Sonntag, 13. September 2015

Westliche Karwendelspitze über Dammkar

Wie Karwendel-Kenner vermutlich wissen, sind wir nicht mit der Bergbahn hinauf gefahren! Der heutige Tag verspricht noch einmal schön zu werden, und da wir von unserem Balkon zum Karwendel blicken können, reifte der Wunsch, dort hinauf zu wandern. Links herum durch den Wald, vermuten wir, gibt es bestimmt einen mäßig steilen Weg hinauf: das stimmt. Wir wandern zuerst Richtung Karwendelbahn. Vom Parkplatz an der Talstation der Bahn aus beginnen auch die Wanderwege. Zunächst geht es für beide Aufstiegsmöglichkeiten geradeaus, bis sich der Weg gabelt. Der Karwendelsteig an der Mittenwalder Hütte vorbei nach oben reizt mich: anspruchsvoll mit Drahtseilsicherungen – interessant hört sich das an. Aber wir fürchten, dazu noch nicht die richtige Kondition zu haben, denn dass der Weg sehr steil ist, weiß man, wenn man seinen ungefähren Verlauf sieht. Wir entscheiden uns für den Ochsenbodensteig zur Dammkarhütte.

Während wir in gleichmäßigen Serpentinen bergauf gehen, wird uns allmählich klar, dass wir die richtige Wahl getroffen haben. Man ist etwa 2 ½ Stunden bis zur Hütte unterwegs; an solche Aufstiege muss man sich erst einmal gewöhnen, wenn man aus dem Flachland kommt. Am Ochsenboden kann man auf einer Bank rasten. Von hier aus kann man die Dammkarhütte bereits sehen, ebenso die etwas weiter entfernte Hochlandhütte. Es geht noch einmal ein Stückchen bergab, bis dann der Weg unterhalb der Felsen verläuft. An einer Wegkreuzung folgen wir der Ausschilderung zur Dammkarhütte. Durch Latschen geht es in Serpentinen bergauf. An den Felsen sehen wir Tiere, können aber nicht erkennen, ob es sich um Gämsen oder eventuell Schafe handelt. Ein Fernrohr dabei zu haben, ist in so einem Fall nicht schlecht – unseres liegt leider in der Ferienwohnung…

An der Dammkarhütte machen wir eine Pause; man kann hier etwas trinken und eine Kleinigkeit essen. Mir ist es noch zu früh zum Essen, da ich reichlich gefrühstückt habe, aber ein großes Glas Spezi ist ein perfekter Energiespender. Wir haben das Gefühl, genau die richtige erste Hochgebirgstour in diesem Jahr gewählt zu haben. Christian hält sich erstaunlich gut; die Ferse macht noch keine Probleme. Deshalb gehen wir weiter bergauf Richtung Westliche Karwendelspitze. Die Dauer ist mit 2:55 Gehzeit angegeben, aber es muss auch möglich sein, einfach zur Seilbahn abzubiegen, ohne den Gipfel zu besteigen. Es ist ja gut, Alternativen zu haben. Der weitere Aufstieg zieht sich doch noch in die Länge. Zunächst geht es steil im Geröll bergauf. Man muss ein bisschen gucken, wo man am besten geht, aber der Geröllhang an der Zugspitze ist weitaus steiler. Dann wird der Weg wieder angenehmer. Immer geht es noch ein Stück und noch ein Stück weiter nach oben. Viele Wanderer, die uns von oben entgegen kommen, haben mit dem Abstieg zu kämpfen, vor allem, wenn sie keine Teleskopstöcke dabei haben. Wir haben den Eindruck, dass der Aufstieg leichter als der Abstieg ist. Aber es zieht sich… selbst dann, als man schon hinüber zur gegenüberliegenden Bergkette blicken kann, geht es noch weiter bergauf. Einen Eingang zum Berg mit der Aufschrift: „Bergbahn“ ignorieren wir: wir halten es für ein Gebäude zur Wartung der Anlage.

