Mittwoch, 23. September 2015

Zur Burgruine Werdenfels

Der Tag beginnt regnerisch und nach einem Gang durch den Ort brechen wir gegen Mittag zu einer kleinen Schlechtwetter-Tour auf. Wir gehen wieder zum Kramer-Plateauweg und wenden uns rechts, der Ausschilderung „Ruine Werdenfels“ folgend. Man geht angenehm oberhalb des Ortes durch den Wald. Nach einer reichlichen Stunde kommen wir bei der Ruine an. Es sind nicht nur beeindruckende Mauern erhalten; man sieht auch schön über das Tal zu den gegenüberliegenden Bergen, dem Hohen Fricken und dem Wank. Beide Gipfel sind ein wenig von Schnee überzuckert.

Unterhalb der Burg befindet sich eine Hütte, die auch bewirtschaftet ist, aber niemand ist in der Gaststube, weshalb wir wieder gehen. Weiter geht es durch den Wald zum Pflegersee, eher ein kleiner Waldteich. Vom See aus nehmen wir den Kellerleitensteig zurück, der oberhalb des Kramerplateauwegs am Hang verläuft. Auch dieser Weg ist sehr schön und bietet immer wieder reizvolle Ausblicke auf Garmisch und auf die verschneite Wetterstein-Wand. So beeindruckend der Schnee auf den hohen Bergen ist – wir freuen uns nicht darüber, denn wir reisen ja ins Hochgebirge, um auf solche Berge zu steigen! Leider richtet sich das Wetter nicht immer nach unseren Wünschen. Nach reichlich drei Stunden sind wir wieder in Garmisch. (Foto: Blick von der Ruine Werdenfels zum Hohen Fricken)

Dienstag, 22. September 2015

Panorama-Rundweg Wank

Heute lassen wir uns Zeit. Das Wetter soll unbeständig sein und ab dem Nachmittag wird Regen erwartet. Kurz nach 10 Uhr fahren wir mit der Seilbahn hinauf zum Wank (1.780 m). Mir gefallen besonders die kleinen, nostalgischen Kabinen. Ich fühle mich ein wenig wie im Kinderkarussell, aber die Bahn bringt uns bald in eine stattliche Höhe weit über Garmisch. Man kann natürlich auch auf den Wank wandern; mehrere Wege führen nach oben. Aber heute sparen wir uns das Steigen und die Höhenmeter. Stattdessen verlassen wir die Bergbahn und haben gleich einen beeindruckenden Blick zur Zugspitze, wo Schnee liegt. Laut Wettervorhersage kann es noch mehr Schnee geben…

Überall ballen sich dichte und auch dunkle Wolken, so dass wir eigentlich immer mit Regen und dem angekündigten Wetterumschwung rechnen. Es gibt oben einen schönen Panorama-Rundweg über Roßwank, an der Wank-Hütte vorbei zum Wank-Spix, einer kleinen Aussichtsplattform, und auf einem kurzen und bequemen Weg erreicht man auch den benachbarten Amelsberg (1.740 m), wo man ebenfalls mit schönen Ausblicken belohnt wird. Mehrere Bänke und Rastplätze laden zum Verweilen ein. Im vorigen Jahr sind wir mit unseren Söhnen auch hier gewesen, wurden aber bald durch Gewitter mit Hagel wieder vom Berg vertrieben. Heute ist es uns vergönnt, die gesamte Runde zu gehen. Wir schließen die Tour mit einer Einkehr in der Wank-Hütte ab, dann fahren wir noch vor dem Regen wieder ins Tal. Länge und Höhenmeter dieser kleinen Tour haben wir nicht aufgezeichnet. Morgen könnte es sein, dass wir nur im Ort unterwegs sind, da das Wetter schlecht werden soll. Foto: Blick vom Wank aus Richtung Zugspitze - es trübt sich ein

