herbstlich gefärbten Weiden. Die ersten Haufenwolken ballten sich über den Bergen; in den nächsten Tagen soll es unbeständiger werden. Als gemütlich hatten wir die Tour zum Riedkopf nicht empfunden, aber wir freuten uns, es geschafft zu haben. Wir gelangten dann – abweichend vom Wanderführer – an der Gargellener Alpe hinunter in den Ort; der Weg war entsprechend markiert. Er führte uns direkt zur Talstation der Schafbergbahn, wo bald danach unser Bus nach Schruns abfuhr. Wir sind 9,3 km gegangen, 581 Höhenmeter aufgestiegen und 1.328 Höhenmeter abgestiegen. Auch dieses Gebiet rund um Gargellen bietet herrliche Touren, von denen wir erst eine unternommen haben. Der Abschied wird uns, weil das Wetter umschlagen soll, weniger schwer fallen, aber fest steht: wir möchten wiederkommen.

Donnerstag, 5. September 2013

05.09.13 Golmer Höhenweg, Geißspitze und Latschätzer Höhenweg



Die Tour ist im Rother-Wanderführer „Montafon“ beschrieben. Am vergangenen Mittwoch haben wir diese Gipfeltour bleiben lassen und sind vom Golmer Joch aus hinunter zur Lindauer Hütte gegangen. Nebel und Nässe sind keine guten Voraussetzungen für diese Wanderung. Nun hatten wir beste Bedingungen: spätsommerliches Wetter, was mir in den Alpen am liebsten ist, und klare Sicht nach allen Himmelsrichtungen, vereinzelte Wölkchen über der anderen Talseite wirkten eher hübsch als störend. Wir fuhren mit dem Ortsbus nach Latschau und von dort aus mit der Golmerbahn bis zur Bergstation (1.892 m). Beim Aufstieg zu Latschätzkopf (2.219 m) bewunderten wir schon die Aussicht und am Gipfel angekommen, hieß es nur noch: Kamera zücken und ringsum fotografieren. Einige Gleitschirmflieger starteten und wir sollten sie noch oft sehen. Sie kamen uns zeitweise ziemlich nahe. Der Wegverlauf führte immer mal abwärts, über kleine Erhebungen und dann wieder aufwärts bis zum Kreuzjoch (2.261 m). Von dort aus blickten wir direkt zur Zimba und zur Schesaplana, der Königin des Rätikon. Nach einer kurzen Pause ging es weiter auf dem rot-weiß markierten Gratweg zum Hätaberger Joch (2.154 m). Teilweise ist der Weg recht felsig, dann wieder bequemer. Wir kamen der Geißspitze immer näher und als wir die winzigen Menschen dort auf dem Gipfelgrat sahen, hatte ich meine Zweifel, ob wir diesen Weg, von uns aus gesehen ein schmaler Pfad in abschüssigem Gelände, überhaupt gehen können. Aber zunächst gelangten wir an einen Sattel, wo wir bequem rasten konnten und eine geradezu atemberaubende Sicht auf die Drei Türme hatten. Wir konnten jemanden oben auf dem mittleren Turm erkennen und eine Gestalt war auf dem Schneefeld oberhalb des Sporatobels sichtbar. Ebenso faszinierend war der Blick hinüber zur Sulzfluh mit ihrem gewaltigen, ansteigenden Plateau und dem markanten Hauptgipfel. Aber auch die Geißspitze, unser heutiges Gipfelziel, flößte uns Respekt ein. Der Weg war dann weniger schwierig, als es von weitem aussah. Wir folgten den rot-weißen Markierungen relativ zügig bis hinauf zum Gipfel (2.334 m), den wir allerdings nach einer kurzen Foto-Pause wieder verließen, weil es dort oben von Fliegen wimmelte. Außer uns waren viele Wanderer jeden Alters unterwegs, auch Familien mit Kindern, über deren Kondition ich immer wieder staunte. Nun ging es abwärts Richtung Lindauer Hütte. Dieser Weg sieht vom Tal aus sehr anstrengend aus, aber er verläuft in relativ angenehmen, nicht allzu steilen Kehren hinunter (oder hinauf, je nachdem, wo man aufbricht). Wir gingen nicht bis zur Hütte, denn heute hatten wir ausreichend Verpflegung dabei, sondern machten uns auf dem Latschätzer Höhenweg wieder auf Richtung Bergstation Golmerbahn. Der Weg steigt leicht an, manchmal auch etwas steiler, ist aber relativ bequem zu gehen. Wir sahen Tilisuna-Schwarzhorn, Tschaggunser Mittagsspitze und noch einmal den Sulzfluh-Rachen, wo wir neulich hinunter gekommen sind. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich das letzte Mal in diesem Jahr die Sulzfluh sehen würde. Aber mit der zweiten Besteigung haben wir uns an diesem anziehenden und beeindruckenden Berg hoffentlich gesättigt; zumindest im nächsten Jahr soll es mir genügen, sie nur anzusehen. Diese Gegend hier hat noch so viel zu bieten, weswegen wir wieder kommen müssen. Zufrieden kamen wir an der Golmerbahn an und fuhren zurück ins Tal. 10,4 km sind wir gegangen, um die 950 Höhenmeter Anstieg und auch Abstieg.