Wir gehen also weiter bergauf; der Weg ist hier durch einige Holzstufen versichert worden, die etwas Trittsicherheit im Schutt bieten. So erreichen wir die Dammkarscharte, wo ein steifer Wind bläst. Ein Wanderer, der mit uns ein Stück aufgestiegen war, kehrt um, weil er Drahtseile gesehen hat, und geht hinunter zum Tunneleingang, von wo aus man die Bergbahn erreicht. Wir wollen uns das Drahtseilstück aber ansehen; zum Absteigen haben wir eigentlich keine Lust. Von einem Paar, das dort ebenfalls unterwegs ist, erfahren wir, dass man innerhalb von fünf Minuten die Bergbahn erreicht. Das Drahtseil versichert einen kurzen ausgesetzten, etwas unwegsamen Abschnitt, der aber schnell überwunden ist. Ansonsten ist der Weg völlig harmlos. Bald sehen wir unter uns die Bergstation der Bahn – und gar nicht weit über uns ein Gipfelkreuz. Sollte das die Westliche Karwendelspitze sein? Bald entdecken wir den Wegweiser und beschließen, es zu versuchen. Reichlich 20 Minuten braucht man zum Gipfel, von der Bergbahn aus dauert es ein bisschen länger. Der Weg ist durchweg mit einem Stahlseil gesichert. Dies ist vor allem deswegen nötig, da der Fels an vielen Stellen schon sehr „abgewetzt“ und glatt ist. Aber mit entsprechender Vorsicht ist der Gipfel (2.385 m) gut zu erreichen, zumal man am Seil immer Halt findet. Die Aussicht ist natürlich wundervoll: wir sehen bis hinunter nach Mittenwald, hinunter auch zum Kranzberg, auf dem wir gestern waren, und natürlich auch hinüber zu den höheren Karwendelgipfeln: der Pleisenspitze, Birkkarspitze, Vogelkarspitze, der Östlichen Karwendelspitze… noch viele Traumgipfel locken in diesem Gebirge! Da aber immer mehr dunkle Wolken heranziehen und der Weg nach Mittenwald noch weit wäre, beschließen wir, mit der Bahn ins Tal zu fahren. Zuvor statten wir dem Riesenfernrohr einen Besuch ab und machen eine Kaffeepause im Restaurant. Eine rundum gelungene Tour, die uns einen ersten Eindruck von einem interessanten Wandergebiet vermittelt hat. 11,67 Kilometer waren wir unterwegs bei 1.862 Höhenmetern Anstieg und 542 Höhenmetern Abstieg. (Foto: Aussicht von der Westlichen Karwendelspitze)

Samstag, 12. September 2015

Von Mittenwald zum Hohen Kranzberg

Mittenwald ist unser erster Ausgangs- und Unterkunftsort während des diesjährigen Alpenurlaubs. Unser erster Eindruck bei der Ankunft war: wunderschön und von beeindruckenden Bergen umgeben! Mit jenen Bergen aber sind wir dieses Mal vorsichtig: Christian hat sich bei unserer langen Erzgebirgstour etwas an der Ferse verletzt, so dass richtig große, anstrengende Bergtouren auf ein anderes Mal verschoben werden müssen. Wir gehen es also ruhig an und sehen zu, was machbar ist und was nicht. Denn auch an Vorbereitungstouren hat es dieses Mal gefehlt.

Unser erstes Tourenziel ist der Hohe Kranzberg, 1.390 Meter hoch. Im Unterschied zu vielen anderen Gipfeln, so der benachbarten Oberen Wettersteinspitze, ist der Kranzberg eher ein Buckelchen. Aber der Aufstieg ist zeitweise durchaus steiler und die Aussicht sehr lohnend. Nach einem Bummel durch Mittenwald steigen wir hinauf bis zum Sessellift, den wir aber nicht benutzen – schließlich möchten wir an einem traumhaft sonnigen Spätsommertag ein Stück wandern. Es wird warm während des Aufstiegs: die Jacken werden bald im Rucksack verstaut. Der Wanderweg verläuft in Bögen durch den Wald, immer in Nähe des Sesselliftes, aber nicht darunter. Nur wenige Meter oberhalb der Bergstation des Sesselliftes befindet sich der Berggasthof St. Anton. Wir machen eine Pause auf der Terrasse – den Getränke-Bedarf bei dieser Tour habe ich unterschätzt. Von hier aus kann man hinunter zum Lautersee blicken, auf Wettersteinspitze und Arnspitzmassiv, aber auch auf die Karwendelwand an der gegenüberliegenden Talseite.