Montag, 21. September 2015

Von Garmisch aus zur Kramerspitz

Was wünscht man sich an einem Gipfeltag? Ausgeruht möchte man sein und voller Energie. Von wegen Ausruhen – das klappt bei mir meist nicht so gut, gerade dann nicht, wenn ich etwas vorhabe, das mir wichtig ist. Schlafstörungen sind, wie man oft hört oder liest, ein Leiden, das besonders Frauen in den mittleren Jahren betrifft. Dies ist eine Lebensphase, in der man erholsamen Schlaf besonders nötig hätte. Leider hat die Natur da was nicht gut eingerichtet. Um es kurz zu machen: von den etwa acht Stunden, die ich letzte Nacht in meinem Bett verbrachte, habe ich maximal fünf Stunden geschlafen. Das ist kein Einzelfall, sondern relativ normal. Es wäre ja nicht weiter schlimm, wenn ich trotzdem ausgeruht wäre. Leider war ich das ganz und gar nicht.

Es gibt etwas, das die nächtlichen Dämonen schnell vertreiben kann: ein morgendlicher Blick aus dem Fenster auf einen Berg, dessen Gipfel in den ersten Sonnenstrahlen glüht. Es ist der Kramer, den wir von unserem Balkon aus sehen können, einer der höheren Hausberge von Garmisch. Schon im vergangenen Sommer wollten wir ihn gern besteigen, sind aber am vorgesehenen Tag zu spät aufgebrochen. Und heute fürchte ich, dass es uns wieder so ergeht. Wir verlassen gegen neun Uhr das Haus, eigentlich wie üblich. Aber es ist heute nicht mein Tag und ich bin besorgter als sonst, dass die Zeit nicht ausreicht, um den Gipfel zu schaffen. Es ist ja wieder ein Berg, auf den keine Seilbahn fährt, mit der man notfalls abkürzen kann, und das bedeutet: circa vier Stunden reine Gehzeit hinauf und so ähnlich auch wieder hinunter. Mir fehlt die Energie, dieses Gefühl „das wird schon“. Als wir Richtung Kramer gehen, ruft uns eine ältere Frau zu, ob wir zum Gipfel wollen. „Wenn wir es schaffen“, antworte ich, heute nicht sonderlich optimistisch.

„Das schaffen Sie!“, sagt sie und irgendwie freuen wir uns darüber. Wir gehen wieder hinauf zum Kramerplateauweg, der hervorragend zum Spazierengehen, Joggen oder Nordic Walking geeignet ist. Man kann hier direkt den Kramersteig bergauf nehmen, der aber im Wanderführer als Abstieg empfohlen wird. Nachdem wir weiter Richtung Grainau gegangen sind, kommen wir an den nächsten Aufstieg zur Stepbergalm und zum Kramer, den Kreuzweg. Da wir dort im vergangenen Jahr schon hinauf gegangen sind und dies als sehr mühsam empfanden, gehen wir weiter bis zum Gelb-Gwänd-Steig, der an der nächsten Kreuzung abzweigt, wo wir gestern auch von Grainau aus heraufgekommen sind. Unserer Meinung nach ist dieser Steig sehr viel besser für den Aufstieg geeignet. Er steigt relativ gleichmäßig an, ohne wieder an Höhe zu verlieren – was beim Kreuzweg öfter der Fall ist, und führt auch so direkt wie möglich zur Stepbergalm. Gegen 11.40 Uhr sind wir oben und freuen uns, dass es relativ gut und zügig ging.

Wie wir bereits gestern gelesen haben, ist die Stepbergalm noch bewirtschaftet und wir machen eine kurze Rast mit kühlen Getränken. Das Wetter ist traumhaft: der Himmel ist ganz klar und blau, nur vereinzelt steigt noch Dunst aus den Tälern auf. Ganz deutlich sind Zugspitze, Alpspitze und die Wettersteinwand zu sehen, an einigen schattigen Stellen mit Schnee überzuckert. Darunter der Wald, der sich bereits herbstlich färbt – ein wunderschöner Anblick!