Als wir weiter zum Gipfel gehen, kommen wir an weiteren Aussichtspunkten vorbei. Nach einem steilen Wegabschnitt geht es wieder flacher, bis dann der letztere steilere Abschnitt bis zum Gipfel kommt. Oben angekommen, rasten wir nur kurz und wenden uns weiter nördlich auf einem schmalen Wanderweg durch den Wald Richtung Wildensee. Wenn ich hier von „schmalem Weg“ schreibe, meine ich: kein breiter Fahrweg mehr (wie bisher), aber dennoch relativ bequem zu gehen. Ich habe bei dieser Tour meine Leichtwanderschuhe getragen, keine hohen Bergschuhe. Unser Weg ist idyllisch. Lange Zeit begegnen wir niemandem und genießen die Natur.

Dieser Weg führt uns sehr weit talwärts. An einer Kreuzung gehen wir links herum auf einem breiten Fahrweg. Es gibt keine Wegmarkierung, aber unsere Karte zeigt an, dass wir nach einer Weile auf Wege zum Ferchensee treffen werden. Wir wandern ein Stück durch militärisches Übungsgelände, was nicht verboten ist. Irgendwann treffen wir den markierten Weg und folgen der Ausschilderung: Ferchensee, Lautersee, Mittenwald. Es geht noch einmal ein gutes Stück bergauf. Leider hat unser GPS-Gerät die Tour nur bis kurz unterhalb des Kranzberggipfels aufgezeichnet. Die Höhenmeter hätten uns interessiert, auch wenn die Tour insgesamt leicht war. Wir folgen der Ausschilderung zum idyllisch gelegenen Ferchensee, den wir nicht vollständig, sondern etwa zur Hälfte umrunden. Ich bedauere es, den Badeanzug in der Ferienwohnung gelassen zu haben, denn es ist warm genug zum Baden und etliche Leute sind auch im Wasser, das sehr klar und einladend aussieht. Ich gehe mit den Füßen hinein und finde es sehr angenehm.

Vom Ferchenseeaus gehen wir weiter zum Lautersee und von dort aus durchs Laintal – sehr angenehm am Wasser und später am Wasserfall entlang – zurück nach Mittenwald. Leider haben wir die Tour nicht komplett aufzeichnen können; ich nehme an, es könnten 11-12 Kilometer gewesen sein. (Foto: Ferchensee)

Freitag, 16. Januar 2015

Bergsehnsucht

Gipfelliste Stand 2014

GipfelHöheLageDatum der Besteigung
Schneekoppe1.602Riesengebirge27.05.2009
Jatzhorn2.682Bündner Alpen23.08.2011
Rätschenhorn2.703Bündner Alpen24.08.2011
Saaser Calanda2.556Bündner Alpen24.08.2011
Chörbschhorn2.650Bündner Alpen25.08.2011
Flüela Schwarzhorn3.146Bündner Alpen26.08.2011
Hüreli 2.444Bündner Alpen28.08.2011
Seehorn2.238Bündner Alpen28.08.2011
Schesaplana2.965Bündner Alpen (Rätikon)31.08.2011
Pischahorn2.979Bündner Alpen09.09.2012
Rinerhorn2.528Bündner Alpen11.09.2012
Valbellahorn2.764Bündner Alpen21.09.2012
Itonskopf2.032Verwall31.08.2013
Geißspitze2.334Rätikon05.09.2013
Riedkopf2.552Montafon06.09.2013
Osterfelderkopf2.057Wettersteingebirge19.07.2014
Zugspitze2.962Wettersteingebirge24.07.2014
Oberrothorn3.414Walliser Alpen16.09.2014
Unterrothorn3.104Walliser Alpen16.09.2014
Platthorn3.345Walliser Alpen20.09.2014
Breithorn4.171Walliser Alpen22.09.2014
Grüenhorn2.501Bündner Alpen03.09.2011, 23.09.2012
Sulzfluh2.818Bündner Alpen (Rätikon)15.09.2012, 03.09.2013
Weißfluh2.844Bündner Alpen22.08.2011, 23.09.2012
Zamangspitze2.386Verwall26.08. und 04.09.2013
Ich hatte gehofft, hier noch den Pico de Arieiro auf Madeira hinzufügen zu können. Aber da uns der Bus bis wenige Meter unter den Gipfel fuhr, zählt der nicht - trotz der wundervollen Aussicht auf lohnende Wanderwege, die zu begehen ein Wunsch für später bleibt. Das Breithorn haben wir mit Hilfe eines Bergführers bestiegen, aber hoch gegangen sind wir selbst. Die Höhenangabe war die des Bergführers; wie bei anderen vergletscherten Gipfeln variiert sie.

Dienstag, 23. September 2014

Gornergrat-Gornergletscher-Rotenboden-Riffelalp-Gletschertor-Furi

Prächtiges Wetter lockte zu einer Abschlusstour. Es begann wie an unserem ersten Urlaubstag mit einer Fahrt hinauf zum Gornergrat. Das Wetter war noch besser als am Sonntag unserer Ankunft geworden: klare Sicht nach allen Seiten. Es lag aber mehr Schnee auf den hohen Bergen, und gerade am Morgen war es ziemlich kalt: 3 Grad heute früh auf unserer Terrasse! Aber bereits auf dem Gornergrat wärmte die Sonne. Wir hatten die gemächliche Auffahrt mit der Zahnradbahn genossen und freuten uns auf die heutige Panoramatour. Die Sicht auf das Matterhorn war einfach traumhaft. Wir sollten heute noch mehrere wunderschöne Ausblicke haben!

Am Gornergrat wimmelte es bereits von Touristen. Wir verließen zügig die Aussichtsplattformen und gingen ein Stück Richtung Hohtälli, wo bald ein blau-weiß markierter Weg Richtung Monte Rosa abzweigte. Es ist ein schmaler Bergpfad, der bergab führt, und an einem felsigen Abschnitt muss man etwas vorsichtig sein und sich ein paar Mal mit der Hand abstützen. Aber mit Bergschuhen ist der Weg eigentlich gut zu meistern. Ein Stück oberhalb des Gornergletschers folgten wir dem nun rot-weiß markierten Weg zum Aussichtspunkt am Gletscher. Man kommt dem Grenzgletscher sehr nahe, hat eine traumhafte Aussicht aufs Monte-Rosa-Massiv, ebenso auf Gornergletscher und Breithornmassiv. Gut war auch die neue Monte-Rosa-Hütte zu sehen. Um dorthin zu gelangen, muss man den Gornergletscher überschreiten. Dies hatten wir jedoch nicht vor. Wir gingen zurück zum Wegweiser und folgten nun der Ausschilderung Richtung Rotenboden. Über einen gut begehbaren Wanderweg ging es wieder ein Stück bergauf. Von Rotenboden aus wandten wir uns Richtung Riffelsee und stellten bald fest: auch in diesem kleinen Bergsee spiegelt sich das Matterhorn!

Und weil der Tag so schön war, wanderten wir noch weiter talwärts, statt die nächste Bergbahnstation anzusteuern. Wir entschieden uns, zum Gletschertor und von dort aus weiter nach Furi zu laufen. Auf dieser Strecke hatten wir nochmal eine gute Sicht auf Matterhorn und Breithorn. Dann ging es relativ steil hinunter ins Tal. Für diesen Weg braucht man gute Schuhe und Trittsicherheit. Wir konnten einige gut genährte Murmeltiere am Hang beobachten, die aber bald in ihren Löchern verschwanden. Die letzten Meter bis zum Gletschertor gingen wir nicht zurück, sondern wandten uns Richtung Furi. Wir gingen ein Stückchen auf dem Gletschergartenweg.

In Furi entschlossen wir uns, nicht mehr durch die Gornerschlucht nach Zermatt zu wandern, sondern noch einmal einzukehren, den letzten Apfelstrudel dieses Jahres zu genießen und die Spätsommer-Stimmung mit blauem Himmel, goldbraunen Almwiesen und intensivem Licht auf uns wirken zu lassen. Von Furi aus ging es mit der Bergbahn nach Zermatt. Es ist ja auch wichtig, Touren für ein nächstes Mal übrig zu lassen. Heute haben wir eine Strecke von 13 Kilometern zurückgelegt, 362 Höhenmeter Aufstieg, 1.575 Höhenmeter Abstieg.

Wir reisen immer ungern aus den Bergen ab. Dieses Mal haben wir beschlossen, hundert Jahre alt zu werden und noch ganz, ganz viele Hochgebirgstouren zu unternehmen. Nun brauchen die Beine eine Pause – bis zum nächsten Mal.

Und hier nun eine Auswahl an Fotos sowie - für Geduldige ;-) - das komplette Album.

Montag, 22. September 2014

Breithorn

Während meiner Recherchen zu diesem Urlaub kam mir irgendwann der Gedanke: es gibt so viele Viertausender um Zermatt – ist da nicht auch einer für uns dabei? Und tatsächlich: da kam einer in Frage, das Breithorn, dessen Westgipfel als leichtester Viertausender der Alpen gilt.