Unsere Pause dauert nicht sehr lange – wir fühlen uns immer noch ein wenig unter Zeitdruck. Der Kramersteig beginnt oberhalb der Stepbergalm. Es geht relativ direkt und zeitweise auch recht steil nach oben, zunächst über Wiesen, dann durch Latschen, wo mehr Geröll liegt. Von einem Aussichtspunkt an führt der Weg eine Weile an einem Bergrücken entlang, ohne dass es nennenswert bergauf geht. Am Ende wird es steiler und man kann auch den Gipfel sehen. Zunächst wirkt er auf mich ziemlich ausgesetzt und ich weiß nicht, ob ich dort hinauf möchte. Bei solchen Überlegungen hilft am besten der Vorsatz: gehen, solange man es sich zutraut, und notfalls umkehren, auch wenn man das ungern tut. An einigen abschüssigen und etwas ausgesetzten Stellen bin ich ängstlicher als sonst. In dieser Hinsicht kann die Tagesform enorme Unterschiede bewirken.

Aber ein paar Seilsicherungen helfen über die steilsten Abschnitte hinauf. Gegen 13 Uhr sind wir auf dem Gipfel - mit uns einige andere Wanderer, und alle genießen die traumhafte Aussicht. Da hat der Wanderführer wahrlich nicht übertrieben: der Kramer (1.985 m) ist ein wunderbarer Aussichtsgipfel! Man kann den Kramersteig weiter bis hinunter nach Garmisch gehen, aber da er laut Wanderführer stellenweise schlechter sein soll als unser Aufstieg, entscheiden wir uns, wieder zur Stepbergalm abzusteigen. Ich habe keine Lust auf Experimente, ob der Steig möglicherweise zu steil, zu ausgesetzt und zu bröselig ist … außerdem sind meine Beinmuskeln beleidigt, die sich erst gestern früh einigermaßen von unserer langen Tour zur Arnspitze erholt hatten und tagsüber schon wieder strapaziert worden waren. Ein sehr gewichtiger Grund, diesen Weg zu wählen, ist aber auch die Möglichkeit, an der Stepbergalm Kaffeepause zu machen.

Ich bin sehr froh, meine Stöcke dabei zu haben! So ist der Abstieg nicht ganz so strapaziös. Mir fehlen tatsächlich die längeren Vorbereitungstouren, die wir in diesem Jahr aus verschiedenen Gründen nicht machen konnten. Ein wenig fühlte ich mich wie eine Oma – die ich ja tatsächlich auch bin. An der Stepbergalm genießen wir Kaffee und frischen Apfelstrudel: beides ist vorzüglich, ebenso wie die Aussicht von der Terrasse auf Zugspitze und Alpspitze. Nachdem wir uns gestärkt haben, gehen wir den Kreuzweg hinunter. Dieser Weg hat auch unseren Söhnen sehr zu schaffen gemacht. Wir stellen wieder fest, dass er deutlich anstrengender zu gehen und weitaus öfter in der Sonne ist als der Gelb-Gwänd-Steig. Wunderschön ist das intensive herbstliche Licht, das die Berge ringsum erleuchtet. Nach reichlich acht Stunden sind wir wieder in Garmisch, sind 21 Kilometer gewandert bei 1.641 Höhenmetern Anstieg und 1.687 Höhenmetern Abstieg.