Seitdem habe ich mich immer wieder mit der Frage beschäftigt: Können wir das wagen? Wie sollten wir uns vorbereiten? Welche Ausrüstung benötigen wir? Außerdem stand für mich fest: eine Tour auf einen Viertausender kommt nur mit Bergführer, idealerweise in einer Gruppe, in Frage. Im Alpincenter in Zermatt, wo geführte Touren angeboten werden, riet man mir, einen Zeitraum für die Tour zu benennen und dann würde man sehen, ob das Wetter passt und eine Gruppe zusammen kommt.

Bei unserer Anreise in Zermatt war nicht das Matterhorn, sondern das Breithorn der erste Gipfel, den ich schon vom Zugfenster aus erkennen konnte. Und natürlich sahen wir immer wieder mit großem Interesse zu ihm auf. Bei unserer Höhbalmen-Tour konnten wir auch Menschen auf dem Gipfel erkennen. Auch wenn das Breithorn von Klein Matterhorn aus als relativ leicht zu besteigen gilt und obwohl es Leute gibt, die den Gipfel deswegen verschmähen, ist es doch ein wirklich hoher Berg, vor dem wir großen Respekt hatten und immer noch haben.

Wir waren bereits für die heutige Tour vorgemerkt, sind aber gestern – noch vor unserer Matterhorn-Glacier-Wanderung – schon einmal bis Klein Matterhorn gefahren. Von der Bergbahn und von der Aussichtsplattform aus wirkte der „sanfte Riese“ geradezu einschüchternd. Wir konnten auch Gruppen beim Aufstieg beobachten, die Menschen sahen winzig aus an dem gewaltigen Hang. Nach einigem Überlegen, auch kurzen Bedenken überwog das Interesse an der Tour und wir buchten gestern Nachmittag fest. Wir hatten doppelt Glück: eine Gruppe war zusammengekommen, und die Wetteraussichten waren geradezu ideal. Nachts und am Morgen gab es etwas Regen, aber als wir kurz nach acht Uhr die Ferienwohnung verließen, war es bereits sonnig, der Himmel war klar und die Sicht auf alle Gipfel ringsum war phänomenal.

Treffpunkt war an der Talstation der Bergbahn und als alle sechs Leute zusammen gekommen waren, fuhren wir hinauf, um oben bei Klein Matterhorn unseren Bergführer zu treffen. Ein wenig erschrak ich ja, weil außer mir nur Männer in der Gruppe waren. Aber wir hatten uns ja gut vorbereitet: unsere bisherigen Gipfeltouren und die beiden Hüttenübernachtungen waren zwar für sich allein auch schöne Erlebnisse, waren aber auch auf das Breithorn „zugeschnitten“. Und bei dem herrlichen Wetter überwog sofort die Vorfreude. Ich bin immer aufgeregt vor einer Gipfeltour, so war es auch dieses Mal. Aber als wir dann allesamt angeseilt waren und uns auf den Marsch machten, machte es nur noch Freude – und das sollte auch während der gesamten Tour so bleiben.