Sonntag, 20. September 2015

Rund um den Eibsee, über Grainau zurück nach Garmisch

Der Tag beginnt regnerisch, gegen Mittag soll es freundlicher werden. Die hohen Berge sind komplett im Nebel, so dass man da nicht hinauf muss. Nachdem ich einen Artikel über die Zugspitzbahn las, habe ich Lust, mit ihr zu fahren, und die passende Wanderung für einen solchen Tag ist auch gefunden. Wir lösen also Fahrkarten bis zum Eibsee und von dort aus möchten wir nach Garmisch zurücklaufen. Da sie so gut mit Zahnradbahn und Seilbahnen zu erreichen ist, bildet die Zugspitze eine Ausnahme: auch an einem regnerischen Sonntag wollen unzählige Touristen hinauf. Bleibt man oben in dem umzäunten Bereich, ist man auch keinen alpinen Gefahren ausgesetzt. Ob es wirklich lohnt, für einen Aufenthalt mit höchstwahrscheinlich schlechter Sicht die stattlichen Preise zu zahlen, muss jeder für sich entscheiden.

Wir wandern an solchen Tagen lieber unterhalb der Baumgrenze. Am Eibsee angekommen, entschließen wir uns, zuerst den Rundweg zu gehen. Der See ist einfach zu schön, um ihn links liegen zu lassen! Irgendwie unterschätzen wir komplett unsere heutige Wanderung, denn wir halten es beide nicht für sinnvoll, GPS einzuschalten, um sie aufzuzeichnen. Etliche Wanderer und Spaziergänger haben wohl den gleichen Gedanken wie wir: der Weg um den See ist gut frequentiert.

Bereits im vergangenen Sommer sind wir den Rundweg gegangen, damals mit zwei Söhnen, und an jenem Tag konnten wir sogar baden. Dazu hat heute niemand Lust. Aber der See ist auch an einem trüben Tag eine Augenweide: in Grün- und Blautönen schimmernd, liegt er vor uns wie ein Juwel. Die Nebelschwaden, die am gegenüberliegenden Ufer aufsteigen, wirken stimmungsvoll.

Das Wetter wird besser, aber es gibt immer wieder kurze Schauer. Die Sicht bessert sich auch, Richtung Zugspitze kann man stellenweise Schnee erkennen. Der Gipfel, den wir aber nicht zu sehen bekommen, ist sicher überzuckert.

Der Rundweg um den Eibsee ist sieben Kilometer lang. Wir lassen uns Zeit und benötigen zweieinhalb Stunden. Den Weg zurück nach Garmisch unterschätzen wir auch. An der Haltestelle der Zugspitzbahn befindet sich ein Wegweiser nach Grainau, dem wir folgen, erst ein Stück an der Straße entlang, dann durch den Wald. In Obergrainau folgen wir dem Wegweiser: Panoramaweg, Höhenrainweg, Untergrainau. Es sind durchweg breite, bequeme Wege, die man getrost in Halbschuhen gehen kann. Wegen des regnerischen Wetters tragen wir allerdings Bergschuhe.

Der Höhenrainweg führt über eine Kuhweide, an der ein Warnschild „Betreten auf eigene Gefahr“ angebracht ist. Es sind auch Kühe dort. In der Schweiz und in Österreich mussten wir schon oft über Viehweiden gehen, aber inzwischen haben sich Meldungen von schlimmen Unfällen gehäuft und wir sind demzufolge etwas ängstlicher als früher. An einer Kreuzung entscheiden wir uns für einen Weg, der von der Weide weg ins Tal führt. Der Höhenrainweg hätte uns ganz dicht an den Kühen vorbei geführt. Mich ärgert es, dass es sich manche Bauern so leicht machen: Warnschild aufhängen und gut ist.

Nun sind wir etwas früher in der Nähe der Loisach als geplant. Zum Glück gibt es einen Rad- und Fußweg neben der Straße, dem wir bis zum Ortseingang von Grainau folgen. Dort gibt es einen Hinweis zum Kramerplateauweg, den wir treffen und bis nach Garmisch gehen möchten. Ca. 800 Meter müssen wir am Straßenrand entlang gehen, ehe der Weg links abzweigt. Den Kramerplateauweg erreicht man relativ leicht über bequeme Serpentinen, die ein Stück bergauf führen. Ist man einmal auf dem Weg angekommen, muss man kaum noch Höhenunterschiede überwinden und gelangt bequem nach Garmisch. Die vier Kilometer oben am Hang entlang sind angenehm zu gehen. Es gibt mehrere Wege, die hinunter in den Ort führen; man kann sich den passenden aussuchen. Ich bin froh, als wir nach 3 ½ Stunden (vom Eibsee aus gerechnet) in unserer Ferienwohnung ankommen. Insgesamt waren wir schätzungsweise zwischen 19 und 20 Kilometer unterwegs.

Samstag, 19. September 2015

Wir sind heute wie geplant nach Garmisch umgezogen, deshalb auch kein Tourenbericht. Wenn das Wetter es zulässt (es soll regnerisch werden), gibt es (hoffentlich) morgen wieder einen kleinen Bericht.

Freitag, 18. September 2015

Leutascher Geisterklamm

Nach der gestrigen langen Tour und wegen der Unbeständigkeit des Wetters ist wieder ein ruhiger Tag geplant. Ideal an solchen Tagen ist eine Wanderung in und um die Leutascher Geisterklamm. Am Vormittag klart es auf und die Sonne scheint sogar richtig warm. Heute nun können wir den Wasserfall-Steig bis zum wirklich imposanten Wasserfall gehen. Dieser Weg, wo man dem Wasser recht nahe ist, ist allerdings nur kurz. Dann kehrt man wieder um und kann vom Eingang aus zu einer der beiden Rundtouren oberhalb der Klamm aufbrechen.

Am Montag hatten wir die kurze Runde gemacht, heute wollen wir nun die große Runde gehen. Es ist ziemlich viel los auf dem Klammsteig: ganze Wandergruppen sind unterwegs. Man geht weit oberhalb der Klamm auf Metallbrücken und –Treppen entlang und hat imposante Tiefblicke. In der Klamm soll der Sage nach ein Geist leben. Der Lehrpfad am Klammsteig verknüpft die Sage mit der Entstehung und Erschließung der Klamm. Wir gehen weiter bis nach Leutasch, wo es nicht viel zu sehen gibt. Einige Wanderwege beginnen hier, so der Franzosensteig und ein weiterer Weg zur Arnspitze, auf der wir gestern waren. Eine anstrengende Tour kommt aber nicht in Frage. Heute gehen wir es ruhig an: die Beine brauchen etwas Schonung, wir genießen die ruhige kleine Wanderung und kehren in Leutasch im Gasthof „Klammgeist“ ein. Es gibt frische Forellen mit viel Knoblauch – heute ist also Verwöhnen angesagt. Ein sehr uriges, empfehlenswertes Restaurant!

Nach dem Essen gehen wir zurück nach Mittenwald. Es hat sich bereits eingetrübt, die hohen Berge sind im Nebel verschwunden, aber erst am Abend regnet es. Die Klamm ist zu Fuß erreichbar, auch ein Spaziergang hierher lohnt. Wir waren insgesamt 14 Kilometer unterwegs, ein paar Höhenunterschiede haben wir auch überwunden, aber nicht von der Art, dass wir sie hier erwähnen müssen. :-)

Donnerstag, 17. September 2015

Von Scharnitz auf die Große Arnspitze, Abstieg nach Mittenwald

Gestern haben wir eine ruhige Wanderung unternommen. Nicht nur deswegen, weil uns der Aufstieg zur Brunnsteinspitze gefordert hat. Ich hatte auch das Gefühl, dass uns die Tour zur Großen Arnspitze einiges abverlangen würde. Im Karwendel hat man eigentlich nur die Wahl zwischen sehr leichten und sehr anstrengenden Touren, denn es gibt kaum Bergbahnen, die einem den Weg nach ganz oben erleichtern.