Am Breithornplateau pfiff ein eisiger Nordwind, aber wir waren alle warm angezogen (die Ausrüstungstipps im Bergführerbüro waren gut gewesen) und wenn man da so bei blauem, fast wolkenlosen Himmel in der Sonne über den Schnee geht, die Piste verlässt und es ganz still wird – das ist unglaublich schön und beruhigend. Es ist eine andere Welt dort oben im ewigen Schnee und Eis. Man ist dem Himmel nicht nur ein Stück näher – man fühlt sich schon beinahe wie im Himmel! Wir gingen eine ganze Weile in einer deutlichen Spur bis zum Bergfuß. Dort legten wir die Steigeisen an. Für die meisten war es die erste Hochtour überhaupt. Von nun an ging es etwas steiler in einigen langen Serpentinen hinauf. Das Gehen mit Steigeisen im Schnee war gut zu bewältigen und man fühlte sich auch sehr sicher, fand gut Halt, auch in den Trittspuren der Vorgänger. Es waren schon Gruppen auf dem Weg nach oben und ab und an hörte man es von oben jodeln – da waren also wieder einige oben angekommen. Das Wetter war einfach phantastisch. Das Matterhorn war völlig frei von Wolken, ebenso das Weißhorn und die umliegenden Gipfel. Man sah bis nach Italien und zum Mont Blanc. Das Tempo war langsam, ruhig und so ging es auch allen gut während des Aufstiegs. Es gab keinen einzigen Moment, an dem es mir irgendwie unheimlich gewesen wäre. Wir fühlten uns gut geführt und gut unterwegs und bald stellte sich die Gewissheit ein: ja, dies ist genau die richtige Schnupper-Hochtour für Leute wie uns! Wir waren 9.33 Uhr bei Klein Matterhorn aufgebrochen, 12.07 Uhr standen wir auf dem Gipfel mit 4.171 Metern. Auch dort oben war es kein bisschen unheimlich, auch nicht ausgesetzt. Mehrere Gruppen fanden dort Platz für eine Gipfelrast. Unser Bergführer machte auch bereitwillig Fotos von jedem Teilnehmer, der das wünschte. So gute Verhältnisse, meinte er, hat man dort oben nicht immer. Was für ein Glückstag! Die Aussicht war natürlich nicht zu toppen: man sah rundum die Alpengipfel vom Mont Blanc nach Italien, vom Berner Oberland bis zur Bernina. Zermatt unten war natürlich winzig, und selbst der Gornergrat erschien klein und spielzeugähnlich.

Gegen halb eins machten wir uns wieder an den Abstieg. Wir wurden darauf hingewiesen, breitbeinig zu gehen: das ist wichtig, damit sich die Steigeisen nicht ineinander oder an den Hosenbeinen verhaken. Aber der Abstieg ging gut und relativ zügig. Gegen 14 Uhr waren wir wieder an der Bergstation. Ein wunderschönes, einzigartiges Erlebnis war diese Tour. Erfahrenen Bergwanderern, die gern mal eine kleine Hochtour probieren möchten, können wir eine geführte Tour aufs Breithorn wärmstens empfehlen. Wir waren nur 4 ½ Stunden insgesamt unterwegs gewesen, aber das Gehen im Schnee erwies sich doch als ungewohnt und anstrengend. Wir sind 470 Höhenmeter auf – und abgestiegen, Distanz insgesamt 5,3 Kilometer.

Sonntag, 21. September 2014

Matterhorn-Glacier-Trail

Nach unserer gestrigen längeren Gipfeltour haben wir heute eine kurze Tour gemacht. Der Matterhorn-Glacier-Trail stand ganz oben auf unserer Wunschliste.

Am späten Vormittag fuhren wir mit Bergbahnen bis Trockener Steg. Zunächst war es noch sonnig, aber am Matterhorn war es bereits bewölkt. Der Weg ist gut markiert und verläuft unterhalb des Oberen Theodulgletschers und Furgggletschers Richtung Matterhorn/Schwarzsee. Dabei werden nur geringe Höhenunterschiede überwunden. Es ist ein richtiger „Gletscher-Lehrpfad“ mit vielen Informationstafeln zu Gletscherentstehung, zu Vegetation und auch zur Gletschernutzung. Man kommt an kleinen Bergseen vorbei und fühlt sich wie in einer Mondlandschaft. Während wir unterwegs waren, begann es ein wenig zu regnen, auch zu graupeln, und es wurde zeitweise richtig neblig. Auf Grund der vielen Stangenmarkierungen konnte man den Weg aber nicht verfehlen. Nur: etwas Aussicht wäre uns schon lieb gewesen! So bleibt der Wunsch, diese Tour bei gutem Wetter zu wiederholen. Wir kamen dem Matterhorn sehr nahe, sahen aber leider nicht viel davon. Als wir uns der Bergbahnstation Schwarzsee näherten (auf dem letzten Wegabschnitt geht es etwas steiler bergab), war es vor uns klar und kaum bewölkt, nur weiter oben war alles wolkenverhangen. Besonders für jenen Wegabschnitt benötigt man Bergschuhe. (Ich erwähne das, weil ich auch einige Leute mit Turnschuhen dort gesehen habe).

Am frühen Nachmittag fuhren wir wieder hinunter nach Zermatt. Nun hoffen wir auf gutes Wetter für die verbleibenden zwei Tage. Diese eher kurze Tour ging über reichlich 6 Kilometer, 252 Höhenmeter Anstieg, 573 Höhenmeter Abstieg. Wir haben ca. drei Stunden dafür benötigt, es gab ja Einiges zu lesen unterwegs.