Wir brechen wieder 8.45 Uhr auf. Der Zug nach Scharnitz hat irgendwelche Probleme… wir weichen kurzentschlossen auf den Linienbus aus, der 9.03 Uhr abfährt. Zehn Minuten später sind wir in Scharnitz. Am nördlichen Ortsende folgen wir dem Weg zur Porta Claudia, einer Burgruine oberhalb des Ortes. Hier geht es auch entlang zur Großen Arnspitze. Ich hatte die Porta Claudia für eine römische Anlage gehalten, denn die Römer haben die Alpen zwischen Mittenwald und Partenkirchen durchquert. Aber nein: die Festung entstand später. Die Ruinen sind beeindruckend und wir erreichen bald die Obere Festung. Hier stellen wir fest, dass wir wieder bergab gehen müssen, um den Weg zur Großen Arnspitze zu treffen. Ein Stück gehen wir über einen wegen Forstarbeiten gesperrten Steig: Glücklicherweise wird gerade nicht gearbeitet und wir treffen bald den markierten Wanderweg zur Arnspitze.

Auf einem Forstweg gehen wir ein ganzes Stück bergauf; dann wird der Weg schmaler und steiler und wir achten gut auf die Markierungen, da dieser Weg wenig begangen wird. Aber irgendwann befinden wir uns an einem ziemlich steilen Hang mitten im Wald und sehen keine Markierung mehr. Ringsum befinden sich mehrere umgestürzte Bäume: wir nehmen an, dass ein, zwei Markierungen verloren gingen. Das genügt schon, um den Weg zu verfehlen…

Christian schaut immer wieder auf die gespeicherte Wanderkarte und versichert, dass wir uns nur wenige Meter vom Wanderweg entfernt haben. Tatsächlich sehen wir keinen Weg mehr, nur vereinzelte Trittspuren, und das Gelände wird zunehmend unzugänglich. Was bleibt uns übrig, als uns irgendwie durchzuschlagen (hoffentlich zum Wanderweg), aber zunächst einfach dort, wo das Gelände zu begehen ist? Wir hangeln uns von Steinen im Hang zu Baumwurzeln, prüfen deren Halt, graben uns Griffe frei. Zeitweise wird mir sehr mulmig, weil ich spüre, dass mich am steilen Hang die Kräfte verlassen.

Plötzlich sieht Christian eine Gämse vor sich und macht mich darauf aufmerksam. Ich antworte, dass mir das gerade ziemlich egal ist, weil ich Mühe habe, mich überhaupt am Hang festzuhalten. Gämse ungewöhnlich nahe heißt wohl: Weg verfehlt! Weiter oben ist das Gelände flacher und man kann normal aufsteigen. Wir sehen schon die Arnspitze und haben das Gefühl, weiter nach rechts gehen zu müssen. Wieder treffen wir auf Fußspuren und gelangen auf einen locker bewachsenen Hang. Weiter oben sehen wir Felsen: dort müsste man hinauf kommen.

Über einen nur undeutlichen Pfad steigen wir auf, orientieren uns nur nach Gefühl. Plötzlich muss ich jubeln, denn ich stoße auf den markierten Wanderweg! Erleichtert folgen wir ihm und schwören, die Markierungen nie mehr zu verlieren. Es dauert noch eine ganze Weile, bis wir an der Arnspitzhütte, einer Selbstversorger-Notunterkunft, ankommen. Unser Ziel, die Große Arnspitze, können wir schon gut sehen. Hier machen wir eine kurze Essens- und Trinkpause. Den Weg von Scharnitz aus möchte ich derzeit nicht empfehlen, es sei denn, man kennt ihn schon. Aber wir sind stolz, dennoch „durchgekommen“ zu sein!

Von der Arnspitzhütte aus gehen wir weiter Richtung Gipfel: zunächst vom Sattel aus in Serpentinen bergauf. Dann wird es abschnittsweise steiler und wir müssen die Hände zu Hilfe nehmen. Ob wir uns wieder herunter trauen werden? Ganz sicher, mit Ruhe und Vorsicht werden wir das packen. Die Rinne, in der wir laut Wanderführer aufsteigen müssen, ist zeitweise recht steil. Gut, dass es überall griffige Felsen gibt, wo man sich halten kann! Endlich fehlen uns nur noch wenige Meter zum Gipfel und diese sind recht gut zu bewältigen. Immer den Markierungen folgen, dann klappt das! Kurz nach halb drei stehen wir oben (2.196 m). Ich mache nur ein Foto von uns beiden, dann steigen wir wieder ab. Das Gipfelkreuz, zu dem man abklettern und wieder aufsteigen müsste, sparen wir uns. Wir haben es geschafft, nur das zählt.

Ein Bergsteiger kommt uns unterhalb des Gipfels entgegen. Er wird uns bald wieder einholen… Kurz nach drei Uhr sind wir wieder am Sattel angelangt. Der andere Bergsteiger ruft uns zu: nun schnell nach unten vor dem Regen! Wir nehmen das noch gar nicht richtig ernst, freuen wir uns doch über den leichteren Abstieg nach Mittenwald. Dieser „leichte“ Abstieg unterhalb der Achterköpfe, über Riedberg und Riedbergscharte hat es doch in sich – und ist recht lang. Unterhalb der Achterköpfe gibt es mehrere wirklich unwegsame und ausgesetzte Stellen. Während wir sie passieren, sehen wir den Nebel, der vom Tal aus höher steigt. Kaum sind wir an den gefährlichen Stellen vorbei, befinden wir uns im Nebel und der Wind wird stürmisch.

Der Weg nach Mittenwald ist lang, aber sehr gut markiert: selbst im Nebel findet man den Steig. Wir sind froh, die Latschen zu erreichen, denn es wird immer unfreundlicher. Dass ein Wetterumschwung schneller kommt, sollte man nicht ausschließen… Bei schönem Wetter ist dieser Wegabschnitt sicher wunderschön. Ist es aber nebelig und der Wind reißt an den Latschen, will man nur noch hinunter.

Wir gehen noch mehrere Stunden im Wald bergab. Zum Glück wird es noch nicht so schnell dunkel, aber wir beeilen uns trotzdem, machen nur noch kurze Trinkpausen und gehen, so gut und so schnell es geht Richtung Mittenwald. Im Wald gibt es immer wieder auch steile, unwegsame Abschnitte, die man bei Dunkelheit nicht unbedingt bewältigen möchte! Endlich gelangen wir unterhalb des Gasthofs „Gletscherschliff“ ins Tal. Diesen Weg kennen wir schon. Es hat nun kräftig zu regnen begonnen. Aber die letzten Kilometer zur Ferienwohnung schaffen wir auch noch, zumal der Weg nun leicht zu gehen ist. Diese Tour war grenzwertig. Wir haben das Gefühl, uns nun als Bergwanderer für anspruchsvolle Touren qualifiziert zu haben. Und wir hatten Glück, es noch gut ins Tal geschafft zu haben! Ganz besonders stolz sind wir darauf, den langen Querfeldein-Marsch geschafft zu haben. Nur mit dieser Erfahrung haben wir uns überhaupt an den Gipfel der Arnspitze getraut.

Es war eine lange, anstrengende Bergtour: 19,8 Kilometer waren wir unterwegs bei 1.800 Höhenmetern Anstieg und 1.795 Höhenmetern Abstieg. Insgesamt waren wir ca. 10 Stunden unterwegs mit nur wenigen Verpflegungspausen. Was bin ich froh, durch den Ausdauersport ein bisschen trainiert zu sein! Männer sind doch generell etwas härter im Nehmen. Aber wir sind gut wieder in Mittenwald angekommen: so muss es sein! (Oberes Foto: Blick zur Großen Arnspitze vom Leitersteig; Unteres Foto: Wir am Gipfel :-))